Was ist eine Schleimbeutelentzündung an der Hüfte?
Schleimbeutel sind kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Polster, die dort liegen, wo Sehnen und Muskeln über Knochen gleiten. An der Außenseite der Hüfte befindet sich ein solcher Schleimbeutel über dem großen Rollhügel, einem tastbaren Knochenvorsprung am oberen Ende des Oberschenkelknochens, medizinisch Trochanter major genannt. Ist dieser Schleimbeutel gereizt, spricht man von einer Bursitis trochanterica.
In den letzten Jahren hat sich das Verständnis dieser Beschwerden verändert. Ultraschall- und MRT-Untersuchungen zeigen, dass bei den meisten Betroffenen nicht der Schleimbeutel allein, sondern vor allem die Sehnen der kleinen Gesäßmuskeln gereizt sind, die genau an diesem Knochenvorsprung ansetzen. Deshalb spricht man heute oft vom „Trochanterschmerzsyndrom“ oder von einer glutealen Tendinopathie. Für unsere Patienten ist dieser Unterschied mehr als eine Wortfrage. Er erklärt, warum reine Schonung und wiederholte Spritzen oft nicht dauerhaft helfen, ein gezieltes Sehnentraining dagegen schon.
Welche Symptome sind typisch?
Das Leitsymptom ist ein Schmerz an der Außenseite der Hüfte, direkt über dem großen Rollhügel, der sich gut mit dem Finger tasten lässt. Nachts ist es oft unmöglich, auf der betroffenen Seite zu liegen. Aber auch das Liegen auf der gesunden Seite kann schmerzen, wenn das obere Bein nach innen fällt und die Sehnen dehnt. Tagsüber verstärken sich die Beschwerden beim Treppensteigen, beim Aufstehen nach längerem Sitzen, beim Stehen auf einem Bein und beim Sitzen mit übereinandergeschlagenen Beinen. Viele Betroffene berichten, dass der Schmerz an der Außenseite des Oberschenkels bis zum Knie ausstrahlt.
Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es?
Die häufigste Ursache ist eine Überlastung der Sehnen am Rollhügel. Diese entsteht, wenn die Sehnen zu stark gedrückt oder zu stark belastet werden, zum Beispiel durch eine plötzliche Steigerung des Lauf- oder Wandertrainings, durch langes Stehen mit dem Gewicht auf einer Hüfte oder durch eine schwache Hüftmuskulatur. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer, was unter anderem mit der Beckenform zusammenhängt. Weitere Risikofaktoren sind Übergewicht, eine Beinlängendifferenz, Rückenprobleme und eine gleichzeitige Arthrose von Hüfte oder Knie. Seltener ist ein Sturz direkt auf die Hüfte der Auslöser.
Wie grenzt man sie von Hüftarthrose und Rückenproblemen ab?
Nicht jeder Hüftschmerz ist eine Schleimbeutelentzündung. Eine Hüftarthrose (Coxarthrose) macht typischerweise Schmerzen in der Leiste, nicht an der Außenseite, und schränkt die Beweglichkeit des Gelenks ein, etwa beim Anziehen von Socken. Auch eine Reizung von Nervenwurzeln an der Lendenwirbelsäule kann Schmerzen an der Außenseite von Hüfte und Oberschenkel auslösen. Mehr dazu erfahren Sie im Beitrag zur Lumboischialgie. Wir untersuchen bei seitlichem Hüftschmerz deshalb immer auch Hüftgelenk und Lendenwirbelsäule mit. Nicht selten liegt beides gleichzeitig vor, und dann muss auch beides behandelt werden.
Wie stellen wir die Diagnose?
In den meisten Fällen genügen ein ausführliches Gespräch und eine gezielte Untersuchung. Typisch ist ein deutlicher Druckschmerz über dem Rollhügel. Mit speziellen Tests, etwa dem Stehen auf einem Bein für 30 Sekunden, lässt sich die Belastbarkeit der Sehnen prüfen. Ein Ultraschall zeigt, ob der Schleimbeutel verdickt ist und wie die Sehnen aussehen. Ein Röntgenbild hilft, eine Hüftarthrose auszuschließen. Ein MRT ist nur nötig, wenn die Beschwerden trotz Behandlung anhalten oder der Verdacht auf einen Sehnenriss besteht.
Was hilft nachweislich?
Die Behandlung ist in aller Regel konservativ. Der erste und wichtigste Schritt besteht darin, Druck und Dehnung auf die gereizten Sehnen zu verringern. Dazu gehört, nicht auf der schmerzhaften Seite zu schlafen und beim Liegen auf der gesunden Seite ein Kissen zwischen die Knie zu legen, die Beine im Sitzen nicht übereinanderzuschlagen, beim Stehen das Gewicht gleichmäßig auf beide Beine zu verteilen und sehr tiefe Sitzgelegenheiten zu meiden.
Der zweite Baustein ist ein gezieltes, langsam gesteigertes Kräftigungstraining der Hüft- und Gesäßmuskulatur. Eine große Studie aus Australien hat gezeigt, dass die Kombination aus Aufklärung über schonende Alltagshaltungen und einem angeleiteten Übungsprogramm langfristig bessere Ergebnisse bringt als eine Kortisonspritze oder bloßes Abwarten. Diese Kombination ist bei uns der Standard. Eine Kortisonspritze setzen wir allenfalls gezielt ein, wenn die Schmerzen so stark sind, dass ein Training anders nicht möglich ist, und niemals als alleinige Behandlung.
Bei länger anhaltenden Beschwerden können die Stoßwellentherapie oder eine Eigenbluttherapie (ACP/PRP) ergänzend eingesetzt werden. Beide sind Selbstzahlerleistungen, die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten in der Regel nicht. Wir besprechen vorher offen, welchen Nutzen man realistischerweise erwarten kann, was die Behandlung kostet und wo die Datenlage noch begrenzt ist. Wie wir die Eigenbluttherapie an der Hüfte einsetzen, beschreiben wir im Beitrag zur ACP-Therapie der Hüfte. Eine Operation ist nur sehr selten erforderlich, etwa bei einem Sehnenriss oder wenn alle anderen Maßnahmen über viele Monate ohne Erfolg geblieben sind.
Wie lange dauert eine Schleimbeutelentzündung an der Hüfte?
Die Dauer hängt stark davon ab, wie lange die Beschwerden schon bestehen und wie konsequent die Belastung angepasst wird. Eine frische, akute Reizung kann innerhalb von zwei bis sechs Wochen deutlich besser werden. Bestehen die Beschwerden bereits seit Monaten, was sehr häufig der Fall ist, braucht die Heilung oft drei Monate und mehr. Mit einem strukturierten Übungsprogramm berichten die meisten Betroffenen nach acht bis zwölf Wochen über eine spürbare Besserung.
Wie lange ist man mit einer Schleimbeutelentzündung an der Hüfte krank?
Viele Betroffene können mit angepasster Belastung weiterarbeiten, besonders bei Tätigkeiten, bei denen man zwischen Sitzen und Stehen wechseln kann. Eine Krankschreibung ist vor allem bei körperlich belastenden Berufen mit langem Stehen, viel Gehen oder häufigem Treppensteigen sinnvoll. Bei einer akuten, stark schmerzhaften Reizung sind meist einige Tage bis zwei Wochen ausreichend. Eine länger andauernde Arbeitsunfähigkeit ist die Ausnahme. Wir besprechen die Frage der Krankschreibung immer individuell anhand Ihres Arbeitsalltags. Völlige Ruhe ist dabei selten das Ziel, denn Bewegung im schmerzarmen Bereich unterstützt die Heilung.
FAQ: Häufige Fragen zur Schleimbeutelentzündung an der Hüfte
Wie lange ist man mit einer Schleimbeutelentzündung an der Hüfte krankgeschrieben?
Das hängt vom Beruf und der Stärke der Beschwerden ab. Bei akuten Beschwerden und körperlich belastender Arbeit sind einige Tage bis zwei Wochen üblich. Bei Bürotätigkeiten ist häufig keine Krankschreibung nötig, wenn Sitzen und Stehen abgewechselt werden können.
Was hilft schnell bei Schleimbeutelentzündung an der Hüfte?
Kurzfristig helfen, nicht auf der betroffenen Seite zu liegen, ein Kissen zwischen den Knien in Seitenlage, das Vermeiden übereinandergeschlagener Beine und bei Bedarf entzündungshemmende Schmerzmittel für einen begrenzten Zeitraum. Für eine dauerhafte Besserung ist ein gezieltes Kräftigungstraining entscheidend.
Darf ich mit einer Schleimbeutelentzündung an der Hüfte Sport machen?
Ja, aber angepasst. Radfahren mit richtig eingestelltem Sattel und Schwimmen werden meist gut vertragen. Laufen, Bergwandern und Übungen mit starker Dehnung an der Hüftaußenseite sollten Sie reduzieren, bis die Beschwerden abklingen.
Ist Wärme oder Kälte besser?
In der akuten Phase empfinden viele Betroffene Kühlen als angenehm. Bei länger bestehenden Beschwerden wird Wärme oft besser vertragen. Beides lindert Symptome, ersetzt aber nicht die ursächliche Behandlung.
Kann eine Schleimbeutelentzündung an der Hüfte von allein weggehen?
Ja, das ist möglich, dauert aber ohne Anpassung der Belastung oft sehr lange. Mit gezielten Übungen und schonenden Alltagshaltungen verkürzt sich der Verlauf nach aktueller Studienlage deutlich.
Wie sollte man mit einer Schleimbeutelentzündung an der Hüfte schlafen?
Günstig ist die Rückenlage oder die Seitenlage auf der gesunden Seite mit einem Kissen zwischen den Knien. So fällt das obere Bein nicht nach innen und die gereizten Sehnen werden nicht gedehnt.
Welche Übungen helfen bei einer Schleimbeutelentzündung an der Hüfte?
Am Anfang eignen sich Halteübungen, bei denen die Gesäßmuskulatur ohne Bewegung angespannt wird. Später folgen Übungen wie das Anheben des Beckens in Rückenlage und Übungen im Stand. Dehnungen an der Hüftaußenseite sollten Sie in der akuten Phase meiden.
Wie unterscheide ich eine Schleimbeutelentzündung von einer Hüftarthrose?
Bei der Schleimbeutelentzündung sitzt der Schmerz an der Außenseite der Hüfte und lässt sich am Knochenvorsprung tasten, typisch sind Beschwerden beim Liegen auf der Seite. Die Hüftarthrose schmerzt eher in der Leiste und schränkt die Beweglichkeit des Gelenks ein. Eine sichere Unterscheidung ist durch die Untersuchung möglich.
In unserer orthopädischen Praxis im Kölner Agnesviertel untersuchen wir seitliche Hüftschmerzen gründlich und grenzen sie von Arthrose und Rückenproblemen ab. Wenn Ihre Hüfte Sie nachts nicht schlafen lässt, entwickeln wir gemeinsam einen Behandlungsplan, der zu Ihrem Alltag passt.
Weiterführende Informationen: Coxarthrose