Was kostet eine EMG-Untersuchung, und wann zahlt die Kasse?
Die Kosten hängen von zwei Dingen ab: ob eine medizinische Indikation vorliegt und wie viele Nerven und Muskeln gemessen werden. Beides klären wir im Gespräch vor der Messung, sodass Sie wissen, was auf Sie zukommt, bevor die erste Elektrode klebt.
- Mit medizinischer Indikation: Die EMG-Untersuchung ist Kassenleistung jedoch in nahezu allen Fällen in der Neurologie, in der Orthopädie ist das Oberflächen-EMG keine Kassenleistung. Private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten.
- Ohne medizinische Indikation, etwa als reine Sportler- oder Trainingsdiagnostik: ca 75 Euro pro Untersuchung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), je nach Umfang. Für gesetzlich Versicherte ist sie eine Selbstzahlerleistung (IGeL).
- Mehrere Regionen in einem Termin erhöhen den Aufwand und damit den Betrag innerhalb dieser Spanne.
- EMG-Biofeedback rechnen wir gesondert ab und besprechen es vorher.
Kommt eine Selbstzahlerleistung infrage, erhalten Sie vorab einen schriftlichen Kostenüberblick nach GOÄ. Ob und in welchem Umfang Ihre private Versicherung oder die Beihilfe erstattet, richtet sich nach Ihrem Tarif – das lässt sich von hier aus nicht zusagen, deshalb empfehlen wir bei größerem Umfang eine Rückfrage bei Ihrer Versicherung vor dem Termin.
Was gemessen wird: EMG und Nervenleitgeschwindigkeit
Wenn von einer „EMG-Untersuchung“ die Rede ist, sind meist zwei Messungen gemeint, die sich ergänzen:
- Elektromyographie (EMG): misst die elektrische Aktivität eines Muskels, in Ruhe und bei Anspannung. Jeder Befehl eines Nervs an den Muskel erzeugt ein kleines elektrisches Signal, das die Elektroden aufzeichnen. So zeigt sich, wie der Muskel angesteuert wird und ob Muskelgruppen im Seitenvergleich unterschiedlich arbeiten.
- Nervenleitgeschwindigkeit (NLG, Elektroneurographie): Ein kurzer, schwacher Stromimpuls reizt den Nerv an einer Stelle, an einer anderen wird die Antwort gemessen. Daraus ergibt sich, ob ein Nerv an einer bestimmten Stelle eingeengt ist und Signale verlangsamt weiterleitet.
Beim Karpaltunnelsyndrom etwa zeigt die NLG die verzögerte Leitung des Mittelarmnervs am Handgelenk – das ist die Messung, auf die es dort ankommt. Wie die Messung technisch funktioniert, erklären wir im Ratgeber Nervenleitgeschwindigkeit messen.
In unserer Praxis arbeiten wir mit dem Oberflächen-EMG: Elektroden werden auf die Haut über dem Muskel geklebt, ähnlich wie beim EKG. Daneben gibt es das Nadel-EMG, bei dem eine feine Nadelelektrode direkt in den Muskel geführt wird; es zeigt genauer, ob Nervenfasern eines Muskels geschädigt sind. Diese Untersuchung wird in unserer Praxis nicht durchgeführt
Wann die Messung weiterhilft
Wir setzen EMG ein , wenn der Befund auf eine Nervenbeteiligung hinweist oder wenn Röntgen, MRT und Ultraschall allein keine klare Antwort geben. Weiterhin setzen wir EMG vergleichend ein, z.B. um den Verlauf der muskulären Ansteuerung nach Kreuzbandersatz oder Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion aufzuzeigen.
Hand und Ellenbogen
Beim Karpaltunnelsyndrom klärt die Messung, wie stark der Mittelarmnerv betroffen ist und ob eine Schiene reicht oder eine Operation sinnvoll wird. Beim Sulcus-ulnaris-Syndrom, dem Engpass des Ellennervs am Ellenbogen, zeigt sie, an welcher Stelle der Nerv eingeengt ist (siehe Ratgeber Ulnarisrinnensyndrom). Beim Tennisellenbogen hilft sie abzugrenzen, ob zusätzlich ein Nerv gereizt ist. Hintergründe im Beitrag Karpaltunnelsyndrom: Symptome erkennen.Hier ist allerdings eine neurologische Vorstellung unabdingbar empfohlen.
Wirbelsäule
Bei einem Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanal- oder Foramenstenose zeigt das MRT die Enge. Ob der Nerv dadurch tatsächlich in seiner Funktion gestört ist, beantwortet erst die elektrophysiologische Messung. Das ist besonders dort wichtig, wo mehrere Engstellen nebeneinander liegen und sich die Frage stellt, welche davon die Beschwerden verursacht – und damit auch, ob und wo operiert werden müsste.
Bein und Fuß
Bei ausstrahlenden Beinschmerzen, bei einem Nervenengpass am Innenknöchel (Tarsaltunnelsyndrom) und bei Verdacht auf eine Polyneuropathie, etwa bei Diabetes, gibt die Messung erste Hinweise. Polyneuropathie bedeutet eine Schädigung vieler Nerven, die meist an den Füßen beginnt.
Muskelfunktion, Training und EMG-Biofeedback
Mit dem Oberflächen-EMG lässt sich sehen, welche Muskeln bei einer Bewegung zu stark oder zu schwach arbeiten – etwa bei chronischen Nackenverspannungen, nach Sportverletzungen oder nach einer Operation. Beim Biofeedback machen wir die Muskelaktivität in Echtzeit auf dem Bildschirm sichtbar oder hörbar, sodass Sie lernen, bestimmte Muskeln gezielt anzuspannen oder locker zu lassen. Wir nutzen das bei chronischen Nackenverspannungen und Spannungskopfschmerz, zur Haltungsschulung nach einem Bandscheibenvorfall, in der Rehabilitation nach Sportverletzungen und um geschwächte Muskelgruppen wieder zu aktivieren. Ein Überblick steht im Beitrag Stoßwelle, Biofeedback und Bizepssehne.
Wo die Grenzen liegen
Eine EMG-Untersuchung beantwortet eine bestimmte Frage gut und andere gar nicht. Diese Grenzen gehören zur Aufklärung dazu:
- Das Oberflächen-EMG ersetzt keine neurologische Diagnostik. Für den genauen Nachweis einer Nervenschädigung im Muskel ist das Nadel-EMG das Standardverfahren.
- Muskel- und neuromuskuläre Erkrankungen wie Myasthenie oder ALS gehören in neurologische Hände. Ergibt unsere Messung einen entsprechenden Verdacht, überweisen wir Sie weiter.
- Ganz frische Nervenschäden zeigen sich oft erst nach einigen Tagen bis Wochen. Eine Messung unmittelbar nach dem Ereignis kann deshalb noch unauffällig ausfallen.
- Die Messung ersetzt keine Bildgebung. Sie zeigt, ob ein Nerv gestört ist, nicht warum. Die Ursache klären wir mit MRT, Ultraschall oder der digitalen Volumentomographie.
- Ein auffälliger Messwert allein bedeutet nichts. Er zählt nur, wenn er zu Beschwerden und Untersuchung passt.
Was die Leitlinie sagt
Für das Karpaltunnelsyndrom, den häufigsten Nervenengpass, gibt es eine deutsche S3-Leitlinie. Sie empfiehlt mit dem höchsten Empfehlungsgrad, das Karpaltunnelsyndrom elektroneurographisch nachzuweisen, also über die Nervenleitmessung. Die Elektromyographie des Daumenballenmuskels ist laut Leitlinie routinemäßig nicht erforderlich; sie kann ergänzt werden, um einen Schaden der Nervenfasern nachzuweisen oder wenn die Nervenleitmessung technisch schwierig ist (AWMF 005-003, Empfehlungen 8.1 und 8.2).
Diese Abstufung nehmen wir ernst: Nicht jede Fragestellung braucht beide Messungen, und die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, einen auffälligen Messwert zu überbewerten, wenn er nicht zu den Beschwerden passt. Wir entscheiden deshalb nie allein nach der Kurve, sondern immer zusammen mit Ihrer Schilderung und der körperlichen Untersuchung.
Wie die Untersuchung bei uns abläuft
Planen Sie 15 bis 25 Minuten ein, inklusive Auswertung. Bei mehreren Regionen oder zusätzlicher Nervenleitmessung sind es 30 bis 45 Minuten.
1. Gespräch und körperliche Untersuchung
Wir besprechen Beschwerden, Vorbefunde und Medikamente und prüfen Kraft, Reflexe und Gefühl. Daraus ergibt sich, welche Nerven und Muskeln überhaupt gemessen werden müssen – und ob die Messung im Einzelfall verzichtbar ist.
2. Vorbereitung
Sie sitzen oder liegen entspannt, die Haut über den Messpunkten wird gereinigt. Bitte tragen Sie am Untersuchungstag keine Creme auf, sie verschlechtert das Signal. Nüchtern müssen Sie nicht sein.
3. Messung am Muskel
Selbstklebende Elektroden werden auf die Haut gesetzt. Wir zeichnen das Signal im entspannten Muskel auf und anschließend bei leichter Anspannung.
4. Nervenleitmessung
Bei Bedarf reizen wir den Nerv mit kurzen, schwachen Stromimpulsen. Das spüren Sie als Kribbeln oder kurzes Zucken des Muskels. Die meisten Patientinnen und Patienten empfinden es als gut erträglich.
5. Auswertung und Besprechung
Das Ergebnis besprechen wir direkt im Anschluss. Sie erfahren, ob ein Nerv betroffen ist, wo und wie stark – und was daraus folgt: Nachtschiene, Physiotherapie, Anpassung der Belastung, weitere Bildgebung oder Vorstellung zur Operation.
Risiken und Nebenwirkungen
Das Oberflächen-EMG hat praktisch keine Nebenwirkungen, es entsteht keine Strahlung. Die Stromimpulse der Nervenleitmessung sind kurz unangenehm, hinterlassen aber keine Folgen. Wenn Sie einen Herzschrittmacher oder einen Defibrillator tragen, sagen Sie uns das bitte vor der Messung.
EMG und die übrige Diagnostik in unserer Praxis
Die EMG-Untersuchung beantwortet Fragen zu Nerven und Muskeln. Für Haltung und Statik der Wirbelsäule nutzen wir die 4D-Wirbelsäulenvermessung, für knöcherne Fragen die digitale Volumentomographie. Alle Verfahren im Überblick: Diagnostik und Therapie.
Termin in Köln: Praxis im Agnesviertel
Die EMG-Untersuchung führen wir in unserer Praxis in der Riehler Str. 36, 50668 Köln, im Agnesviertel durch. Mit Bus und Bahn fahren Sie bis zur KVB-Haltestelle Ebertplatz, mit dem Auto erreichen Sie das Parkhaus über die Einfahrt in der Wörthstraße. Zu uns kommen Patientinnen und Patienten aus der Innenstadt, Neustadt-Nord, Nippes, Riehl, Ehrenfeld, Deutz und Mülheim sowie aus Leverkusen, Bergisch Gladbach, Pulheim, Frechen, Hürth, Brühl, Dormagen und Bonn.
Es untersuchen Sie die Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie unserer Praxis, darunter Dr. med. Christian Fluck und Dr. med. Andreas Schuler. Eine Überweisung brauchen Sie nicht. Bringen Sie vorhandene MRT-Befunde und Ihre Medikamentenliste mit.
Termin in Köln: online über Doctolib oder telefonisch unter 0221 95587870.
Häufige Fragen zur EMG-Untersuchung
Was kostet eine EMG-Untersuchung?
In unserer Praxis kostet sie ca 75 Euro pro Untersuchung nach GOÄ, je nach Umfang. Den Betrag nennen wir Ihnen vor der Messung.
Zahlt die Krankenkasse die EMG-Untersuchung?
In unserer Praxis ist die EMG Untersuchung im GKV Bereich eine Selbstzahlerleistung. Ob Ihre private Versicherung oder die Beihilfe vollständig erstattet, hängt von Ihrem Tarif ab, in den allermeisten Fällen werden die Kosten hier jedoch übernommen.
Tut eine EMG-Untersuchung weh?
Das Oberflächen-EMG spüren Sie kaum, die Elektroden werden nur aufgeklebt. Die Nervenleitmessung verursacht ein kurzes Kribbeln oder Zucken, das die meisten gut tolerieren.
Wie lange dauert eine EMG-Messung?
Eine Region etwa 15 bis 25 Minuten inklusive Auswertung. Bei mehreren Regionen oder zusätzlicher Nervenleitmessung planen Sie 30 bis 45 Minuten ein.
Welche Erkrankungen zeigt die EMG-Untersuchung?
Vor allem Nervenengpässe wie Karpaltunnel- und Sulcus-ulnaris-Syndrom, Nervenwurzelreizungen bei Bandscheibenvorfall und Stenose sowie Hinweise auf eine Polyneuropathie. Den Verdacht auf Muskel- oder neuromuskuläre Erkrankungen klärt die Neurologie weiter ab.
Was ist der Unterschied zwischen EMG und NLG?
Die NLG misst, wie schnell ein Nerv Signale weiterleitet; das EMG misst die Aktivität des Muskels. Beide Messungen ergänzen sich und finden meist im selben Termin statt.
Muss ich für die EMG nüchtern sein?
Nein. Essen, Trinken und Ihre gewohnten Medikamente sind kein Problem. Verzichten Sie nur auf Hautcreme an der Messregion.
Darf ich Blutverdünner nehmen?
Für Oberflächen-EMG und Nervenleitmessung ist das kein Problem. Setzen Sie Medikamente bitte nie eigenständig ab.
Wann bekomme ich das Ergebnis?
Direkt im Anschluss an die Untersuchung. Wir erklären Ihnen die Kurven und besprechen die nächsten Schritte.
Brauche ich eine Überweisung?
Nein, gesetzlich wie privat versichert können Sie direkt einen Termin in unserer orthopädischen Sprechstunde vereinbaren. Ob eine Messung sinnvoll ist, entscheiden wir nach der Untersuchung gemeinsam mit Ihnen.
Termin in Köln: online über Doctolib oder telefonisch unter 0221 95587870. Sprechzeiten: Mo, Di, Do 8–18 Uhr, Mi, Fr 8–13 Uhr.