Die Begriffe im Befund:
- Rotatorenmanschette: vier Muskeln mit ihren Sehnen, die den Oberarmkopf in der flachen Pfanne halten und den Arm heben und drehen – Supraspinatus, Infraspinatus, Teres minor und Subscapularis. Am häufigsten betroffen ist die Supraspinatussehne.
- Läsion: ein Oberbegriff für „Schaden“. Er sagt noch nicht, ob die Sehne nur verschlissen und gereizt oder tatsächlich eingerissen ist. Im ICD-Katalog steht dafür die Ziffer M75.1.
- Tendinopathie oder Tendinose: die Sehne ist verändert und schmerzhaft, aber nicht durchtrennt.
- Partialläsion oder Teilriss: Die Sehne ist eingerissen, aber nicht auf ihrer ganzen Dicke durchtrennt.
- Komplettruptur, transmurale oder durchgreifende Ruptur: Die Sehne ist an mindestens einer Stelle vollständig durchtrennt – auch dann, wenn nicht ihre ganze Breite betroffen ist.
- Retraktion: Die gerissene Sehne hat sich zurückgezogen. Je weiter, desto schwieriger wird eine Naht.
- Fettige Degeneration oder Muskelatrophie: Der zugehörige Muskel ist verfettet oder geschrumpft. Das ist der wichtigste Hinweis darauf, dass ein Riss schon länger besteht.
Merken Sie sich vor allem eines: Nicht jede Läsion ist ein Riss, und nicht jeder Riss muss genäht werden. Viele verschleißbedingte Risse ab dem mittleren Lebensalter bleiben jahrelang unbemerkt und machen nie Beschwerden.
Welche Beschwerden dazugehören
- Schmerz an der Außenseite der Schulter, oft bis in den Oberarm ausstrahlend
- Schmerz beim seitlichen Heben des Arms und bei Bewegungen über Kopf
- Nachtschmerz, vor allem beim Liegen auf der betroffenen Seite
- Kraftverlust beim Heben, Drehen oder Halten – das ist das Zeichen, das eine Läsion von einer reinen Reizung unterscheidet
- nach einem Sturz oder ruckartigem Zug eine plötzliche Schwäche, der Arm lässt sich teils kaum noch aktiv heben
Ohne Kraftverlust und ohne Unfall steckt hinter Schulterschmerz häufiger eine Reizung im Raum unter dem Schulterdach. Dazu lesen Sie mehr auf unserer Seite zum subacromialen Impingement.
Wie entsteht der Schaden?
- Verschleiß: Mit den Jahren werden die Sehnen schlechter durchblutet und weniger belastbar. Wiederholte kleine Verletzungen können über lange Zeit zu einem vollständigen Riss führen.
- Unfall: Sturz auf den ausgestreckten Arm, ruckartiger Zug oder eine Schulterluxation. Dabei ist häufig die Subscapularissehne betroffen.
- Überlastung: wiederholte Überkopfbewegungen in Sport und Beruf, etwa bei Tennis, Handball, Schwimmen, bei Malern oder Dachdeckern.
- Enge unter dem Schulterdach, zum Beispiel durch einen knöchernen Sporn.
Nach heutigem Verständnis kommen meist mehrere Faktoren zusammen; die mechanische Enge allein erklärt den Schaden nicht.
Wie wir die Schulter untersuchen
Wir fragen zuerst, wann und wie die Beschwerden begonnen haben und ob es ein Unfallereignis gab. Dann testen wir jede Sehne einzeln, etwa mit dem Jobe-Test für den Supraspinatus oder dem Belly-Press-Test für den Subscapularis. So erkennen wir, welche Sehne geschwächt ist und wie stark.
- Ultraschall: direkt in der Praxis, ohne Strahlung, und in Bewegung. Geeignet, um einen Riss zu sehen und den Verlauf zu kontrollieren.
- MRT: die genaueste Untersuchung. Sie zeigt Größe und Form des Risses, die Retraktion und die Verfettung des Muskels – also genau die Angaben, an denen die Entscheidung über eine Operation hängt. Wir veranlassen sie bei frischen Verletzungen, bei Beschwerden über mehrere Monate und vor jedem geplanten Eingriff.
- Röntgen: ergänzend, für knöcherne Veränderungen, einen Sporn, Kalk oder eine Arthrose.
Operation oder Training? Was die Daten hergeben
Das ist die Frage, die fast jeder mit diesem Befund stellt. Die Antwort fällt je nach Befund unterschiedlich aus, und man muss mit der Gesamtlage beginnen:
- Kleine, verschleißbedingte Risse: Ein Cochrane-Review mit neun Studien fand bei überwiegend kleinen, degenerativen Rissen der Supraspinatussehne nach einem Jahr kaum Unterschiede zwischen Operation und Übungsbehandlung. Die Autoren betonen ausdrücklich, dass dieses Ergebnis nicht für Unfallrisse, große Risse der Subscapularissehne oder junge Patienten gilt (Karjalainen et al., Cochrane 2019). Für diese große Gruppe ist eine Operation also kein selbstverständlicher Schritt.
- Akute Risse nach einem Unfall: Nach der S2k-Leitlinie Rotatorenmanschettenruptur der DGOU von 2025 sollen akute Risse ohne fortgeschrittene Muskelverfettung zeitnah operiert werden. Beschwerdefreie Risse dagegen nicht. Die arthroskopische Naht mit Fadenankern gilt als Standardverfahren (AWMF-Leitlinie 187-055).
- Was daraus folgt: Entscheidend sind nicht Schmerz und Diagnose allein, sondern Entstehung, Größe, Retraktion, Zustand des Muskels, Alter und Anspruch an die Schulter. Genau deshalb schauen wir uns das MRT mit Ihnen gemeinsam an, bevor irgendjemand über eine Operation spricht.
Eine ausführliche Abwägung finden Sie auch in unserem Ratgeber Wann eine Operation hilft und wann nicht.
Behandlung ohne Operation
Bei Teilrissen und vielen älteren, verschleißbedingten Rissen ist der konservative Weg der richtige. Der Gedanke dahinter: Zuerst beruhigen wir Schmerz und Entzündung, dann kräftigen wir die übrige Schultermuskulatur so, dass sie den Ausfall der geschädigten Sehne ausgleicht.
- Physiotherapie und Eigenübungen sind die Basis – Kräftigung der Rotatorenmanschette und der Schulterblattmuskulatur, Beweglichkeit und Koordination, in der Regel über sechs bis zwölf Wochen. Ohne das eigene Programm zu Hause trägt die Behandlung nicht.
- Entzündungshemmende Medikamente für eine begrenzte Zeit, als Tablette oder lokal.
- Kortison-Injektion unter das Schulterdach: Nach der Leitlinie bessert sie Schmerz und Funktion kurzfristig, kann die Sehne langfristig aber schädigen. Wir setzen sie deshalb sparsam und als Starthilfe für die Übungsbehandlung ein.
- Eigenbluttherapie (ACP/PRP): Bei Teilrissen sieht die Leitlinie gegenüber Kortison eine Tendenz zu besseren Ergebnissen, aber keinen klaren Vorteil. Ein belegter Nutzen ist das noch nicht. Wir besprechen das Verfahren als Option, vor allem wenn Kortison vermieden werden soll. Ablauf und Kosten auf unserer Seite zur Eigenbluttherapie.
- Fokussierte Stoßwellentherapie: Ein Cochrane-Review fand bei Erkrankungen der Rotatorenmanschette insgesamt nur wenige klinisch bedeutsame Vorteile (Surace et al., Cochrane 2020). Am ehesten sprechen wir darüber, wenn zusätzlich Kalk in der Sehne liegt, siehe Kalkschulter: Stoßwelle und Eigenblut.
Wenn wir zur Sehnennaht raten
Eine Operation empfehlen wir vor allem in diesen Situationen:
- frischer Riss nach einem Unfall, besonders der Subscapularissehne und bei jüngeren, aktiven Patienten – hier zählt Zeit, solange die Sehne gut erhalten ist und sich nicht weit zurückgezogen hat
- kompletter Riss mit deutlichem Kraftverlust, solange der Muskel noch nicht verfettet ist
- anhaltende Beschwerden trotz konsequenter konservativer Behandlung über etwa drei bis sechs Monate
Verursacht ein Riss keine Beschwerden, operieren wir nicht.Wenn Beschwerden bestehen operiert Dr. med. Christian Fluck, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und AGA-zertifizierter Arthroskopeur. Er führt die Naht arthroskopisch durch, also über eine Gelenkspiegelung: Über kleine Schnitte wird die Sehne mit Fadenankern wieder am Knochen befestigt. Je nach Befund kann im selben Eingriff ein knöcherner Sporn abgetragen oder die lange Bizepssehne mitbehandelt werden. Die konservative Begleitung übernimmt in unserer Praxis auch Dr. med. Andreas Schuler, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie.
Wo die Behandlung an Grenzen stößt
- Ein kompletter Riss wächst ohne Operation nicht zusammen. Physiotherapie verbessert die Funktion der übrigen Muskeln, sie verschließt den Defekt nicht.
- Wird ein frischer Unfallriss zu lange konservativ behandelt, zieht sich die Sehne zurück und der Muskel verfettet. Dann ist eine Naht schwieriger oder nicht mehr möglich.
- Bei sehr großen, alten Rissen mit verfettetem Muskel ist eine Naht oft nicht mehr sinnvoll. Dann kommen Teilrekonstruktion, Sehnentransfer oder – bei zusätzlichem Gelenkverschleiß – eine Schulterprothese infrage, siehe Omarthrose.
Risiken
- Injektionen: vorübergehende Schmerzen, Bluterguss, sehr selten eine Infektion. Kortison kann den Blutzucker kurzfristig erhöhen.
- Operation: Infektion, Blutung, Thrombose, Nervenreizung, eine vorübergehend steife Schulter und ein erneuter Riss der genähten Sehne – vor allem bei großen Rissen und schlechter Sehnenqualität. Rauchen erhöht dieses Risiko.
Über alle Risiken klären wir Sie vor jeder Behandlung persönlich auf.
Heilung und Nachbehandlung
Bei konservativer Behandlung bessern sich die Beschwerden oft innerhalb von sechs bis zwölf Wochen gezielter Physiotherapie. Der Riss wächst dabei nicht zusammen, die Schulter kann aber wieder gut belastbar werden.
Nach einer Sehnennaht braucht die Sehne Zeit, um am Knochen einzuheilen. Der Arm wird je nach Stabilität der Naht drei bis sechs Wochen in einer Schiene gelagert; die passive Bewegung mit der Physiotherapie beginnt schon in dieser Zeit. Danach folgen aktive Übungen und Krafttraining. Zu frühe oder zu kräftige Belastung erhöht das Risiko eines erneuten Risses. Büroarbeit ist oft nach einigen Wochen wieder möglich, körperlich schwere Arbeit und Überkopfsport erst nach mehreren Monaten. Den Zeitplan legen wir nach Ihrer Sehne und Ihrem Sport fest, nicht nach Kalender.
Kosten: was die Kasse zahlt und wovon der Rest abhängt
Wir behandeln gesetzlich und privat Versicherte. Diagnostik und Standardtherapie sind bei medizinischer Indikation Kassenleistung.
- Gesetzlich versichert: Untersuchung, Ultraschall, Röntgen, ein medizinisch notwendiges MRT, Physiotherapie auf Verordnung, Kortison-Injektion ohne den Zusatz pflanzlicher Inhaltsstoffe wie Traumeel und eine medizinisch notwendige Operation übernimmt die Krankenkasse.
- Eigenbluttherapie (ACP/PRP): für gesetzlich Versicherte eine Selbstzahlerleistung (IGeL), nach GOÄ abgerechnet: 150 bis 250 Euro pro Sitzung, 450 bis 750 Euro für eine Serie von drei Sitzungen.
- Fokussierte Stoßwellentherapie: bei Sehnenschäden für gesetzlich Versicherte in der Regel Selbstzahlerleistung.
- Unfall im Beruf, auf dem Weg dorthin oder in der Schule: Dann ist die gesetzliche Unfallversicherung zuständig. Sagen Sie uns das bitte beim ersten Termin, damit wir es korrekt dokumentieren.
Wovon Ihre Kosten abhängen: von der Zahl der tatsächlich durchgeführten Sitzungen, davon, ob zusätzliche Untersuchungen nötig werden, und bei privat Versicherten vom Steigerungssatz und Ihrem Tarif. Private Krankenversicherungen und Beihilfe erstatten je nach Tarif, bei dokumentierter Indikation meist. Verbindlich ist der schriftliche Kostenüberblick nach GOÄ, den Sie vor Beginn jeder Selbstzahlerleistung erhalten; den Umfang besprechen wir vorher mit Ihnen. Preisstand der genannten Beträge: Angaben der bisherigen Website.
Was es sonst sein kann
Beim subacromialen Impingement ist die Sehne gereizt, aber nicht eingerissen; die Übergänge sind fließend, der Kraftverlust fehlt meist. Bei der Capsulitis adhaesiva ist die Schulter auch dann steif, wenn wir den Arm führen – bei einem Sehnenriss ist sie das in der Regel nicht. Ist das Hauptgelenk verschlissen, stehen Bewegungsschmerz und Einsteifung im Vordergrund, siehe Omarthrose. Nach Unfällen treten Verletzungen der Gelenklippe und der Sehnen oft gemeinsam auf, mehr dazu im Ratgeber Labrum und Schultersehnen nach Unfällen.
Termin in unserer Praxis im Kölner Agnesviertel
Unsere Praxis liegt in der Riehler Str. 36, 50668 Köln, im Agnesviertel, wenige Gehminuten von der KVB-Haltestelle Ebertplatz mit U-Bahn- und Stadtbahnanschluss. Mit dem Auto erreichen Sie das Parkhaus über die Einfahrt in der Wörthstraße. Wir behandeln Patientinnen und Patienten aus Neustadt-Nord, Nippes, Riehl, Ehrenfeld, der Innenstadt, Deutz und Mülheim sowie aus Leverkusen, Bergisch Gladbach, Pulheim, Dormagen, Frechen, Hürth, Brühl und Bonn.
Sprechzeiten: Montag, Dienstag und Donnerstag 8 bis 18 Uhr, Mittwoch und Freitag 8 bis 13 Uhr.
Termin vereinbaren: online über Doctolib oder telefonisch unter 0221 95587870. Bei einer frischen Verletzung melden Sie sich bitte zeitnah – bei akuten Rissen zählt die Zeit bis zur Naht.
Häufige Fragen
Was ist eine Läsion der Rotatorenmanschette?
Ein Schaden an einer oder mehreren Sehnen der Rotatorenmanschette. Der Begriff umfasst die verschlissene, gereizte Sehne ebenso wie den Teilriss und den vollständigen Riss. Welche Form vorliegt, zeigen Untersuchung, Ultraschall und MRT.
Was ist der Unterschied zwischen Läsion und Ruptur?
Läsion ist der Oberbegriff für den Schaden. Ruptur bedeutet, dass die Sehne tatsächlich gerissen ist. Eine Läsion kann also eine Ruptur sein, muss es aber nicht.
Was bedeutet M75.1 im Befund?
Das ist die ICD-Ziffer für Läsionen der Rotatorenmanschette. Sie dient der Abrechnung und Statistik und sagt nichts über die Größe des Schadens oder die richtige Behandlung aus.
Muss eine Rotatorenmanschettenläsion operiert werden?
Nicht immer. Viele Teilrisse und verschleißbedingte Risse lassen sich konservativ gut behandeln; bei kleinen degenerativen Rissen zeigt die Studienlage nach einem Jahr kaum Unterschiede zwischen Operation und Training. Frische Unfallrisse, besonders bei jüngeren Patienten, sollten dagegen zeitnah operiert werden.
Kann ein Riss der Rotatorenmanschette von selbst zusammenwachsen?
Ein kompletter Riss wächst nicht von selbst zusammen. Die Beschwerden können sich trotzdem deutlich bessern, weil die übrigen Muskeln die Funktion übernehmen.
Wie lange dauert die Heilung nach einer Operation?
Der Arm trägt drei bis sechs Wochen eine Schiene. Bis zur vollen Belastbarkeit für schwere Arbeit und Überkopfsport vergehen mehrere Monate.
Ist ein Schaden an der Rotatorenmanschette ein Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit?
Darüber entscheidet die gesetzliche Unfallversicherung im Einzelfall, nicht die behandelnde Praxis. Wichtig ist, dass ein konkretes Unfallereignis von Anfang an dokumentiert wird. Sagen Sie uns deshalb bitte gleich beim ersten Termin, wenn der Schaden bei der Arbeit, auf dem Weg dorthin oder in der Schule entstanden ist.
Zahlt die Krankenkasse die Behandlung?
Ja: Diagnostik, Physiotherapie, Kortison-Injektionen ohne den Zusatz pflanzlicher Inhaltsstoffe wie Traumeel und eine medizinisch notwendige Operation. Eigenbluttherapie und Stoßwelle sind für gesetzlich Versicherte in der Regel Selbstzahlerleistungen.
Brauche ich eine Überweisung?
Nein, Sie können direkt einen Termin bei uns vereinbaren, gesetzlich wie privat versichert. Bringen Sie vorhandene Befunde und Bilder bitte mit.
Termin in Köln: online über Doctolib oder telefonisch unter 0221 95587870. Bringen Sie Befund und Bilder bitte mit – auch die CD, nicht nur den Brief.