Was ist eine Kalkschulter?
Bei der Kalkschulter lagern sich Kalziumkristalle in der Sehne der Rotatorenmanschette ab, meist in der Supraspinatussehne. Warum das passiert, ist nicht abschließend geklärt – vermutet werden Durchblutungsstörungen kombiniert mit hormonellen Faktoren. Frauen zwischen 30 und 50 sind häufiger betroffen.
Charakteristisch ist der Verlauf in vier Phasen. In der Zellumwandlungs-Phase verändert sich das Sehnengewebe, oft beschwerdefrei. In der Verkalkungsphase lagert sich Kalk an, leichte bis mäßige Schmerzen treten auf. In der Resorptionsphase löst der Körper den Kalk auf – diese Phase ist heftig schmerzhaft und dauert Tage bis wenige Wochen. In der abschließenden Heilungsphase erholt sich die Sehne, die Beschwerden verschwinden.
Die typischen Symptome
Charakteristisch sind plötzlich einschießende, intensive Schulterschmerzen, die sich nachts deutlich verstärken. Beim seitlichen Anheben des Arms tritt der bekannte „painful arc" auf. Viele Patientinnen und Patienten nehmen eine Schonhaltung ein und entwickeln Bewegungsangst. In schweren Fällen kommt es zu einer Pseudoparalyse – der Arm lässt sich kaum noch bewegen.
Diagnose – so klären wir die Kalkschulter
Im Mittelpunkt stehen Anamnese und klinische Untersuchung mit dem typischen Schmerzverlauf, dem Painful-Arc-Test und dem charakteristischen Druckschmerz. Das Röntgen stellt das Kalkdepot direkt dar und ermöglicht die Größenbestimmung. Der Ultraschall zeigt zusätzlich Lage, Konsistenz und genauen Sitz des Depots – das ist wichtig für die Therapieplanung. Ein MRT ist nur selten nötig und sinnvoll bei zusätzlichem Verdacht auf einen Sehnenriss oder eine Schleimbeutelentzündung.
Konservative Therapie – Stufenplan
In der Akutphase wenden wir lokale Kühlung, Entlastung und entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac zeitlich begrenzt an. Gegebenenfalls hilft eine einmalige Kortisoninjektion in den Schleimbeutel zur akuten Schmerzlinderung.
Standard ist heute die fokussierte Stoßwellentherapie. Hochenergetische Schallwellen werden gezielt auf das Kalkdepot fokussiert. Sie könnnen den Kalkabbau einleiten , regen die Durchblutung an und beschleunigen die Resorption. Üblich sind drei bis fünf Sitzungen im Wochenabstand. Studien zeigen: Bei rund 70 Prozent der Patientinnen und Patienten löst sich der Kalk binnen sechs Monaten vollständig auf.
Wir kombinieren die Stoßwellentherapie häufig mit einer Eigenbluttherapie: Das körpereigene plättchenreiche Plasma wird direkt nach der Spülung in den Sehnenbereich gegeben – die Wachstumsfaktoren beschleunigen die
Sehnenregeneration und reduzieren die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls.
Eine arthroskopische Kalkentfernung ist heute nur in Ausnahmefällen nötig, etwa bei sehr großen, hartnäckigen Depots oder begleitendem Sehnenschaden. Mit der Kombination aus Stoßwelle und Needling lässt sich die OP-Rate deutlich senken.
Wann sollte ich zum Orthopäden?
Bei plötzlichen, intensiven Schulterschmerzen ohne klares Trauma, bei Nachtschmerzen, die den Schlaf stören, bei deutlich eingeschränkter Beweglichkeit oder wenn Schmerzmittel und Ruhe nicht binnen ein bis zwei Wochen helfen. Wir bieten Akuttermine bei Verdacht auf Kalkschulter – je früher die Behandlung beginnt, desto schneller sind Sie wieder beschwerdefrei. Vereinbaren Sie jetzt einen Termin.
FAQ – Häufige Fragen zur Kalkschulter
Wie lange dauert eine Kalkschulter?
Ohne Behandlung kann der Verlauf ein bis drei Jahre dauern, mit zwischenzeitlichen Beschwerdeschüben. Mit Stoßwelle und Eigenbluttherapie sind die meisten Patientinnen und Patienten innerhalb von drei bis sechs Monaten beschwerdefrei.
Tut die Stoßwellentherapie weh?
Während der Behandlung ist sie spürbar, manchmal unangenehm – aber nicht stark schmerzhaft. Die Intensität wird individuell angepasst. Eine Sitzung dauert nur fünf bis zehn Minuten.
Übernimmt die Krankenkasse die Stoßwelle bei Kalkschulter?
Bei nachgewiesener Kalkschulter beteiligen sich gesetzliche Krankenkassen seit 2019 in ausgewählten Fällen anteilig an den Kosten, häufiger handelt es sich hier jedoch um eine IGeL-Leistung.. Private Versicherungen übernehmen die Behandlung in der Regel vollständig.
Hilft Eigenbluttherapie bei Kalkschulter?
Vor allem in Kombination mit Needling. Sie unterstützt die Sehnenregeneration nach der Kalkentfernung und reduziert das Rückfallrisiko.
Kann die Kalkschulter zurückkommen?
In seltenen Fällen ja – meist an einer anderen Stelle der Rotatorenmanschette. Konsequente Bewegungstherapie und Schultermuskel-Training reduzieren das Risiko deutlich.