Hüftimpingement (FAI) — wenn die Hüfte am eigenen Knochen anschlägt

Ein tief sitzender Leistenschmerz beim Anziehen der Schuhe. Ein Klicken oder Ziehen in der Hüfte beim Aussteigen aus dem Auto. Schmerzen beim tiefen Beugen, beim seitlichen Ausfallschritt oder nach längerem Sitzen. Das Hüftimpingement, medizinisch femoroacetabuläres Impingement-Syndrom (FAI), gehört zu den häufigsten und gleichzeitig am längsten übersehenen Ursachen chronischer Hüftbeschwerden bei jungen und mittelalten Erwachsenen. Anders als die klassische Hüftarthrose betrifft es meist Menschen zwischen 20 und 45 Jahren, oft sportlich aktive Betroffene. Die Beschwerden entwickeln sich meist über Monate oder Jahre und werden häufig zunächst als „muskulär" oder „unspezifisch" fehlgedeutet. Wer die Diagnose richtig stellt, kann durch eine gezielte konservative Therapie oder eine minimalinvasive Operation die Beschwerden deutlich lindern und eine spätere Hüftarthrose in vielen Fällen verhindern.

Was ist ein Hüftimpingement?

Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk aus Hüftkopf am Oberschenkelknochen und Hüftpfanne am Beckenknochen. Beide Flächen sind mit Knorpel überzogen und ermöglichen ein reibungsfreies Gleiten. Beim Hüftimpingement ist einer oder beide Gelenkpartner nicht ganz ideal geformt. Bei bestimmten Bewegungen kommt es zu einem mechanischen Konflikt zwischen Hüftkopf und Hüftpfanne. Sie schlagen wörtlich aneinander an. Diese wiederholte Reibung schädigt langsam den Gelenkknorpel und die Gelenklippe (Labrum acetabulare), das ringförmige Knorpelgebilde am Rand der Hüftpfanne.

Mediziner unterscheiden drei Formen. Das Cam-Impingement entsteht durch eine knöcherne Verdickung am Übergang von Hüftkopf zu Schenkelhals, den sogenannten Nockenwellenbuckel. Diese Verdickung schlägt beim tiefen Beugen der Hüfte gegen den vorderen Pfannenrand und schädigt dort Knorpel und Labrum. Cam-Impingement betrifft überwiegend jüngere sportliche Männer. Das Pincer-Impingement entsteht durch eine zu tiefe oder zu weit überhängende Hüftpfanne, die den Schenkelhals bei Bewegung mechanisch einklemmt. Es betrifft häufiger Frauen im mittleren Lebensalter. Die häufigste Form ist das gemischte Impingement mit Anteilen beider Varianten.

Wie macht sich das Hüftimpingement bemerkbar?

Der klassische Schmerz beim Hüftimpingement sitzt tief in der Leiste. Betroffene beschreiben ihn oft mit dem „C-Zeichen": Sie umschließen die Hüftregion mit Daumen und Zeigefinger von vorne und hinten, um die Schmerzstelle zu markieren. Der Schmerz kann bis in den vorderen Oberschenkel oder in die Gesäßregion ausstrahlen. Er wird durch bestimmte Bewegungen provoziert: tiefes Sitzen, Autofahren mit angewinkelten Beinen, das Aussteigen aus dem Auto, seitliche Ausfallschritte, tiefe Kniebeugen und Bewegungen mit Innenrotation der Hüfte.

Charakteristisch ist die Positionsabhängigkeit. Länger sitzen wird zum Problem, weil die Hüfte in tiefer Beugung Schmerzen auslöst. Klicken, Klacken oder ein Blockierungsgefühl bei bestimmten Bewegungen weisen auf eine bereits geschädigte Gelenklippe hin. Mit fortschreitendem Verlauf entwickeln sich eine Einschränkung der Innenrotation, muskuläre Verspannungen um die Hüfte und im weiteren Verlauf auch belastungsabhängige Schmerzen beim Sport.

Wer ist besonders gefährdet?

Sportliche Aktivitäten mit häufigen Bewegungen der Hüfte in Innenrotation und tiefer Beugung erhöhen das Risiko. Klassische Beispiele sind Fußball, Handball, Eishockey, Kampfsport, Klettern und Ballett. Auch berufliche Tätigkeiten mit viel tiefem Bücken und Hocken (Fliesenleger, Gärtner) sind ein Risikofaktor. Die knöchernen Formveränderungen selbst sind aber vor allem angeboren oder entwickeln sich während der Wachstumsphase in der Jugend. Man kann ein Hüftimpingement also nicht durch Vermeidung von Sport verhindern, aber die Symptome können durch angepasste Belastung deutlich reduziert werden.

Diagnostik in der Praxis

Die klinische Untersuchung liefert bereits klare Hinweise. Die spezifischen Provokationstests wie der FADIR-Test (Beugung, Adduktion, Innenrotation) und der FABER-Test (Beugung, Abduktion, Außenrotation) lösen bei einem Impingement die typischen Beschwerden aus. Wir prüfen zusätzlich den Bewegungsumfang, insbesondere die Innenrotation der gebeugten Hüfte, die klassisch eingeschränkt ist.

Bildgebend beginnen wir mit einem Röntgenbild des Beckens in mehreren Ebenen. Es zeigt die knöchernen Formveränderungen und mögliche beginnende Arthrose-Zeichen. Für die Beurteilung der Weichteile und des Labrums ist das MRT der Goldstandard, oft ergänzt mit einer intraartikulären Kontrastmittelgabe (MR-Arthrografie), die Rissbildungen der Gelenklippe präzise darstellt. Bei komplexen knöchernen Fragestellungen und für die exakte Operationsplanung ist die Digitale Volumentomographie wertvoll, weil sie dreidimensionale Bilder bei geringer Strahlenbelastung liefert.

Konservative Therapie

Die konservative Behandlung ist bei Hüftimpingement die erste Wahl. Sie stützt sich auf mehrere Bausteine. Der wichtigste ist die Anpassung der Belastung. Auslösende Bewegungen sollten temporär reduziert werden, insbesondere langes Sitzen ohne Bewegungspausen, tiefe Kniebeugen und einseitige Sportarten. Physiotherapie zur Verbesserung der Beweglichkeit, Kräftigung der stabilisierenden Muskulatur (insbesondere der Glutealmuskulatur und der tiefen Rumpfmuskulatur) und manuelle Techniken zur Mobilisation stehen im Vordergrund. Entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac helfen in Schüben zeitlich begrenzt.

Bei begleitender chronischer Reizung des Gelenks kann die Eigenbluttherapie unterstützen, insbesondere bei Betroffenen mit beginnender Knorpelschädigung. Kortisoninjektionen in das Hüftgelenk werden nur bei akuten Schüben eingesetzt, weil sie langfristig den Knorpel schädigen können.

Operative Therapie

Bei konservativ therapieresistenten Verläufen mit deutlicher Alltagseinschränkung ist die operative Versorgung sinnvoll. Die arthroskopische Hüftchirurgie hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Über zwei bis drei kleine Zugänge werden mit Spezialinstrumenten die knöchernen Fehlformen abgetragen und, wenn nötig, die Gelenklippe refixiert oder rekonstruiert. Der Eingriff dauert ein bis zwei Stunden. Der Krankenhausaufenthalt beträgt meist ein bis drei Tage. Die Rehabilitation dauert drei bis sechs Monate mit strukturierter Physiotherapie und schrittweiser Belastungssteigerung.

Bei geeigneter Indikation zeigen aktuelle Studien sehr gute Ergebnisse. 80 bis 85 Prozent der operierten Betroffenen sind langfristig zufrieden. Bei sehr fortgeschrittener Arthrose ist die arthroskopische Hüftchirurgie nicht mehr sinnvoll.

Wenn das Impingement nicht reicht: Hüft-Endoprothese als Ausblick

Wenn ein unbehandeltes Hüftimpingement über Jahre besteht, entwickelt sich in vielen Fällen eine sekundäre Coxarthrose (Hüftarthrose). Der Knorpelverschleiß schreitet fort, die Beschwerden werden dauerhaft, die Bewegungseinschränkung nimmt zu. In fortgeschrittenen Stadien ist die Hüft-Endoprothese die effektivste Behandlungsoption. 

Die moderne Hüftendoprothese ist ein sehr etablierter Eingriff. Sie hält heute 20 Jahre und länger. Bei jungen Betroffenen mit fortgeschrittener Hüftarthrose kann sie die Lebensqualität dramatisch verbessern. Die Entscheidung zur Endoprothese sollte immer individuell nach Leidensdruck und Alltagseinschränkung getroffen werden, nicht allein nach dem Röntgenbefund.

FAQ: Häufige Fragen zum Hüftimpingement

Wie macht sich ein Hüftimpingement bemerkbar?


Klassisch mit einem tief sitzenden Leistenschmerz, der durch bestimmte Bewegungen provoziert wird: tiefes Sitzen, seitliche Ausfallschritte, Aussteigen aus dem Auto, tiefe Kniebeugen. Betroffene beschreiben oft ein Klicken oder Blockierungsgefühl in der Hüfte. Charakteristisch ist die Einschränkung der Innenrotation und der Schmerz bei bestimmten Provokationsbewegungen.

Was tun bei Impingement der Hüfte?


Erster Schritt ist die klare Diagnose durch Untersuchung und Bildgebung. Konservative Therapie mit Belastungsanpassung, gezielter Physiotherapie und in Schüben entzündungshemmenden Medikamenten ist die Basis. Bei therapieresistenten Verläufen mit deutlicher Alltagseinschränkung ist die arthroskopische Hüftchirurgie sinnvoll. Ergänzend kann bei beginnender Knorpelschädigung die Eigenbluttherapie unterstützen.

Welche Symptome treten beim Impingement-Syndrom der Hüfte auf?


Tief sitzender Leistenschmerz, Klicken oder Blockierung der Hüfte, Schmerzen beim tiefen Sitzen und beim Aussteigen aus dem Auto, Einschränkung der Innenrotation, muskuläre Verspannungen um die Hüfte, mit fortschreitendem Verlauf belastungsabhängige Schmerzen beim Sport. Nachtschmerzen sind eher selten.

Kann ein Impingement in der Hüfte wieder verschwinden?


Die knöcherne Formveränderung selbst verschwindet nicht. Was aber sehr wohl geht: Die Beschwerden können durch angepasste Belastung, Physiotherapie und gezieltes Training in vielen Fällen deutlich gelindert oder sogar vollständig zurückgedrängt werden. Bei therapieresistenten Verläufen bringt die arthroskopische Operation die knöchernen Konfliktzonen weg und ermöglicht eine langfristige Beschwerdefreiheit.

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