Welche Formen der Fingerarthrose gibt es?
Bei der Arthrose nutzt sich der Gelenkknorpel ab, der Gelenkspalt wird schmaler, am Rand bilden sich knöcherne Anbauten. An der Hand betrifft das vor allem drei Stellen. Die Heberden-Arthrose sitzt an den Fingerendgelenken, also den Gelenken direkt unter dem Nagel. Die Bouchard-Arthrose betrifft die Fingermittelgelenke. Die Rhizarthrose ist die Arthrose des Daumensattelgelenks an der Basis des Daumens, dort, wo der Daumen auf die Handwurzel trifft.
Die Rhizarthrose ist im Alltag besonders spürbar, weil das Daumensattelgelenk ein ungewöhnlich bewegliches Gelenk ist und bei jedem kräftigen Griff hohe Kräfte aufnimmt. Beim festen Zugreifen wirkt an diesem kleinen Gelenk ein Vielfaches der Kraft, die die Fingerspitzen aufbringen.
Welche Symptome treten auf?
Typisch sind Schmerzen bei Belastung, besonders beim Greifen, Drehen und Aufschrauben, eine Morgensteifigkeit der Finger, die meist nach wenigen Minuten nachlässt, und eine zunehmende Verdickung der betroffenen Gelenke. Bei der Heberden- und Bouchard-Arthrose bilden sich knotige Verdickungen, die zeitweise gerötet und druckschmerzhaft sein können. Bei der Rhizarthrose sitzt der Schmerz an der Daumenbasis und strahlt in den Daumen oder ins Handgelenk aus. Betroffene berichten, dass ihnen Gegenstände aus der Hand fallen und dass sie Gläser nur noch mit beiden Händen öffnen.
Viele Patientinnen und Patienten kommen mit der Sorge, es könnte Rheuma sein. Der Unterschied ist meist gut herauszuarbeiten: Arthrose macht Schmerzen bei Belastung und eine kurze Morgensteifigkeit, eine entzündlich-rheumatische Erkrankung eher eine Steifigkeit über eine Stunde, Schwellungen mehrerer Gelenke und oft Beschwerden in Ruhe. Bleibt es unklar, lassen wir das rheumatologisch abklären.
Was begünstigt eine Fingerarthrose?
Eine wesentliche Rolle spielt die familiäre Veranlagung, gerade bei den Fingerendgelenken. Hinzu kommen jahrelange hohe Belastung der Hände im Beruf oder Hobby, frühere Verletzungen oder Brüche in Gelenknähe sowie hormonelle Einflüsse, weshalb Beschwerden bei Frauen oft um die Wechseljahre beginnen. Auch Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen wirken sich auf den Gelenkknorpel aus.
Wie stellen wir die Diagnose?
Gespräch und Untersuchung geben meist schon den Ausschlag. Wir prüfen Beweglichkeit, Kraft beim Zugreifen und beim Spitzgriff, tasten die Gelenke und testen das Daumensattelgelenk gezielt. Ein Röntgenbild der Hand zeigt Gelenkspaltverschmälerung und knöcherne Anbauten und hilft, den Schweregrad einzuordnen. Für knöcherne Details kann eine dreidimensionale Aufnahme sinnvoll sein. Welche Verfahren wann passen, erklären wir im Vergleich der bildgebenden Verfahren.
Der Röntgenbefund und die Beschwerden gehen bei der Handarthrose oft weit auseinander. Wir sehen ausgeprägte Bilder bei Menschen mit wenig Schmerzen und umgekehrt. Deshalb richtet sich die Behandlung bei uns nach der Funktion im Alltag, nicht nach dem Bild.
Was hilft bei Fingerarthrose und Rhizarthrose?
Die Basis bildet die Kombination aus Aufklärung, Übungen und Hilfsmitteln. Die europäischen Fachgesellschaften empfehlen an erster Stelle ein Training für Beweglichkeit und Kraft der Hand sowie den Einsatz von Hilfsmitteln, die den Griff erleichtern, etwa dickere Stiftgriffe, Flaschenöffner oder Türgriffe statt Knäufe. Handtherapie unter Anleitung ist bei der Rhizarthrose besonders wirksam, weil dort gezielt die Muskulatur trainiert wird, die den Daumen stabilisiert.
Bei der Rhizarthrose hat sich zusätzlich eine Orthese bewährt, also eine Schiene, die das Daumensattelgelenk führt. Viele Betroffene tragen sie vor allem nachts oder bei belastenden Tätigkeiten und berichten über deutlich weniger Schmerzen. Wärmeanwendungen, etwa ein Handbad oder ein Wärmekissen, lockern vor dem Üben, Kälte lindert in entzündlichen Phasen.
Medikamentös kommen entzündungshemmende Schmerzmittel infrage, möglichst kurzzeitig, bevorzugt als Gel auf die Haut. Bei einer aktivierten, also deutlich entzündlichen Arthrose kann eine gezielte Injektion ins Gelenk helfen. Hyaluronsäure und die Eigenbluttherapie (ACP/PRP) werden an der Hand ebenfalls eingesetzt. Beides sind Selbstzahlerleistungen, die gesetzliche Krankenkasse übernimmt sie in der Regel nicht, und die Studienlage ist an den kleinen Handgelenken dünner als am Knie. Wir sagen offen, was man erwarten kann und was nicht, und besprechen die Kosten vorab. Wie wir das Verfahren am Knie einsetzen, beschreiben wir im Beitrag zur ACP-Therapie.
Eine Operation kommt infrage, wenn die Beschwerden trotz konsequenter Behandlung über Monate bestehen und Beruf oder Alltag deutlich einschränken. Bei der Rhizarthrose ist die Entfernung des großen Vieleckbeins mit Stabilisierung ein etabliertes Verfahren, an den Fingerendgelenken wird in ausgewählten Fällen versteift. Ein neueres und ebenfalls vielversprechendes operatives Verfahren ist die Implantation einer Daumensattelgelenksprothese. Wir besprechen eine Operation an der Hand, wenn Handtherapie, Schiene und Belastungsanpassung über mehrere Monate konsequent ausgeschöpft wurden. Vorher ist der Nutzen schwer einzuschätzen.
Was können Sie selbst tun?
Hilfreich ist, Griffe zu verändern statt die Hand zu schonen: Gegenstände mit der ganzen Hand statt mit Daumen und Zeigefinger heben, schwere Töpfe mit zwei Händen tragen, Flaschen mit einem Öffner aufdrehen, Arbeiten über den Tag verteilen. Regelmäßige Bewegungsübungen für die Finger, zwei- bis dreimal täglich wenige Minuten, halten die Gelenke beweglich. Nikotinverzicht, Gewichtsregulierung und ausreichend Bewegung wirken sich auf den gesamten Gelenkstoffwechsel aus.
Wann sollten Sie die Hand untersuchen lassen?
Abklären lassen sollten Sie Fingerbeschwerden, die länger als einige Wochen bestehen, Gelenke, die geschwollen, überwärmt und gerötet sind, eine Morgensteifigkeit, die deutlich länger als eine halbe Stunde dauert, sowie Kraftverlust, der den Alltag einschränkt. Taubheit und nächtliches Einschlafen der Finger sprechen eher für einen eingeengten Nerv, wie wir im Beitrag zum Karpaltunnelsyndrom beschreiben.
In unserer orthopädischen Praxis im Kölner Agnesviertel untersuchen wir Handbeschwerden gezielt, grenzen Arthrose von entzündlichen Ursachen und Nervenengpässen ab und stellen einen Behandlungsplan aus Übungen, Hilfsmitteln und, wenn nötig, Schiene oder Injektion zusammen.
FAQ: Häufige Fragen zu Fingerarthrose und Rhizarthrose
Was ist der Unterschied zwischen Fingerarthrose und Rhizarthrose?
Fingerarthrose bezeichnet den Verschleiß der Finger- und Mittelgelenke, Rhizarthrose den Verschleiß des Daumensattelgelenks an der Daumenbasis. Die Rhizarthrose fällt im Alltag besonders auf, weil sie das kraftvolle Greifen betrifft.
Was hilft gegen Arthrose in den Fingern?
Bewegungs- und Kraftübungen für die Hand, Hilfsmittel, die den Griff erleichtern, Wärme vor dem Üben, bei Bedarf entzündungshemmende Gels und bei der Rhizarthrose eine Daumenorthese. Diese Kombination ist in Leitlinien die empfohlene Basis.
Sind Knoten an den Fingern gefährlich?
Heberden- und Bouchard-Knoten sind Zeichen der Arthrose und an sich nicht gefährlich. Sie können zeitweise schmerzhaft sein. Schwellen mehrere Gelenke gleichzeitig an, ist morgens die Steifigkeit lang und bestehen Beschwerden in Ruhe, sollte eine rheumatische Erkrankung ausgeschlossen werden.
Hilft eine Daumenorthese bei Rhizarthrose?
Viele Betroffene berichten über deutlich weniger Schmerzen, wenn sie die Schiene nachts oder bei belastenden Tätigkeiten tragen. Sie ersetzt das Training der Handmuskulatur nicht, ergänzt es aber gut.
Welche Übungen helfen bei Fingerarthrose?
Sinnvoll sind sanfte Bewegungsübungen wie das Öffnen und Schließen der Faust, das Spreizen der Finger, das Zusammenführen von Daumen und Fingerkuppen sowie Kräftigung mit einem weichen Ball oder Knetmasse, mehrmals täglich für wenige Minuten.
Wird Fingerarthrose immer schlimmer?
Der Verlauf ist sehr unterschiedlich. Bei vielen Menschen schreitet die Arthrose langsam voran und die Beschwerden gehen nach einer aktiven Phase wieder zurück, wenn sich das Gelenk stabilisiert. Mit Training und angepassten Griffen lässt sich die Funktion lange erhalten.
Zahlt die Kasse Hyaluronsäure oder Eigenblut an der Hand?
In der Regel nicht. Beides sind Selbstzahlerleistungen. Wir besprechen vorab Nutzen, Grenzen und Kosten, damit Sie entscheiden können, ob sich der Versuch für Sie lohnt.
Wann ist eine Operation bei Rhizarthrose sinnvoll?
Wenn Schmerzen und Kraftverlust trotz Handtherapie, Orthese und angepasster Belastung über Monate bestehen und Beruf oder Alltag deutlich einschränken. Die Entscheidung hängt stark von den Anforderungen an die Hand ab und wird individuell getroffen.
Weiterführende Informationen: Eigenbluttherapie (ACP/PRP)
Über den Autor: Dr. med. Christian Fluck ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit der Zusatzbezeichnung Sportmedizin und AGA-zertifizierter Arthroskopeur. Zum Profil von Dr. Fluck
Medizinisch geprüft von Dr. med. Christian Fluck · Stand: Oktober 2026