Was im Befund steht – und was es bedeutet:
- Omarthrose: Arthrose des Schulterhauptgelenks. Der Gelenkknorpel wird dünner, die Gleitflächen werden rauer, am Knochenrand entstehen Anbauten. Gemeint ist nicht das kleine Schultereckgelenk (AC-Gelenk), das eine eigene Arthrose entwickeln kann.
- Initiale, beginnende oder incipiente Omarthrose: erste Zeichen, meist geringe Veränderungen am Gelenkspalt oder kleine knöcherne Anbauten.
- Mäßige oder moderate Omarthrose: deutlichere Veränderungen, der Gelenkspalt ist schmaler geworden.
- Ausgeprägte oder fortgeschrittene Omarthrose: der Gelenkspalt ist weitgehend aufgebraucht, ausgeprägte knöcherne Anbauten.
- Aktivierte Omarthrose: Der Verschleiß ist gerade entzündlich gereizt – das Gelenk ist warm, geschwollen, tut auch in Ruhe weh. Das ist ein Zustand, kein eigenes Stadium, und er geht meist wieder zurück.
- Osteophyten: knöcherne Anbauten am Gelenkrand, eine Reaktion des Knochens auf die veränderte Belastung.
- Gelenkspaltverschmälerung und subchondrale Sklerosierung: weniger Knorpel zwischen den Knochen, verdichteter Knochen direkt darunter.
- Primär oder sekundär: primär heißt, es lässt sich keine einzelne Ursache erkennen. Sekundär heißt, eine frühere Schädigung hat den Verschleiß begünstigt – das ist an der Schulter der häufigere Fall.
- Defektarthropathie: Gelenkverschleiß als Folge eines großen, lange bestehenden Sehnenrisses. Die Behandlung richtet sich dann vor allem nach der Sehne, siehe Rotatorenmanschettenläsion.
Eine einheitliche Gradeinteilung für die Schulter gibt es nicht. Verschiedene Befunde nutzen verschiedene Skalen, deshalb lässt sich eine Angabe wie „Grad 2“ nicht allgemein übersetzen – dafür muss man den Befund und das Bild sehen. Und noch wichtiger: Röntgenstadium und Beschwerden gehen oft auseinander. Es gibt ausgeprägte Befunde mit wenig Schmerz und frühe Befunde mit viel Schmerz. Behandelt werden Sie, nicht das Bild.
Typische Beschwerden
- tiefer Schulterschmerz, der bei Bewegung und Belastung zunimmt
- Anlaufschmerz am Morgen oder nach längerer Ruhe
- Nachtschmerz, besonders beim Liegen auf der betroffenen Seite
- zunehmende Steifigkeit, vor allem beim Drehen des Arms nach außen und beim Heben über Kopf
- Reiben, Knirschen oder Hakeln im Gelenk
- nachlassende Kraft, weil der Arm aus Schmerz geschont wird
Im Alltag fällt das beim Kämmen auf, beim Anziehen einer Jacke oder beim Griff ins obere Regal. Kennzeichnend für die Arthrose ist, dass das Gelenk in alle Richtungen eingeschränkt ist – auch dann, wenn wir den Arm führen.
Wie der Verschleiß entsteht
Bei der primären Form ist keine einzelne Ursache erkennbar, das Risiko steigt mit dem Alter. An der Schulter häufiger ist die sekundäre Form:
- schwere körperliche Arbeit und häufige Tätigkeiten über Kopf
- Verletzungen, vor allem Brüche am Oberarmkopf oder an der Pfanne und wiederholte Verrenkungen, siehe Schulterluxation
- große, lange bestehende Risse der Rotatorenmanschette: Fehlt die Zentrierung des Oberarmkopfes durch die Sehnen, kann eine Defektarthropathie entstehen
- entzündliche Gelenkerkrankungen wie die rheumatoide Arthritis
- Durchblutungsstörungen des Oberarmkopfes (Humeruskopfnekrose)
Im Vergleich zu Knie und Hüfte ist die Schulter seltener betroffen, weil sie kein tragendes Gelenk ist.
Wie wir untersuchen
Am Anfang stehen Gespräch und körperliche Untersuchung: aktive und passive Beweglichkeit, Kraft der Rotatorenmanschette, typische Schmerzpunkte. Im Röntgenbild sehen wir Gelenkspalt, Osteophyten und die Stellung des Oberarmkopfes. Mit dem Ultraschall beurteilen wir in der Praxis die Sehnen und einen möglichen Erguss – das ist wichtig, weil der Zustand der Rotatorenmanschette die Behandlung mitbestimmt. Für eine frühe Arthrose und für Begleitschäden an den Sehnen ist das MRT die genaueste Untersuchung. Zur Planung einer Operation kann eine dreidimensionale Darstellung der Pfanne ergänzt werden, etwa mit der CT Untersuchung und seltener mit der DVT.
Was die Behandlung leisten kann – und was nicht
Damit Sie die folgenden Abschnitte richtig einordnen: Für die Arthrose der Schulter gibt es deutlich weniger hochwertige Studien als für Knie und Hüfte. Das sagen wir auch im Gespräch offen.
- Injektionen allgemein: Eine systematische Übersichtsarbeit mit über 1.100 Patienten kommt zu dem Schluss, dass Injektionen die Beschwerden lindern können. Für Hyaluronsäure zeigten sich beständige, aber moderate Effekte; für Eigenblutpräparate ist die Datenlage begrenzt (Migliorini et al., Eur J Med Res 2025).
- Eigenblut im direkten Vergleich: In einer doppelblinden randomisierten Studie mit 70 Patienten besserten sich Schmerz und Funktion nach einer PRP-Injektion und nach einer Hyaluronsäure-Injektion ab dem ersten oder zweiten Monat deutlich. Einen Unterschied zwischen beiden Verfahren gab es über zwölf Monate nicht (Kirschner et al., Clin J Sport Med 2022).
- Gelenkersatz: Ein Cochrane-Review fand keine hochwertigen Studien, die den Gelenkersatz direkt mit anderen Behandlungen vergleichen, und bewertet die Evidenz als schwach. Im Vergleich der Prothesentypen untereinander schnitt die Totalprothese gegenüber dem reinen Kopfersatz bei Schmerz und Funktion etwas besser ab (Craig et al., Cochrane 2020).
- Was nicht geht: Knorpel wächst durch keine dieser Behandlungen nach. Ziel ist Schmerzlinderung und der Erhalt von Beweglichkeit, nicht ein neues Gelenk.
Bewegung und Physiotherapie
Gezielte Physiotherapie hält die Kapsel beweglich und kräftigt die Muskulatur, die den Oberarmkopf in der Pfanne zentriert. Entscheidend ist, die Übungen zu Hause regelmäßig weiterzuführen – spürbar wird das meist erst nach einigen Wochen. Anregungen dazu in unserem Ratgeber Übungen bei Schulterarthrose und wann eine Prothese sinnvoll wird.
Medikamente
Entzündungshemmende Schmerzmittel können eine aktivierte Arthrose beruhigen und Bewegungstherapie erst möglich machen. Wegen möglicher Nebenwirkungen an Magen, Nieren und Herz-Kreislauf-System setzen wir sie so kurz wie möglich ein.
Kortison, Hyaluron oder Eigenblut?
- Kortison wirkt schnell gegen eine akute Entzündung, etwa bei einem Reizerguss. Wegen möglicher Nachteile für Knorpel und Sehnen geben wir es zurückhaltend und nicht wiederholt.
- Hyaluronsäure soll die Gleitfähigkeit im Gelenk verbessern. Die oben genannte Übersichtsarbeit sieht dafür beständige, aber moderate Effekte.
- Eigenbluttherapie (ACP/PRP): Aus einer kleinen Blutprobe wird ein Plasma mit angereicherten Blutplättchen gewonnen und ins Gelenk gespritzt. In der genannten Vergleichsstudie war das Ergebnis über zwölf Monate dem der Hyaluronsäure ebenbürtig; insgesamt ist die Datenlage für die Schulter begrenzt. Wir setzen das Verfahren bei leichter bis mittelschwerer Arthrose ein. Ablauf und Kosten auf unserer Seite zur Eigenbluttherapie.
Welche Injektion zu Ihnen passt, hängt vom Stadium, von Begleiterkrankungen und von Ihrem Ziel ab. Bei weit fortgeschrittener Arthrose mit aufgebrauchtem Knorpel ist der Nutzen gering – dann sprechen wir offen über eine Operation statt über eine weitere Spritze. Bei akuter Infektion, bestimmten Gerinnungsstörungen oder schlecht eingestelltem Diabetes planen wir Injektionen besonders sorgfältig oder verzichten darauf.
Risiken
- Injektionen: vorübergehende Schmerzen oder Schwellung, ein Bluterguss an der Einstichstelle, sehr selten eine Gelenkinfektion. Deshalb arbeiten wir unter sterilen Bedingungen. Kortison kann den Blutzucker vorübergehend erhöhen.
- Arthroskopie: Infektion, Blutung, Thrombose, vorübergehende Bewegungseinschränkung.
- Schulterprothese: zusätzlich Lockerung, Instabilität oder Probleme an der Rotatorenmanschette, die eine erneute Operation nötig machen können.
Über alle Risiken klären wir Sie vor jeder Behandlung persönlich auf.
Wann eine Operation infrage kommt
Nicht das Röntgenstadium entscheidet, sondern Ihr Alltag: Eine Operation kommt in Betracht, wenn Schmerzen und Bewegungseinschränkung trotz konsequenter konservativer Behandlung deutlich einschränken. Ein bestimmtes Alter allein ist kein Grund – und auch kein Ausschlusskriterium.
Gelenkerhaltende Arthroskopie
Bei jüngeren, aktiven Patienten mit mittelgradiger Arthrose kann eine Gelenkspiegelung helfen: lose Knorpelteile und störende Osteophyten entfernen, eine verklebte Kapsel lösen, eine gereizte Bizepssehne behandeln. Den Verschleiß hält der Eingriff nicht auf. Er kann Beschwerden verringern und einen Gelenkersatz hinauszögern. Arthroskopische Eingriffe an der Schulter führt Dr. med. Christian Fluck durch, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und AGA-zertifizierter Arthroskopeur. Die konservative Begleitung übernimmt in unserer Praxis auch Dr. med. Andreas Schuler, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie.
Künstliches Schultergelenk
Bei fortgeschrittener Arthrose ist die Schulterprothese die Standardoperation. Ist die Rotatorenmanschette intakt, wird in der Regel eine anatomische Prothese eingesetzt, die die natürliche Form nachbildet. Ist die Manschette dauerhaft geschädigt, kommt meist eine inverse Prothese infrage, bei der Kugel und Pfanne vertauscht sind. Welche Variante sinnvoll ist, zeigen Untersuchung und Bildgebung.
Alltag, Sport und Verlauf
Eine Arthrose bildet sich nicht zurück. Mit der richtigen Behandlung lassen sich Schmerzen aber oft über lange Zeit gut kontrollieren, und genau darauf legen wir den Plan an: Wir begleiten die Erkrankung über Jahre, mit Kontrollen und Anpassungen, nicht in einem einzelnen Termin. Nach einer Injektion oder einer Serie Eigenbluttherapie spüren viele Patienten eine Veränderung erst nach einigen Wochen.
Gelenkschonende Sportarten wie Radfahren, Walken, Rudern am Gerät oder moderates Schwimmen sind meist gut möglich und ausdrücklich erwünscht. Wurfsport, Kampfsport und schweres Krafttraining über Kopf belasten das Gelenk stärker. Nach einer Arthroskopie oder einer Prothese dauert die Rehabilitation mehrere Monate; wann Sie welchen Sport wieder aufnehmen, legen wir nach Befund und Verfahren fest.
Kosten: was die Kasse zahlt und wovon der Rest abhängt
Wir behandeln gesetzlich und privat Versicherte.
- Gesetzlich versichert: Untersuchung, Röntgen, medizinisch notwendige Bildgebung, Physiotherapie auf Verordnung, Kortison-Injektionen ohne den Zusatz pflanzlicher Inhaltstoffe wie z.B. Traumeel und eine medizinisch begründete Operation übernimmt die Krankenkasse.
- Eigenbluttherapie (ACP/PRP): für gesetzlich Versicherte eine Selbstzahlerleistung (IGeL), nach GOÄ abgerechnet: 150 bis 250 Euro pro Sitzung, 450 bis 750 Euro für eine Serie von drei Sitzungen.
- Hyaluronsäure-Injektion: für gesetzlich Versicherte eine Selbstzahlerleistung (IGeL). ca 70-150 Euro pro Sitzung
Wovon Ihre Kosten abhängen: von der Zahl der tatsächlich durchgeführten Injektionen, vom gewählten Präparat, davon, ob zusätzliche Untersuchungen nötig werden, und bei privat Versicherten vom Steigerungssatz und von Ihrem Tarif. Private Versicherungen und Beihilfe erstatten je nach Tarif, bei dokumentierter Indikation meist; den Kostenüberblick können Sie vorab bei Ihrer Versicherung einreichen. Verbindlich ist immer der schriftliche Kostenüberblick nach GOÄ, den Sie vor Beginn einer Selbstzahlerleistung erhalten. Den Umfang besprechen wir mit Ihnen, bevor die Behandlung beginnt. Preisstand der genannten Beträge: Angaben der bisherigen Website.
Was es sonst sein kann
Nicht jede schmerzhafte, steife Schulter ist eine Arthrose. Bei der Capsulitis adhaesiva ist die Gelenkkapsel entzündet und geschrumpft, das Röntgenbild ist meist unauffällig, und die Beschwerden bilden sich über Monate meist zurück. Beim subacromialen Impingement schmerzt vor allem das seitliche Heben, die Beweglichkeit ist passiv meist frei. Steht Kraftverlust im Vordergrund, geht es eher um die Rotatorenmanschette. Einen Überblick über die drei Krankheitsbilder gibt unser Ratgeber Wenn der Arm nicht mehr hoch will.
Termin in unserer Praxis im Kölner Agnesviertel
Unsere Praxis liegt in der Riehler Str. 36, 50668 Köln, im Agnesviertel nahe dem Ebertplatz. Mit Bus und Bahn fahren Sie bis zur KVB-Haltestelle Ebertplatz, mit dem Auto erreichen Sie das Parkhaus über die Einfahrt in der Wörthstraße. Zu uns kommen Patientinnen und Patienten aus Neustadt-Nord, Nippes, Riehl, Ehrenfeld, der Innenstadt, Deutz und Mülheim sowie aus Leverkusen, Bergisch Gladbach, Pulheim, Dormagen, Frechen, Hürth, Brühl und Bonn.
Sprechzeiten: Montag, Dienstag und Donnerstag 8 bis 18 Uhr, Mittwoch und Freitag 8 bis 13 Uhr.
Termin vereinbaren: online über Doctolib oder telefonisch unter 0221 95587870. Bringen Sie vorhandene Röntgen- oder MRT-Bilder bitte mit.
Häufige Fragen
Was bedeutet Omarthrose?
Omarthrose ist der medizinische Begriff für den Verschleiß des Schulterhauptgelenks, also des Gelenks zwischen Oberarmkopf und Schulterblattpfanne. „Om-“ steht für Schulter.
Was ist der Unterschied zwischen Arthrose und Omarthrose?
Arthrose ist der Oberbegriff für Gelenkverschleiß. Omarthrose bezeichnet ihn speziell an der Schulter.
Was heißt „initiale Omarthrose“ im Befund?
Es handelt sich um erste, geringe Verschleißzeichen. Das ist kein Grund zur Sorge und in aller Regel kein Grund für eine Operation. Wichtiger als das Wort ist, ob und wie stark Sie Beschwerden haben.
Was bedeutet „aktivierte Omarthrose“?
Der Verschleiß ist gerade entzündlich gereizt: Das Gelenk schmerzt auch in Ruhe, ist warm und manchmal geschwollen. Dieser Zustand lässt sich meist gut beruhigen und ist kein neues Stadium der Erkrankung.
Was sagt eine Gradangabe wie „Grad 2“ aus?
Für die Schulter gibt es keine einheitliche Gradeinteilung, verschiedene Befunde nutzen verschiedene Skalen. Eine allgemeine Übersetzung ist deshalb nicht möglich – bringen Sie den Befund und die Bilder mit, dann ordnen wir die Angabe ein.
Ist eine Omarthrose heilbar?
Nein, verschlissener Knorpel wächst nicht nach. Beschwerden und Beweglichkeit lassen sich mit Bewegungstherapie, Injektionen und bei Bedarf einer Operation aber oft über lange Zeit gut beeinflussen.
Wann muss eine Schulterarthrose operiert werden?
Wenn Schmerzen und Bewegungseinschränkung trotz konsequenter konservativer Behandlung den Alltag deutlich beeinträchtigen. Ein bestimmtes Röntgenstadium allein ist kein Operationsgrund.
Zahlt die Krankenkasse die Behandlung?
Untersuchung, Röntgen, Physiotherapie, NSAR, Kortison und eine notwendige Operation übernimmt die gesetzliche Krankenkasse. Hyaluronsäure und Eigenbluttherapie sind Selbstzahlerleistungen; private Versicherungen erstatten je nach Tarif.
Kann ich mit Schulterarthrose Sport machen?
Ja, in den meisten Fällen. Gelenkschonende Ausdauer- und Kraftübungen sind sogar Teil der Behandlung. Überkopf- und Wurfsportarten stimmen Sie bitte mit uns ab.
Brauche ich eine Überweisung?
Nein. Sie können als gesetzlich oder privat Versicherter direkt einen Termin bei uns vereinbaren. Vorbefunde Ihres Hausarztes helfen uns trotzdem.
Termin in Köln: online über Doctolib oder telefonisch unter 0221 95587870. Bringen Sie Befund und Bilder mit, dann gehen wir sie gemeinsam durch.