Verschleißriss: Was die Studien zur Operation sagen
Beim degenerativen Meniskusschaden, also dem Verschleißriss ohne Unfall, meist ein horizontaler Riss des Meniskus, ist die Datenlage eindeutiger, als viele erwarten: Eine arthroskopische Teilentfernung bringt im Durchschnitt keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber einer konsequenten konservativen Behandlung.
- In einer finnischen Studie mit 146 Patientinnen und Patienten zwischen 35 und 65 Jahren mit degenerativem Innenmeniskusriss ohne Arthrose war die arthroskopische Teilentfernung nach zwölf Monaten nicht besser als eine Scheinoperation (Sihvonen et al., N Engl J Med 2013).
- Der europäische Konsens der Fachgesellschaft ESSKA empfiehlt deshalb, beim degenerativen Meniskusschaden nicht als Erstes zu operieren, sondern erst nach gründlicher Untersuchung und unzureichendem Erfolg der konservativen Behandlung (ESSKA-Konsens 2016, Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc 2017).
- Auch die Kassen ziehen diese Linie: Der Gemeinsame Bundesausschuss hat arthroskopische Eingriffe wie Gelenkspülung oder Meniskusentfernung bei Kniearthrose 2015 aus dem Leistungskatalog genommen. Ausgenommen sind unter anderem Verletzungen, akute Blockaden und Meniskusprobleme, bei denen die Arthrose nur Begleiterkrankung ist (G-BA, 27.11.2015).
Dieses Ergebnis gilt für Verschleißrisse. Es gilt nicht für frische Unfallrisse, für einen eingeklemmten Meniskusanteil mit echter Blockade und nicht für Risse, die sich nähen lassen. Genau deshalb steht bei uns am Anfang die Einordnung und nicht die Terminplanung für einen Eingriff.
Unfallriss oder Verschleißriss: der Unterschied
Die Menisken sind zwei halbmondförmige Knorpelscheiben zwischen Oberschenkel und Schienbein. Sie verteilen den Druck im Gelenk und stabilisieren es. Jedes Knie hat einen Innen- und einen Außenmeniskus, betroffen ist meist der Innenmeniskus.
- Traumatischer Riss: entsteht durch einen Unfall, typischerweise eine Verdrehung des gebeugten, belasteten Knies bei Fußball, Handball, Tennis oder Skifahren. Betroffen sind eher jüngere, aktive Menschen, häufig zusammen mit einem Kreuzbandriss.
- Degenerativer Meniskusschaden: entwickelt sich langsam, meist ab etwa 35 Jahren und ohne klares Unfallereignis. Oft reicht eine Alltagsbewegung wie das Aufstehen aus der Hocke, damit die Beschwerden beginnen. Häufig besteht gleichzeitig eine beginnende Kniearthrose. Häufiges Knien und Hocken im Beruf, Übergewicht und eine O-Bein-Stellung belasten den Innenmeniskus zusätzlich.
Welche Beschwerden typisch sind
- Stechender Schmerz am inneren oder äußeren Gelenkspalt, vor allem beim Beugen, in der Hocke und bei Drehbewegungen.
- Schwellneigung nach Belastung, manchmal ein Erguss.
- Bewegungseinschränkung: Das Knie lässt sich nicht ganz strecken oder beugen.
- Blockadegefühl: Das Knie hakt oder rastet ein.
Ein Knie, das sich nach einer Verdrehung nicht mehr strecken lässt, gehört zeitnah untersucht. Das kann ein eingeklemmter Meniskusanteil sein, und dann ist die Bewertung eine andere als beim Verschleißriss.
Wie wir den Riss einordnen
Die klinische Untersuchung ist wegweisend: Druckschmerz am Gelenkspalt, Beweglichkeit, Erguss und spezielle Meniskustests. Wir prüfen außerdem die Bänder, weil Begleitverletzungen häufig sind. Ergänzend nutzen wir die Ultraschalluntersuchung, etwa zur Beurteilung eines Ergusses.
Gesichert wird die Diagnose mit einer Magnetresonanztomographie (MRT). Sie zeigt Lage und Form des Risses und gibt Hinweise, ob eine Naht möglich wäre. Ab dem mittleren Lebensalter gehört ein Röntgenbild im Stand oder eine DVT (digitale Volumentomographie) im Stand dazu, weil eine begleitende Arthrose die Behandlung stark verändert.
Ein wichtiger Punkt, der in der Sprechstunde oft für Erleichterung sorgt: Nicht jeder Riss im MRT ist auch die Ursache der Beschwerden. Meniskusveränderungen finden sich mit zunehmendem Alter auch bei Menschen ohne jede Beschwerde. Wir bewerten deshalb immer Bild und Befund zusammen und operieren kein MRT.
Konservative Behandlung Schritt für Schritt
Beim degenerativen Meniskusschaden ohne echte Blockade ist die konservative Behandlung der erste Weg. Die Idee dahinter: Kräftige Muskeln entlasten das Gelenk, und die gereizte Stelle bekommt Zeit, zur Ruhe zu kommen.
- Physiotherapie und Krafttraining für Oberschenkel- und Hüftmuskulatur über mehrere Wochen, mit klarer Steigerung statt Schonung.
- Anpassung der Belastung: für eine Zeit weniger tiefes Hocken und Knien, Treppen bewusster nutzen.
- Schmerzlinderung mit Kühlung und entzündungshemmenden Medikamenten, bei akuter Reizung mit Erguss auch einmalig eine Injektion ins Gelenk.
- Eigenbluttherapie (ACP/PRP) nur in ausgewählten Fällen bei degenerativer Reizung. Für diese Anwendung am Meniskus gibt es bislang keine belastbaren Studien, die einen Nutzen zeigen. Das sagen wir offen, bevor eine solche Behandlung überhaupt zur Sprache kommt; mehr zum Verfahren auf der Seite Eigenbluttherapie.
Auch kleine, stabile Unfallrisse, vor allem am Außenmeniskus, können ohne Operation zur Ruhe kommen. Die konservative Behandlung von Sportverletzungen betreut in unserer Praxis neben Dr. med Christian Fluck auch Dr. med. Andreas Schuler, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Ausführlich dazu der Ratgeber Meniskusschaden: oft auch ohne Operation behandelbar.
So läuft es in unserer Praxis ab
- 1. Untersuchung: Wir fragen nach Unfallhergang, Beschwerden, Beruf und Sport und untersuchen beide Knie. Bringen Sie vorhandene Bilder und Befunde mit.
- 2. Bildgebung: Ultraschall in der Praxis, bei Bedarf Röntgen, MRT zur Sicherung des Befunds.
- 3. Einordnung: Unfallriss oder Verschleißriss, Naht möglich oder nicht, Arthrose vorhanden oder nicht.
- 4. Behandlung: Verordnung für Physiotherapie und ein konkreter Trainingsplan; wenn ein Eingriff sinnvoll ist, planen wir ihn samt Nachbehandlung.
- 5. Kontrolle: Wir prüfen den Verlauf nach einigen Wochen und legen gemeinsam fest, wann Laufen und Sport wieder möglich sind.
Wann eine Arthroskopie sinnvoll ist
Eine Arthroskopie ist eine Gelenkspiegelung in Schlüssellochtechnik. Wir halten sie in diesen Situationen für sinnvoll:
- Das Knie ist regelmäßig blockiert und lässt sich nicht mehr strecken, weil ein Meniskusanteil eingeklemmt ist.
- Es liegt ein frischer Unfallriss vor, der sich nähen lässt, besonders bei jüngeren, aktiven Patienten oder zusammen mit einer Kreuzbandverletzung.
- Die Beschwerden bestehen trotz konsequenter konservativer Behandlung über mehrere Monate fort und lassen sich eindeutig dem Meniskus zuordnen.
Nähen oder entfernen?
Der Grundsatz lautet: so viel Meniskus wie möglich erhalten. Wo der Riss es zulässt, wird er genäht (Meniskusnaht oder Refixation). Nur wenn eine Naht nicht möglich ist, wird der eingerissene Anteil sparsam entfernt (Teilresektion). Denn je mehr Meniskus fehlt, desto höher ist langfristig das Arthroserisiko. Der ESSKA-Konsens empfiehlt bei Unfallrissen ausdrücklich den Erhalt und eine möglichst frühe Naht, weil die Langzeitergebnisse nach Teilentfernung schlechter ausfallen (ESSKA-Konsens 2019, Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc 2020). Für eine bessere Heilung der Naht durch Zusätze wie plättchenreiches Plasma fand derselbe Konsens keinen Nachweis. Wir setzen Eigenblut deshalb nur in ausgewählten Fällen postoperativ als Zusatz zur Naht ein. Arthroskopische Eingriffe am Knie führt Dr. med. Christian Fluck durch, AGA-zertifizierter Arthroskopeur.
Risiken
- Arthroskopie: Infektion, Thrombose, Nachblutung, Erguss und vorübergehende Bewegungseinschränkung sind möglich, insgesamt selten.
- Meniskusnaht: Nicht jede Naht heilt an. Dann kann ein zweiter Eingriff nötig werden.
- Teilentfernung: Je mehr Gewebe entfernt wird, desto höher ist langfristig das Arthroserisiko.
- Ohne Behandlung kann ein instabiler Riss weiter einreißen und den Knorpel schädigen.
Über alle Risiken klären wir vor jedem Eingriff persönlich auf.
Heilung und Rückkehr in den Sport
- Konservative Behandlung: Viele Betroffene spüren nach einigen Wochen konsequenten Trainings eine deutliche Besserung. Bis zur vollen Belastbarkeit können wenige Monate vergehen.
- Nach Teilentfernung: Das Knie ist meist nach kurzer Zeit wieder alltagstauglich, Sport nach einigen Wochen schrittweise möglich.
- Nach Meniskusnaht: Der genähte Meniskus braucht Zeit zum Anwachsen. Belastung und Beugung werden anfangs begrenzt, oft mit einer Orthese. Bis zur Rückkehr in Sportarten mit Drehbewegungen vergehen in der Regel mehrere Monate.
Kosten und Kassenleistung
Wir behandeln gesetzlich und privat Versicherte.
- Gesetzlich versichert: Untersuchung, Ultraschall, Röntgen, MRT bei Indikation, Physiotherapie und eine medizinisch notwendige Arthroskopie sind Kassenleistungen. Für Heil- und Hilfsmittel gelten die gesetzlichen Zuzahlungen.
- Nicht erstattet wird eine Gelenkspiegelung, die allein wegen einer Kniearthrose erfolgt, siehe den G-BA-Beschluss oben.
- Eigenbluttherapie (ACP/PRP): für gesetzlich Versicherte eine Selbstzahlerleistung (IGeL), 150 bis 250 Euro pro Sitzung, 450 bis 750 Euro für eine Serie von drei Sitzungen, abgerechnet nach GOÄ. Private Versicherungen und Beihilfe erstatten je nach Tarif.
- Privat versichert: Abrechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), Erstattung nach Ihrem Tarif.
- Arbeits-, Wege- oder Schulsportunfall: Sagen Sie uns das bitte gleich beim Termin, dann klären wir die Zuständigkeit.
Die genannten Beträge sind Bestandsangaben unserer bisherigen Website; der Preisstand ist nicht neu geprüft. Der Kostenumfang hängt im Einzelfall davon ab, wie viele Sitzungen nötig sind, welche Untersuchungen dazukommen und bei privat Versicherten vom Steigerungssatz der GOÄ. Was für Sie anfällt, besprechen wir vor Behandlungsbeginn; Selbstzahlerleistungen erhalten Sie vorab schriftlich.
Wenn es nicht der Meniskus ist
Schmerzen an der Knieinnenseite können auch von einer Kniearthrose oder einer Innenbandverletzung kommen. Ein Instabilitätsgefühl nach einem Sportunfall spricht eher für einen Kreuzbandriss. Schmerzen vorne an der Kniescheibe oder außen am Knie bei Läuferinnen und Läufern haben meist andere Ursachen, siehe Läuferknie und Patellaspitzensyndrom. Zum häufigsten Rissort lesen Sie den Beitrag Verletzungen am Innenmeniskus.
Ihre Praxis nahe Ebertplatz
Sie finden unsere Praxis in der Riehler Str. 36 im Kölner Agnesviertel. Mit Bus und Bahn fahren Sie bis zur KVB-Haltestelle Ebertplatz, mit dem Auto erreichen Sie das Parkhaus über die Einfahrt in der Wörthstraße. Zu uns kommen Patientinnen und Patienten aus Nippes, Riehl, der Neustadt-Nord, Ehrenfeld, Deutz, Mülheim und der Innenstadt, ebenso aus Leverkusen, Bergisch Gladbach, Pulheim, Frechen, Hürth, Brühl, Dormagen und Bonn.
Termin vereinbaren: online über Doctolib oder telefonisch unter 0221 95587870. Sprechzeiten: Mo, Di, Do 8–18 Uhr, Mi, Fr 8–13 Uhr. Bringen Sie vorhandene MRT-Bilder und Befunde mit.
Häufige Fragen zum Meniskusriss
Wie merkt man, dass man einen Meniskusriss hat?
Typisch sind ein stechender Schmerz am Gelenkspalt beim Beugen und Drehen, eine Schwellneigung nach Belastung und ein Hak- oder Blockadegefühl. Sicher einordnen lässt sich der Befund erst durch Untersuchung und MRT.
Kann man mit einem Meniskusriss noch gehen?
Meistens ja. Viele Betroffene gehen trotz Riss, nur Drehbewegungen, tiefe Hocke und Sprünge tun weh. Lässt sich das Knie dagegen nicht mehr strecken, sollten Sie zeitnah in die Sprechstunde kommen.
Wie lange dauert es, bis ein Meniskusriss verheilt ist?
Das hängt vom Riss ab. Bei konservativer Behandlung bessern sich die Beschwerden oft über mehrere Wochen bis wenige Monate. Nach einer Teilentfernung ist der Alltag schnell wieder möglich, nach einer Naht dauert es deutlich länger, weil der Meniskus anwachsen muss.
Was sollte man mit einem Meniskusriss nicht machen?
Vermeiden Sie bis zur Abklärung tiefe Hocke, Drehbewegungen unter Last, Sprünge und Stop-and-go-Sport. Vollständige Schonung ist dagegen nicht sinnvoll: Gehen, Radfahren im leichten Gang und gezieltes Training gehören zur Behandlung.
Wächst ein gerissener Meniskus von allein zusammen?
Nur der äußere, gut durchblutete Rand kann heilen, die inneren Anteile kaum. Viele Risse verursachen nach einer konservativen Behandlung trotzdem keine Beschwerden mehr.
Zahlt die Krankenkasse die Meniskus-OP?
Bei medizinischer Indikation ja, etwa bei einem Unfallriss oder einer echten Blockade. Eine Arthroskopie allein wegen einer Kniearthrose ist dagegen keine Kassenleistung.
Brauche ich eine Überweisung?
Nein. Sie können direkt einen Termin vereinbaren, gesetzlich wie privat versichert.
Termin in Köln: online über Doctolib oder telefonisch unter 0221 95587870.