Was ist die Rotatorenmanschette?
Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Sehnen – Supraspinatus, Infraspinatus, Subscapularis und Teres minor –, die wie eine Manschette das Schultergelenk umhüllen. Sie zentriert den Oberarmkopf in der Pfanne und ermöglicht das Heben und Drehen des Arms. Reißt eine dieser Sehnen, gerät dieses fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht.
Risse entstehen aus zwei Gründen. Bei der degenerativen Form verliert die Sehne mit dem Alter an Elastizität, mikroskopische Schäden summieren sich, irgendwann reißt die Sehne ohne Trauma. Bei der traumatischen Form ist ein Sturz auf die Schulter, das plötzliche Anheben einer Last oder eine Wurfbewegung mit voller Kraft die Auslösung. Wichtig zu wissen: Bei Patientinnen und Patienten über 60 finden sich asymptomatische Risse in der Rotatorenmanschette in etwa 30 Prozent der Fälle. Risse sind also nicht automatisch behandlungsbedürftig.
Die typischen Symptome
Klassisch ist der Schmerz beim seitlichen Anheben des Arms zwischen 60 und 120 Grad – der sogenannte „painful arc". Hinzu kommt der Nachtschmerz bei Seitenlage auf der betroffenen Schulter, ein mitunter deutlicher Kraftverlust bei Hebebewegungen und beim Greifen über Kopf, eine zunehmende Steifigkeit, die sich im Verlauf zu einer sekundären Capsulitis adhaesiva („Frozen Shoulder") entwickeln kann. Ein Knirschen oder Reiben beim Bewegen ist ebenfalls häufig.
Diagnose – so klären wir den Befund
Wir beginnen mit der klinischen Untersuchung und spezifischen Tests wie Jobe, Drop-Arm und Belly-Press, die zeigen, welche Sehne betroffen ist. Der Ultraschall ist eine schnelle, dynamische Untersuchung und sehr gut zur Erstdiagnose und Verlaufskontrolle geeignet. Goldstandard für die genaue Beurteilung der Rissgröße, der Sehnenqualität und einer eventuellen Muskelverfettung ist das MRT – es ist entscheidend für die Operationsentscheidung. Bei knöchernen Begleitverletzungen ergänzen wir die Digitale Volumentomographie, die im Vergleich zum klassischen CT eine deutlich geringere Strahlendosis bedeutet.
Konservative Therapie – wann ist sie sinnvoll?
Bei degenerativen Teilrissen, älteren Patientinnen und Patienten und ungenügender Sehnenqualität setzt sich zunehmend die konservative Behandlung durch. Studien zeigen: Bei der Hälfte der degenerativen Risse erreichen Patienten unter strukturierter Therapie eine vergleichbare Funktion wie nach einer Operation, ohne deren Risiken.
Unsere konservative Strategie kombiniert gezielte Physiotherapie über sechs bis zwölf Wochen mit Schwerpunkt auf der Schultergürtelstabilisation, schmerzadaptierter Bewegungstherapie und einer Stoßwellentherapie zur Reizminderung. Die Eigenbluttherapie mit ACP oder PRP fördert die Sehnenheilung – besonders bei Teilrissen. Entzündungshemmende Medikamente kommen zeitlich begrenzt zum Einsatz, Sport und Beruf passen wir in der Akutphase entsprechend an.
Wann ist die Operation nötig?
Junge Patientinnen und Patienten mit traumatischem Riss sollten zeitnah operiert werden, um die Sehnenqualität zu erhalten. Auch Komplettrisse mit deutlichem Funktionsverlust und Versagen der konservativen Therapie nach drei bis sechs Monaten sind Operationsindikationen. Bei massiven Rissen mit Retraktion gilt: Je früher operiert, desto besser das Ergebnis. Persistierende Schmerzen unter strukturierter konservativer Therapie sind ebenfalls eine Operationsindikation. Die Operation erfolgt minimalinvasiv per Schulterarthroskopie. Die Nachbehandlung dauert vier bis sechs Monate – Geduld ist hier entscheidend für den Heilungserfolg.
Die Rolle der Eigenbluttherapie
Die Eigenbluttherapie wird bei Rotatorenmanschettenproblemen zunehmend etabliert – sowohl konservativ als auch begleitend zur Operation. Bei Teilrissen und chronischen Reizungen zeigt sie in mehreren Studien gute Ergebnisse: weniger Schmerz, bessere Funktion, beschleunigte Sehnenheilung. In unserer Praxis injizieren wir das plättchenreiche Plasma unter Ultraschallkontrolle direkt an den Sehnenansatz.
Prognose – was ist realistisch?
Bei rechtzeitiger Behandlung ist die Prognose insgesamt günstig. 70 bis 80 Prozent der konservativ behandelten Patientinnen und Patienten mit degenerativen Teilrissen sind nach sechs Monaten zufrieden. Nach Operation liegt die Erfolgsrate bei 85 bis 90 Prozent, allerdings mit längerer Rehabilitationszeit. Wichtig: Je länger ein traumatischer Riss unbehandelt bleibt, desto schlechter wird die Sehnenqualität. Im Extremfall ist die Sehne irgendwann nicht mehr nähbar.
FAQ – Häufige Fragen zur Rotatorenmanschette
Heilt ein Rotatorenmanschettenriss von allein?
Eine vollständig gerissene Sehne wächst nicht von selbst wieder zusammen. Teilrisse können sich aber stabilisieren und Patientinnen und Patienten beschwerdefrei werden – das Sehnenpaket übernimmt die Aufgaben kompensatorisch.
Welche OP ist die beste Wahl?
Bei einem nähbaren Riss wird heute fast ausschließlich arthroskopisch genäht – die sogenannte Schlüssellochchirurgie. Moderne Fadenanker und doppelreihige Techniken erhöhen die Heilungsraten deutlich.
Wie lange dauert die Heilung nach der Schulter-OP?
Die Sehne braucht drei Monate, um anwachsen zu können. Volle Belastbarkeit ist erst nach vier bis sechs Monaten gegeben. Diese Geduldsphase ist medizinisch nicht verhandelbar.
Hilft Eigenbluttherapie bei Rotatorenmanschettenriss?
Bei Teilrissen und chronischen Reizungen zeigt sie in mehreren Studien gute Ergebnisse. Bei Komplettrissen ersetzt sie die Naht-OP nicht, kann aber als Ergänzung die Heilung unterstützen.
Welche Sportarten sind nach Rotatorenmanschettenriss möglich?
Schwimmen mit Rückenkraul, kein Brustschwimmen anfangs, Spazierengehen und Radfahren auf flachem Untergrund sind problemlos. Später folgt gezieltes Krafttraining mit Schulter-Stabilisation. Wurfsportarten und Klettern sind erst nach vier bis sechs Monaten Reha sinnvoll.
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