Hüftarthrose (Coxarthrose) – was im Gelenk passiert
Bei einer Hüftarthrose nutzt sich der schützende Gelenkknorpel zwischen Hüftkopf und Hüftpfanne nach und nach ab. Der Knorpel wird dünner, der Gelenkspalt verschmälert sich, und im fortgeschrittenen Verlauf reiben die Knochenflächen stärker aneinander. Typisch sind Anlaufschmerzen nach dem Aufstehen, Beschwerden in der Leiste, ein nachlassender Bewegungsumfang und Schmerzen beim längeren Gehen.
Arthrose ist ein fortschreitender Prozess, der sich mit heutigen Mitteln nicht rückgängig machen lässt. Das Behandlungsziel liegt deshalb darin, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu erhalten und das eigene Gelenk möglichst lange funktionsfähig zu halten. Wie ausgeprägt die Beschwerden sind, hängt dabei nicht allein vom Röntgenbild ab: Manche Menschen mit deutlichem Verschleiß haben vergleichsweise wenig Schmerzen, während andere bereits bei geringeren Veränderungen stark eingeschränkt sind. Viele unserer Patientinnen und Patienten in Köln möchten zunächst alle gelenkerhaltenden Optionen ausschöpfen, bevor über einen Gelenkersatz nachgedacht wird.
Was ist die ACP- bzw. PRP-Therapie?
ACP steht für autologes conditioniertes Plasma – ein leukozytenarmes Verfahren der PRP-Behandlung. PRP wiederum bedeutet plättchenreiches Plasma. Beiden Verfahren ist gemeinsam, dass körpereigenes Blut verwendet wird: Es wird Ihnen wie bei einer normalen Blutabnahme entnommen und anschließend in einer Zentrifuge aufbereitet.
Durch das Zentrifugieren wird der Anteil an Blutplättchen (Thrombozyten) und den darin enthaltenen Wachstumsfaktoren konzentriert, während rote Blutkörperchen weitgehend abgetrennt werden. Beim ACP ist zusätzlich der Anteil weißer Blutkörperchen (Leukozyten) reduziert. Dieses aufbereitete Plasma wird dann in das betroffene Gelenk injiziert. Da ausschließlich Ihr eigenes Blut zum Einsatz kommt, sind allergische Reaktionen oder Unverträglichkeiten gegenüber Fremdstoffen nicht zu erwarten.
Wirkprinzip der Eigenbluttherapie an der Hüfte
Die in den Blutplättchen enthaltenen Wachstumsfaktoren sollen körpereigene regenerative und entzündungshemmende Prozesse im Gelenk unterstützen. Vorstellbar ist, dass die Konzentrate das Gleichgewicht im Gelenk günstig beeinflussen, Reizzustände dämpfen und so zu einer Schmerzlinderung beitragen könnten. Wichtig ist dabei der Konjunktiv: Es handelt sich um ein biologisches Verfahren, dessen Wirkmechanismen noch nicht abschließend geklärt sind.
Ganz klar gesagt: Die ACP-Therapie ist kein Heilverfahren. Sie kann den bereits entstandenen Knorpelverschleiß nicht rückgängig machen und es gibt keine Garantie für einen Behandlungserfolg. Manche Menschen berichten über eine spürbare Erleichterung der Beschwerden, andere sprechen weniger oder gar nicht auf die Behandlung an. Diese ehrliche Einordnung ist uns wichtig, damit Sie eine fundierte Entscheidung treffen können.
Wie gut ist die Studienlage am Hüftgelenk?
Die wissenschaftliche Datenlage zur Eigenbluttherapie ist am Kniegelenk deutlich umfangreicher als an der Hüfte. Für die Hüfte ist die Evidenz begrenzter, weshalb Aussagen mit Zurückhaltung zu treffen sind.
Die AWMF-S2k-Leitlinie Koxarthrose (Stand 2019) weist darauf hin, dass die Evidenz speziell für das Hüftgelenk unzureichend ist, und verweist für eine indirekte Einordnung auf die Datenlage am Kniegelenk. Eine systematische Übersichtsarbeit zu randomisierten Studien von Belk und Kollegen, veröffentlicht im Journal of Clinical Medicine, fasst zusammen, dass intraartikuläre PRP-Injektionen bei Hüftarthrose in den untersuchten Studien mit einer Schmerzreduktion und einem günstigen Sicherheitsprofil verbunden waren, gleichzeitig aber Zahl und Qualität der Studien begrenzt sind. Eine eindeutige Überlegenheit gegenüber anderen Injektionsverfahren ließe sich daraus nicht zweifelsfrei ableiten.
Für Sie bedeutet das: Die Eigenbluttherapie am Hüftgelenk kann im Einzelfall erwogen werden, sollte aber realistisch und ohne überzogene Erwartungen betrachtet werden. Da die Studien zudem unterschiedliche Aufbereitungsverfahren und Behandlungsschemata verwendet haben, lassen sich Ergebnisse nicht eins zu eins auf jeden Menschen übertragen – die persönliche Ausgangslage bleibt entscheidend. Wir besprechen mit Ihnen offen, was nach aktuellem Kenntnisstand erwartbar ist und was nicht.
Ablauf der bildgesteuerten Injektion
Eine solche Behandlung läuft in mehreren Schritten ab. Zunächst nehmen wir Ihnen eine kleine Menge Blut ab, ähnlich wie bei einer Routine-Blutentnahme. Dieses Blut wird unmittelbar in einem geschlossenen System zentrifugiert, um das plättchenreiche Plasma zu gewinnen.
Da das Hüftgelenk tief liegt und von kräftigen Muskeln und Bändern umgeben ist, erfolgt die Injektion in das Hüftgelenk in der Regel bildgesteuert – also unter Ultraschall- oder Durchleuchtungskontrolle. So lässt sich das Konzentrat präzise an die richtige Stelle bringen. Die Behandlung wird üblicherweise in einer kleinen Serie von mehreren Sitzungen im Abstand einiger Tage bis Wochen durchgeführt; den genauen Plan stimmen wir individuell mit Ihnen ab.
Nach der Injektion können Sie die Praxis in der Regel rasch wieder verlassen. Eine vorübergehende Reizung oder ein leichtes Druckgefühl im Bereich der Einstichstelle sind möglich. Wir geben Ihnen Hinweise für die Zeit danach und zur Belastung mit auf den Weg.
Für wen kommt die ACP-Therapie infrage – und für wen nicht?
Sinnvoll erwogen werden kann dieses Verfahren vor allem bei leichter bis mittelgradiger Coxarthrose, wenn andere konservative Maßnahmen nicht ausreichend geholfen haben und Sie eine gelenkerhaltende Option wünschen. Auch wer entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) nicht oder nur eingeschränkt verträgt, fragt häufig nach Alternativen. Ergänzend zu Bewegungstherapie und einer aktiven Lebensführung kann die ACP-Therapie als ein Baustein in Betracht kommen, wenn Sie versuchen möchten, eine Operation hinauszuzögern.
Bei einer bereits weit fortgeschrittenen Arthrose mit aufgebrauchtem Knorpel sind die Möglichkeiten naturgemäß begrenzt. Auch akute Infektionen, bestimmte Bluterkrankungen oder eine Schwangerschaft können gegen die Behandlung sprechen. Ob das Verfahren in Ihrer Situation geeignet ist, lässt sich nur nach einer individuellen Untersuchung und Beratung beurteilen – pauschale Aussagen sind hier nicht möglich.
Eigenblut im Gesamtkonzept der Hüftbehandlung
Die nationalen und internationalen Leitlinien sehen für die Coxarthrose zunächst die konservative Therapie als Basis vor. Dazu gehören Aufklärung, gezielte Bewegungs- und Physiotherapie, bei Bedarf eine Gewichtsreduktion sowie eine vorübergehende, bedarfsgerechte Schmerzbehandlung. Die ACP-Therapie versteht sich nicht als Ersatz dieser Bausteine, sondern als mögliche Ergänzung innerhalb eines durchdachten Gesamtkonzepts. Bei Bedarf nutzen wir zur genauen Beurteilung des Gelenks auch moderne bildgebende Verfahren wie die digitale Volumentomographie (DVT), um Ihre Behandlung passgenau zu planen. Welche Verfahren der Eigenbluttherapie wir anbieten, finden Sie gebündelt auf unserer Service-Seite zur Eigenbluttherapie.
Kosten der Eigenbluttherapie an der Hüfte (IGeL)
Die ACP- bzw. Eigenbluttherapie bei Hüftarthrose zählt zu den individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) und wird von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht übernommen. Sie ist damit üblicherweise eine Selbstzahlerleistung.
Als grobe Orientierung liegen die Kosten je Sitzung häufig im Bereich von rund zweihundert bis dreihundert Euro; da meist mehrere Sitzungen sinnvoll sind, kann sich für eine Behandlungsserie ein Gesamtbetrag im Bereich von rund sechshundert bis neunhundert Euro ergeben. Diese Angaben sind reine Richtwerte und keine verbindlichen Preise – der tatsächliche Aufwand hängt unter anderem von der Anzahl der Sitzungen und Ihrer individuellen Situation ab.
Vor Behandlungsbeginn erhalten Sie selbstverständlich einen schriftlichen Kostenvoranschlag, und wir besprechen alles in einer individuellen Beratung. Bei privat Versicherten und Beihilfeberechtigten kann je nach Tarif eine teilweise oder vollständige Kostenübernahme möglich sein; bitte klären Sie dies vorab mit Ihrer Versicherung.
Häufige Fragen zur ACP-Therapie an der Hüfte
Frage: Tut die ACP-Injektion an der Hüfte weh?
Antwort: Die Blutentnahme entspricht einer üblichen Blutabnahme. Die Injektion in das tief liegende Hüftgelenk kann kurz unangenehm sein, erfolgt aber bildgesteuert und damit gezielt. Auf Wunsch besprechen wir mit Ihnen Möglichkeiten, die Einstichstelle örtlich zu betäuben.
Frage: Wie viele Sitzungen sind nötig?
Antwort: In der Regel wird eine kleine Serie von mehreren Sitzungen im Abstand einiger Tage bis Wochen durchgeführt. Die genaue Anzahl legen wir individuell fest und passen sie an Ihren Verlauf an.
Frage: Wann zeigt sich eine mögliche Wirkung?
Antwort: Eine etwaige Besserung tritt meist nicht sofort, sondern über einige Wochen ein. Wie stark und wie lange eine Wirkung anhält, ist individuell sehr unterschiedlich und lässt sich nicht garantieren.
Frage: Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Antwort: Bei gesetzlich Versicherten handelt es sich um eine IGeL-Selbstzahlerleistung. Privat Versicherte und Beihilfeberechtigte sollten die Kostenübernahme vorab mit ihrer Versicherung klären. Einen schriftlichen Kostenvoranschlag erhalten Sie vorab.
Frage: Ersetzt die ACP-Therapie eine Hüft-Operation?
Antwort: Nein. Die ACP-Therapie ist kein Heilverfahren und kann einen notwendigen Gelenkersatz nicht ersetzen. Sie kann jedoch im Einzelfall als gelenkerhaltende Ergänzung erwogen werden, solange die Arthrose nicht zu weit fortgeschritten ist.
Ihre Beratung in Köln – Termin vereinbaren
Ob die ACP-Therapie an Ihrer Hüfte sinnvoll ist, lässt sich am besten in einem persönlichen Gespräch klären. Unser orthopädisches Team in Köln nimmt sich Zeit, Ihre Beschwerden einzuordnen, den Befund zu erläutern und gemeinsam mit Ihnen zu entscheiden, welcher Weg zu Ihnen passt. Dr. Christian Fluck und sein Team beraten Sie dabei ehrlich und ohne Druck.
Vereinbaren Sie Ihren Termin bequem online über unsere Terminbuchung bei Doctolib – wir freuen uns darauf, Sie in unserer Praxis in Köln persönlich kennenzulernen.