Schulter

Subacromiales Impingement: Was der Befund bedeutet und wie wir behandeln

In Ihrem Ultraschall-, Röntgen- oder MRT-Befund steht „subacromiales Impingement“, „subakromiales Schmerzsyndrom“ oder „Subakromialraum eingeengt“, manchmal mit einer Zahl in Millimetern dahinter. Fast alle, die mit diesem Befund zu uns in die Sprechstunde kommen, haben dieselben zwei Fragen: Was heißt das? Und muss da operiert werden? Auf die zweite Frage lautet die Antwort nach der heutigen Studienlage in den meisten Fällen: nein. Warum das so ist, für wen es nicht gilt und was stattdessen hilft, erklären wir hier – und in der Sprechstunde an Ihren eigenen Bildern.

Die Begriffe aus Ihrem Befund, übersetzt:

  • Subakromialraum (auch subacromialer Raum): der Spalt zwischen dem Oberarmkopf und dem knöchernen Schulterdach, dem Akromion. Durch diesen Spalt laufen die Supraspinatussehne und ein Schleimbeutel, die Bursa subacromialis.
  • Subacromiales Impingement (auch Subacromialsyndrom, Subakromialsyndrom): Sammelbegriff dafür, dass Sehne und Schleimbeutel in diesem Raum gereizt sind. „Impingement“ ist englisch und heißt Einklemmen. Im ICD-Katalog steht dafür die Ziffer M75.4.
  • Subakromiales Schmerzsyndrom: Schmerz aus diesem Raum, ohne dass sich eine knöcherne Enge nachweisen lässt. Das ist die häufigere der beiden Formen.
  • Outlet-Impingement: Hier engt der Knochen die Sehne tatsächlich ein, etwa durch einen Sporn an der Unterseite des Schulterdachs (Acromionsporn) oder durch eine hakenförmige Form des Akromions.
  • Eine Zahl in Millimetern: Der Abstand zwischen Oberarmkopf und Schulterdach lässt sich messen. Die Werte hängen aber stark von Messmethode, Armstellung und Untersucher ab. Ein einzelner Zahlenwert sagt für sich genommen nicht, wie stark Ihre Beschwerden sind und wie behandelt werden sollte.

Diese Unterscheidung zwischen Schmerzsyndrom und knöcherner Enge trifft auch die deutsche S2e-Leitlinie Subacromiales Impingement (AWMF 033-056). Sie ist wichtig, weil sie über die Behandlung entscheidet.

‍

Was die Studien zur Schulterdach-Operation zeigen

Die bekannteste Operation bei diesem Befund ist die arthroskopische subacromiale Dekompression. Dabei wird über kleine Schnitte der gereizte Schleimbeutel entfernt und Knochen an der Unterseite des Schulterdachs abgetragen, um den Raum zu erweitern. Diese Operation ist in den vergangenen Jahren gründlich untersucht worden, und das Ergebnis ist eindeutig genug, um es an den Anfang zu stellen.

  • Vergleich mit einer Scheinoperation: In der britischen CSAW-Studie mit 313 Patienten brachte die Dekompression keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber einer reinen Gelenkspiegelung ohne Dekompression (Beard et al., Lancet 2018).
  • Zusammenschau aller Studien: Eine Cochrane-Übersicht über acht Studien mit 1.062 Patienten fand keinen klinisch wichtigen Vorteil der Dekompression gegenüber Placebo bei Schmerz, Funktion und Lebensqualität (Karjalainen et al., Cochrane 2019). Schwere Komplikationen der Operation sind selten, vermutlich unter einem Prozent.

Für wen diese Ergebnisse gelten: Untersucht wurden überwiegend Patienten mit einem subakromialen Schmerzsyndrom, also Schulterschmerz ohne nachgewiesene knöcherne Enge und ohne kompletten Sehnenriss. Für ein im Bild gesichertes Outlet-Impingement mit knöchernem Sporn und für einen Riss der Rotatorenmanschette lässt sich aus diesen Studien nicht ableiten, dass eine Operation nichts bringt. Sie sagen aber sehr deutlich: Der Eingriff ist keine allgemeine Lösung für Schulterschmerz.

Offener Punkt zwischen Studien und Leitlinie: Die deutsche S2e-Leitlinie empfiehlt, eine Dekompression zu erwägen, wenn die konservative Behandlung nicht ausreichend wirkt. Die placebokontrollierten Studien stellen genau diesen Schritt infrage. Diesen Widerspruch lösen wir nicht auf, wir benennen ihn. In der Praxis bedeutet er für uns: Wir sprechen bei einem Schmerzsyndrom ohne knöcherne Enge sehr zurückhaltend über eine Operation und erklären Ihnen die Datenlage, bevor Sie entscheiden.

‍

Woran Sie die Reizung im Alltag merken

  • Schmerz an der Vorder- und Außenseite der Schulter, oft in den Oberarm ausstrahlend
  • Schmerz beim seitlichen Anheben des Arms, typischerweise im mittleren Bewegungsbereich, und bei Arbeiten über Kopf
  • Beschwerden beim Anziehen einer Jacke oder beim Griff ins obere Regal
  • nächtlicher Schmerz beim Liegen auf der betroffenen Seite, meist durch den gereizten Schleimbeutel
  • nachlassende Kraft, wenn die Schulter über Wochen geschont wird

Eine deutliche Schwäche beim Heben oder Drehen ist ein anderes Signal: Sie spricht eher für einen Sehnenriss und gehört untersucht. Mehr dazu auf unserer Seite zur Rotatorenmanschettenläsion.

‍

Wie wir die Schulter untersuchen

Die Einordnung gelingt meist schon durch eine sorgfältige körperliche Untersuchung zusammen mit dem Ultraschall. Bildgebung ordnen wir gezielt an, nicht routinemäßig.

  • Gespräch: seit wann, bei welchen Bewegungen, welcher Beruf, welcher Sport, gab es einen Unfall?
  • Körperliche Untersuchung: Beweglichkeit, Kraft, Führung des Schulterblatts und spezielle Funktionstests für die einzelnen Sehnen. Wir untersuchen auch die Halswirbelsäule, weil Nackenprobleme in die Schulter ausstrahlen können.
  • Ultraschall: zeigt Schleimbeutel und Sehnen in Bewegung, ohne Strahlung, direkt in der Praxis.
  • Röntgen: sinnvoll bei Verdacht auf Kalk in der Sehne, einen Acromionsporn oder eine Arthrose des Schultereckgelenks.
  • MRT: bei Verdacht auf einen Sehnenriss und vor einer möglichen Operation.
  • Testinjektion: Lässt ein örtliches Betäubungsmittel unter dem Schulterdach den Schmerz kurz verschwinden, spricht das dafür, dass er wirklich aus diesem Raum kommt.

‍

Was konservativ hilft – und wie gut belegt es ist

Bewegungstherapie: der bestbelegte Baustein

Die Leitlinie empfiehlt beim subakromialen Schmerzsyndrom mit dem höchsten Empfehlungsgrad, zuerst physiotherapeutisch zu behandeln. Der Gedanke dahinter: Eine kräftige, gut abgestimmte Muskulatur hält den Oberarmkopf zentriert, sodass unter dem Schulterdach mehr Platz bleibt. Ziel sind Beweglichkeit und Kraft der Rotatorenmanschette und der Schulterblattmuskulatur. Ein Übungsprogramm für zu Hause gehört dazu, sonst trägt die Behandlung nicht. Belastungen, die den Schmerz auslösen, reduzieren wir vorübergehend – ruhigstellen tun wir die Schulter nicht.

Medikamente

Entzündungshemmende Schmerzmittel können die Reizung für eine begrenzte Zeit dämpfen und so Bewegungstherapie erst möglich machen. Wegen der Nebenwirkungen an Magen, Nieren und Kreislauf setzen wir sie so kurz wie möglich ein.

Kortison-Injektion

Eine Injektion unter das Schulterdach lindert den Schmerz oft schnell. Nach der Leitlinie wirkt sie vor allem kurzfristig; ein langfristiger Nutzen ist nicht belegt. Sie ist deshalb eine Starthilfe für die Übungsbehandlung und kein eigenständiger Behandlungsweg.

Eigenblut (ACP/PRP)

Aus Ihrem Blut wird ein Plasma mit angereicherten Blutplättchen gewonnen und unter das Schulterdach gespritzt. Die Leitlinie sieht für PRP beim Impingement eine kurzfristige Linderung der Beschwerden. Ein Vorteil über längere Zeit ist bisher nicht belegt, und die Studien sind in Aufbereitung und Dosierung sehr unterschiedlich. Wir setzen das Verfahren deshalb als Option ein, auch wenn Kortison vermieden werden soll, und nicht als Regelbehandlung. Ablauf und Kosten stehen auf unserer Seite zur Eigenbluttherapie.

Fokussierte Stoßwellentherapie

Bei Beschwerden der Rotatorenmanschette fand ein Cochrane-Review insgesamt nur wenige klinisch bedeutsame Vorteile der Stoßwellentherapie (Surace et al., Cochrane 2020). Die eingeschlossenen Studien unterscheiden sich stark in Gerät, Energiedosis und Patientengruppe. Am ehesten sprechen wir über die Stoßwelle, wenn Kalk in der Sehne liegt. Hintergründe dazu im Ratgeber Kalkschulter: Stoßwelle und Eigenblut.

‍

Wann wir trotzdem über eine Operation sprechen

Es gibt Befunde, bei denen eine Operation sinnvoll sein kann. Dazu gehören ein im Bild gesichertes Outlet-Impingement mit knöcherner Enge, ein Riss der Rotatorenmanschette und Beschwerden, die trotz konsequent durchgeführter Bewegungstherapie über Monate bleiben. Die Leitlinie empfiehlt, eine Dekompression arthroskopisch durchzuführen, also über eine Gelenkspiegelung. Nach jedem solchen Eingriff sollte Physiotherapie beginnen.

Dr. med. Christian Fluck, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und AGA-zertifizierter Arthroskopeur, führt arthroskopische Eingriffe an der Schulter durch. Die konservative Behandlung übernimmt in unserer Praxis auch Dr. med. Andreas Schuler, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Risiken

Bei jeder Injektion ist sehr selten eine Infektion möglich, deshalb arbeiten wir unter sterilen Bedingungen. Nach einer Kortison-Injektion kann der Schmerz kurz zunehmen. Nach einer Operation können unter anderem Infektionen, Nachblutungen oder eine vorübergehende Schultersteife auftreten. Über alle Risiken klären wir Sie vor jeder Behandlung persönlich auf.

‍

Wie lange das dauert

Wie schnell die Beschwerden abklingen, hängt vor allem davon ab, wie lange sie schon bestehen und ob sich die auslösende Belastung verändern lässt. Frische Reizungen bessern sich oft innerhalb weniger Wochen. Bestehen die Schmerzen seit vielen Monaten, braucht es meist mehrere Monate konsequentes Training. Überkopfsport wie Tennis, Volleyball, Handball oder Schwimmen steigern wir schrittweise, sobald Beweglichkeit und Kraft stimmen und die Schulter im Alltag ruhig ist.

‍

Kosten: was die Kasse zahlt und wovon der Rest abhängt

Wir behandeln gesetzlich und privat Versicherte. Die medizinisch notwendige Diagnostik und die Standardtherapie sind bei diesem Befund Kassenleistung.

  • Kassenleistung bei Indikation: Untersuchung, Ultraschall, Röntgen, ein notwendiges MRT, Physiotherapie auf Verordnung, Kortison-Injektion ohne den Zusatz pflanzlicher Inhaltsstoffe wie Traumeel und eine medizinisch notwendige Operation.
  • Eigenbluttherapie (ACP/PRP): für gesetzlich Versicherte eine Selbstzahlerleistung (IGeL), abgerechnet nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ): 150 bis 250 Euro pro Sitzung, 450 bis 750 Euro für eine Serie von drei Sitzungen.
  • Fokussierte Stoßwellentherapie: Für gesetzlich Versicherte ist sie hier eine Selbstzahlerleistung.

Wovon Ihre Kosten abhängen: von der Zahl der Sitzungen, die Sie tatsächlich erhalten, von der Art der Injektion, davon, ob zusätzliche Untersuchungen nötig werden, und bei privat Versicherten vom Steigerungssatz und von Ihrem Tarif. Private Krankenversicherungen erstatten Eigenblut je nach Tarif, meist bei dokumentierter Indikation; die Beihilfe erstattet häufig anteilig. Verbindlich ist immer erst der Kostenüberblick nach GOÄ, den Sie vor Beginn einer Selbstzahlerleistung von uns bekommen und in Ruhe mitnehmen können. Wir besprechen den Umfang mit Ihnen, bevor die Behandlung startet. Preisstand der oben genannten Beträge: Angaben der bisherigen Website.

‍

Was es sonst sein kann

Nicht jeder Schulterschmerz kommt aus dem Raum unter dem Schulterdach. Diese Krankheitsbilder werden anders behandelt, und wir grenzen sie in der Untersuchung ab:

  • Riss einer Sehne: deutliche Schwäche beim Heben oder Drehen. Siehe Rotatorenmanschettenläsion.
  • Steife Schulter: Hier ist die Beweglichkeit auch dann eingeschränkt, wenn wir den Arm führen. Siehe Capsulitis adhaesiva.
  • Verschleiß des Hauptgelenks: Bewegungsschmerz in alle Richtungen, im Röntgen sichtbar. Siehe Omarthrose.
  • Instabilität nach einem Auskugeln: Bei jüngeren Sportlern kann eine unsichere Schulter Beschwerden auslösen, die wie ein Impingement wirken. Siehe Schulterluxation.
  • Lange Bizepssehne: Schmerz an der Vorderseite der Schulter, mehr im Ratgeber Bizepssehnenentzündung.

‍

Termin in unserer Praxis im Kölner Agnesviertel

Unsere Praxis liegt in der Riehler Str. 36, 50668 Köln, im Agnesviertel wenige Gehminuten von der KVB-Haltestelle Ebertplatz. Mit dem Auto erreichen Sie das Parkhaus über die Einfahrt in der Wörthstraße. Zu uns kommen Patientinnen und Patienten aus der Kölner Innenstadt, aus Nippes, Riehl, Ehrenfeld, Deutz und Mülheim sowie aus Leverkusen, Bergisch Gladbach, Pulheim, Frechen, Hürth, Brühl, Dormagen und Bonn.

Sprechzeiten: Montag, Dienstag und Donnerstag 8 bis 18 Uhr, Mittwoch und Freitag 8 bis 13 Uhr.

Termin vereinbaren: online über Doctolib oder telefonisch unter 0221 95587870.

‍

Häufige Fragen

Was heißt Impingement auf Deutsch?

Impingement ist englisch und bedeutet Einklemmen oder Anstoßen. Gemeint ist, dass Sehne und Schleimbeutel im Raum unter dem Schulterdach gereizt werden.

Was bedeutet „Subakromialraum 5 mm“ oder „6 mm“ im Befund?

Das ist der gemessene Abstand zwischen Oberarmkopf und Schulterdach. Die Werte schwanken je nach Messmethode, Armstellung und Untersucher erheblich. Aus der Zahl allein lässt sich weder ableiten, wie stark Ihre Beschwerden sind, noch welche Behandlung richtig ist. Entscheidend ist die Zusammenschau mit Untersuchung und Beschwerdebild.

Wann muss ein Impingement operiert werden?

Selten. Bei einem Schmerzsyndrom ohne knöcherne Enge zeigen placebokontrollierte Studien keinen Vorteil der Dekompression. Wir sprechen über eine Operation vor allem bei nachgewiesener knöcherner Enge, bei einem Sehnenriss oder wenn konsequente Bewegungstherapie über Monate nicht ausreicht.

Wie behandelt man ein Impingement der Schulter?

An erster Stelle steht gezielte Bewegungstherapie mit regelmäßigen Eigenübungen. Ergänzend kommen entzündungshemmende Medikamente und eine Kortison-Injektion als Starthilfe infrage, bei Kalk in der Sehne auch die Stoßwelle.

Was sollte man bei einem Impingement nicht machen?

Die Schulter dauerhaft schonen. Wer aus Angst vor dem Schmerz wochenlang nichts bewegt, verliert Kraft, und die Beschwerden nehmen eher zu. Vorübergehend reduzieren sollten Sie das, was den Schmerz deutlich auslöst, meist Belastung über Kopf.

Wie lange dauert es, bis ein Impingement weg ist?

Frische Reizungen bessern sich oft in einigen Wochen, lange bestehende Beschwerden brauchen häufig mehrere Monate. Eine feste Dauer lässt sich nicht nennen.

Zahlt die Krankenkasse die Behandlung?

Untersuchung, Ultraschall, Röntgen, ein notwendiges MRT, Physiotherapie, Kortison-Injektion ohne den Zusatz pflanzlicher Inhaltsstoffe wie Traumeelund eine medizinisch notwendige Operation übernehmen gesetzliche und private Krankenversicherung. Eigenblut und Stoßwelle sind für gesetzlich Versicherte Selbstzahlerleistungen.

Brauche ich eine Überweisung?

Nein. Sie können direkt einen Termin bei uns vereinbaren, gesetzlich wie privat versichert.

‍

Termin in Köln: online über Doctolib oder telefonisch unter 0221 95587870. Bringen Sie vorhandene Ultraschall-, Röntgen- oder MRT-Befunde bitte mit, dann besprechen wir sie direkt gemeinsam.

Jetzt Termin vereinbaren!
Vereinbaren Sie Ihren Termin bei uns: Schnell und sicher direkt über Doctolib oder schreiben Sie uns eine Mail. Wir freuen uns Sie in unserer Praxis zu begrüßen.
Jetzt Termin vereinbaren