Was macht ein Orthopäde?
Ein Orthopäde ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und beschäftigt sich mit allen Erkrankungen des Bewegungsapparates. Zum Bewegungsapparat gehören Knochen, Gelenke, Bänder, Sehnen, Muskeln, Bandscheiben und die dazugehörigen Nerven. Der Orthopäde diagnostiziert und behandelt sowohl akute Verletzungen als auch chronische Erkrankungen dieser Strukturen. Das Fachgebiet reicht damit vom verstauchten Sprunggelenk beim Sportunfall über den Bandscheibenvorfall bei Rückenschmerzen bis zur Arthrose im hohen Alter.
Die moderne Orthopädie ist ein sehr breites Fachgebiet. Sie umfasst konservative Behandlungen wie Physiotherapie, Injektionen, orthopädische Hilfsmittel und Schmerzbehandlung genauso wie operative Eingriffe an Gelenken, Bandscheiben, Sehnen und Bändern. In der Praxis liegt der Fokus meist auf der ambulanten konservativen Behandlung sowie auf der Diagnostik und der Therapieplanung. Operative Eingriffe finden je nach Praxisstruktur ambulant vor Ort oder in Kooperation mit Kliniken statt.
Wie wird man Orthopäde?
Der Weg zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist lang. Nach dem Abitur folgt zunächst ein sechsjähriges Medizinstudium mit anschließendem dritten Staatsexamen. Danach beginnt die Facharztausbildung, die für Orthopädie und Unfallchirurgie sechs Jahre dauert. Sie umfasst Rotationen in verschiedene Bereiche wie unfallchirurgische Notfallmedizin, operative Orthopädie, konservative Orthopädie und angrenzende Fächer wie Rheumatologie, Neurochirurgie oder Handchirurgie.
Am Ende der Facharztausbildung steht die Facharztprüfung bei der zuständigen Ärztekammer. Erst nach bestandener Prüfung darf sich ein Arzt „Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie" nennen. Viele Orthopäden absolvieren nach der Facharztausbildung noch spezielle Weiterbildungen, etwa in Sportmedizin, Chirotherapie, Manueller Medizin, spezieller orthopädischer Chirurgie oder in operativen Teilgebieten wie der Wirbelsäulenchirurgie oder der Endoprothetik. Die kontinuierliche Fortbildung ist gesetzlich vorgeschrieben und wird in Fortbildungspunkten dokumentiert.
Der ehemalige eigenständige Facharzt für Orthopädie wurde in Deutschland 2005 mit der Unfallchirurgie zum gemeinsamen Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie verschmolzen. Ältere Fachärzte tragen noch die alte Bezeichnung, die inhaltliche Qualifikation ist aber gleichwertig.
Welche Beschwerden gehören zum Orthopäden?
Der Orthopäde ist zuständig für praktisch alle Beschwerden am Bewegungsapparat. Bei akuten Verletzungen wie Verstauchungen, Bänderrissen, Muskelverletzungen und Knochenbrüchen ist er die richtige Anlaufstelle. Bei chronischen Rückenbeschwerden, Bandscheibenvorfällen, Gelenkbeschwerden, Arthrose, Sehnenreizungen und Fehlstellungen ist er ebenfalls zuständig. Auch Sportverletzungen und deren Rehabilitation fallen in sein Fachgebiet.
Bei Kindern und Jugendlichen ist der Orthopäde zuständig für die Untersuchung der Haltung, für die Skoliose-Diagnostik und für Wachstumsprobleme wie X-Beine, O-Beine oder Fußfehlstellungen. Details zur strahlungsfreien Diagnostik bei Kindern finden Sie in unserem Beitrag zur 4D Wirbelsäulenvermessung.
Bei älteren Menschen liegt der Schwerpunkt oft auf der Behandlung der Arthrose, auf der Osteoporose-Nachsorge und auf der Beratung zu Hilfsmitteln wie Gehstöcken, Orthesen oder Einlagen. Auch die Vorbereitung und Nachsorge einer Gelenkersatzoperation gehört zum orthopädischen Alltag.
Orthopäde oder Chirurg? Wo liegt der Unterschied?
Diese Frage stellen viele Patienten. Der Orthopäde und Unfallchirurg ist einer der Fachärzte, die Operationen am Bewegungsapparat durchführen dürfen. In der ambulanten Praxis liegt der Fokus meist auf der konservativen Behandlung, in der Klinik liegt der Fokus auf operativen Eingriffen. Viele Orthopäden operieren auch selbst, oft in einem ambulanten OP-Zentrum oder in Kooperation mit einer Klinik. Andere Kollegen konzentrieren sich ausschließlich auf konservative Behandlung und verweisen für Operationen an spezialisierte Kollegen.
Neben dem Orthopäden gibt es weitere Fachrichtungen, die sich mit dem Bewegungsapparat beschäftigen. Der Neurochirurg operiert am Nervensystem und ist besonders für Bandscheibenoperationen und Wirbelsäulenchirurgie zuständig. Der Handchirurg ist spezialisiert auf die komplexe Anatomie der Hand. Der plastische Chirurg operiert an Weichgeweben und Nerven. Bei komplexen Fragestellungen arbeiten die Fachrichtungen eng zusammen, oft im Rahmen interdisziplinärer Konferenzen.
Was passiert beim Erstbesuch in der orthopädischen Praxis?
Der Erstbesuch beginnt mit dem ausführlichen Anamnesegespräch. Die Ärztin oder der Arzt fragt nach den aktuellen Beschwerden, dem zeitlichen Verlauf, möglichen Auslösern, bisherigen Behandlungen und relevanten Vorerkrankungen. Auch die aktuelle Medikation, Allergien und die berufliche und sportliche Belastung sind wichtige Informationen. Bei Verletzungen wird der Unfallhergang detailliert erfragt.
Nach dem Gespräch folgt die körperliche Untersuchung. Der Orthopäde beurteilt die Haltung, die Beweglichkeit, die Kraft und die Nervenfunktion. Bei Gelenkbeschwerden werden spezifische Tests durchgeführt, um die betroffene Struktur zu identifizieren. Bei Rückenbeschwerden werden Reflexe geprüft, die Nervenfunktion getestet und die Beweglichkeit der Wirbelsäule beurteilt. Diese klinische Untersuchung ist die Grundlage jeder weiteren Diagnostik.
Je nach Befund wird eine weiterführende Diagnostik geplant. Das kann eine Ultraschalluntersuchung sein, eine Röntgenaufnahme, ein MRT, eine EMG-Messung oder eine spezielle Vermessung der Wirbelsäule. Am Ende steht die gemeinsame Besprechung des Behandlungsplans, der die aktuellen Beschwerden, den Befund und die individuellen Wünsche und Lebensumstände der Patientin oder des Patienten berücksichtigt.
Welche Diagnostik bietet ein moderner Orthopäde?
Die klinische Untersuchung ist das wichtigste diagnostische Werkzeug jedes Orthopäden. Sie liefert bei vielen Fragestellungen bereits die entscheidenden Hinweise auf die Diagnose. Ergänzt wird sie durch verschiedene apparative Verfahren.
Der Ultraschall ist in vielen orthopädischen Praxen etabliert und liefert schnell und ohne Strahlenbelastung Informationen über Weichteile, Gelenke, Sehnen und Muskulatur. Er ist besonders bei akuten Verletzungen, bei Sehnenreizungen und bei Gelenkergüssen wertvoll.
Das klassische Röntgen zeigt knöcherne Strukturen, Gelenkstellungen und degenerative Veränderungen. Es ist bei vielen Fragestellungen der erste Schritt der bildgebenden Diagnostik.
Die Digitale Volumentomographie (DVT) ist eine moderne 3D-Bildgebung mit deutlich geringerer Strahlenbelastung als ein klassisches Computertomogramm. Sie eignet sich besonders für kleine, komplexe Gelenke wie Hand, Fuß, Ellenbogen und den Bereich der Halswirbelsäule. Details zur DVT und ihrer Anwendung finden Sie auf unserer Seite zur Digitalen Volumentomographie und im Vergleichsbeitrag zum MRT, CT, DVT und Röntgen.
Die 4D Wirbelsäulenvermessung erfasst die Haltung und die Statik der Wirbelsäule dreidimensional ohne Strahlenbelastung. Sie ist besonders bei Skoliose-Kontrollen, bei chronischen Rückenbeschwerden und bei der Verlaufskontrolle nach einer Therapie hilfreich.
Die Elektromyographie (EMG) und die Neurographie (NLG) messen die Funktion der Nerven und der Nerv-Muskel-Übertragung. Sie helfen bei Verdacht auf Nervenengpass-Syndrome (etwa Karpaltunnelsyndrom), bei Bandscheibenvorfällen mit Nervenkompression und bei anderen neurologischen Fragestellungen. Details finden Sie auf unserer Seite zur EMG.
Das MRT ist das Verfahren der Wahl bei Weichteilerkrankungen und wird bei entsprechenden Fragestellungen extern durchgeführt.
Welche Therapien bietet ein Orthopäde an?
Die Bandbreite der orthopädischen Therapien ist groß. Bei akuten Beschwerden stehen Schmerzbehandlung, Ruhigstellung, Physiotherapie und Injektionen im Vordergrund. Bei chronischen Beschwerden liegt der Fokus oft auf einer Kombination aus Physiotherapie, Krafttraining, orthopädischen Hilfsmitteln und Schmerzbehandlung.
Injektionen können mit Lokalanästhetika, Kortison, Hyaluronsäure oder Eigenblutpräparaten durchgeführt werden. Die Eigenbluttherapie oder plättchenreiches Plasma (PRP) hat sich in den letzten Jahren als moderne Behandlungsoption bei Arthrose, chronischen Sehnenreizungen und ausgewählten Muskelverletzungen etabliert. Details finden Sie auf unserer Seite zur Eigenbluttherapie.
Bei akuten Verletzungen kann die Ruhigstellung durch Schienen, Orthesen oder Gipsverbände notwendig sein. Bei degenerativen Veränderungen ist die Einlagenversorgung ein wichtiger Baustein. Operative Eingriffe werden je nach Praxisstruktur ambulant vor Ort durchgeführt oder an spezialisierte Kollegen und Kliniken vermittelt.
Wann sollte ich zum Orthopäden gehen?
Bei akuten Verletzungen mit starker Schwellung, deutlicher Bewegungseinschränkung, hörbarem Reißgeräusch oder Verdacht auf einen Knochenbruch sollten Sie zeitnah einen Orthopäden aufsuchen. Bei plötzlich einsetzenden Rückenschmerzen mit Ausstrahlung ins Bein, mit Taubheitsgefühl oder mit Kraftverlust ist ebenfalls eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Bei chronischen Beschwerden, die länger als drei bis sechs Wochen bestehen und trotz Schonung nicht abklingen, ist ein orthopädischer Termin sinnvoll. Auch wiederkehrende Beschwerden am selben Ort sprechen für eine gründliche Abklärung, weil zugrundeliegende strukturelle Probleme oder muskuläre Dysbalancen dahinterstecken können.
Bei Kindern und Jugendlichen sind orthopädische Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll, besonders in Wachstumsphasen, bei sportlichen Belastungen und bei Auffälligkeiten der Haltung. Bei Verdacht auf Skoliose ist die frühzeitige Vorstellung wichtig, weil die Behandlung im Wachstumsalter meist bessere Ergebnisse erzielt als später.
Bei akuten Notfällen mit Verdacht auf einen Wirbelbruch, mit ausgeprägten neurologischen Ausfällen wie Blasen- oder Mastdarmstörungen oder mit deutlichen Zeichen einer Verletzung großer Gefäße oder Nerven ist der direkte Weg in die Notaufnahme richtig. Auch bei kompletten Sehnen- oder Bänderrissen mit deutlicher Funktionseinschränkung ist eine zeitnahe Vorstellung notwendig, weil die operative Versorgung oft zeitkritisch ist. Details zu Bänder- und Sehnenverletzungen im Knie finden Sie in unserem Beitrag Bänder und Sehnen im Knie im Überblick.
FAQ: Häufige Fragen zum Orthopäden
Was ist der Unterschied zwischen Orthopäde und Rheumatologe?
Der Orthopäde behandelt vor allem mechanische, verletzungsbedingte und degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates. Der Rheumatologe ist Internist mit Schwerpunkt auf entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, Kollagenosen und Vaskulitiden. Bei überlappenden Fragestellungen arbeiten beide Fachrichtungen eng zusammen.
Wann brauche ich eine Überweisung?
Gesetzlich Versicherte brauchen für den Orthopäden meist keine Überweisung, es sei denn, die Krankenkasse verlangt sie. In vielen Praxen ist eine Überweisung vom Hausarzt aber willkommen, weil sie den Vorbefund transportiert und den Behandlungsablauf beschleunigt. Bei Privatversicherten ist keine Überweisung nötig.
Wie lange dauert die Facharztausbildung?
Die Facharztausbildung für Orthopädie und Unfallchirurgie dauert sechs Jahre nach abgeschlossenem Medizinstudium. Das Medizinstudium selbst dauert sechs Jahre. Insgesamt vergehen also zwölf Jahre vom Beginn des Studiums bis zur Facharztprüfung. Viele Orthopäden absolvieren danach noch spezielle Weiterbildungen.
Kann ein Orthopäde operieren?
Ja. Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie darf am Bewegungsapparat operieren. Viele Orthopäden führen ambulante Eingriffe selbst durch, andere konzentrieren sich auf die konservative Behandlung und arbeiten mit spezialisierten Operateuren zusammen. Größere Eingriffe wie Gelenkersatzoperationen finden meist in Kliniken statt.
Behandelt der Orthopäde auch Rückenbeschwerden?
Ja, Rückenbeschwerden gehören zu den häufigsten Anlässen für einen orthopädischen Termin. Der Orthopäde diagnostiziert und behandelt Muskelverspannungen, Bandscheibenvorfälle, Fehlstellungen, Skoliose, Arthrose der Wirbelgelenke und viele weitere Ursachen von Rückenbeschwerden.
Behandelt der Orthopäde Kinder?
Ja. Kinder mit Haltungsproblemen, Fußfehlstellungen, Skoliose, Wachstumsstörungen oder Sportverletzungen werden beim Orthopäden vorgestellt. Bei speziellen kinderorthopädischen Fragestellungen kann eine Vorstellung beim Kinderorthopäden oder in einer spezialisierten Klinik sinnvoll sein.
Welche Untersuchungen kann ein Orthopäde selbst durchführen?
Die genaue Ausstattung einer orthopädischen Praxis variiert. Zur Grundausstattung gehören meist Ultraschall und klassische Röntgendiagnostik. Moderne Praxen bieten oft zusätzlich DVT, 4D Wirbelsäulenvermessung, EMG und Neurographie sowie verschiedene Injektionsverfahren einschließlich Eigenbluttherapie an.
Wie finde ich den richtigen Orthopäden?
Ein guter Orthopäde nimmt sich Zeit für die Anamnese, führt eine gründliche körperliche Untersuchung durch und erklärt die Befunde und Behandlungsoptionen verständlich. Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis, vom Hausarzt oder von anderen Fachärzten sind wertvolle Orientierungshilfen. Bewertungsportale können ergänzend hilfreich sein, sollten aber kritisch eingeordnet werden.
Was kostet ein Termin beim Orthopäden?
Für gesetzlich Versicherte übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Standardleistungen. Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) wie die 4D Wirbelsäulenvermessung, bestimmte Injektionsverfahren oder manche Ultraschalluntersuchungen sind Selbstzahlerleistungen. Bei privaten Versicherungen gelten die individuellen Vertragsbedingungen.
Wie oft sollte ich zum Orthopäden gehen?
Bei akuten Beschwerden gilt: so oft wie nötig, um die Diagnose zu sichern und die Behandlung zu steuern. Bei chronischen Beschwerden empfiehlt sich eine Verlaufskontrolle nach abgeschlossener Behandlung. Bei bestimmten Erkrankungen wie Skoliose bei Kindern oder Arthrose bei Erwachsenen sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll. Ansonsten gilt: bei neuen oder anhaltenden Beschwerden zeitnah einen Termin vereinbaren.
Termin online über Doctolib
Weiterführende Informationen: 4D Wirbelsäulenvermessung