Fraktur: was ein Knochenbruch ist und wie er heilt

Der Begriff Fraktur stammt vom lateinischen „fractura“ und bedeutet in der Medizin schlicht Knochenbruch. Gemeint ist jede Unterbrechung der Knochenstruktur, vom feinen Haarriss bis zum Bruch in mehrere Teile. Frakturen gehören zu den häufigsten Verletzungen überhaupt. Trotzdem sind sie nicht immer leicht zu erkennen, denn nicht jeder Bruch ist mit starken Schmerzen oder einer sichtbaren Fehlstellung verbunden. In diesem Beitrag erklären wir, woran Sie eine Fraktur erkennen, welche Arten es gibt und was die Heilung beeinflusst.

Wie entsteht eine Fraktur?

Ein gesunder Knochen ist erstaunlich belastbar. Er bricht, wenn eine Kraft auf ihn wirkt, die seine Stabilität übersteigt. Meist geschieht das durch einen Unfall, also einen Sturz, einen Aufprall oder ein Verdrehen, etwa beim Umknicken mit dem Sprunggelenk. Man spricht dann von einer traumatischen Fraktur.

Daneben gibt es zwei weitere Formen, die im Alltag oft übersehen werden. Bei einer Ermüdungs- oder Stressfraktur bricht der Knochen nicht durch einen einzelnen Unfall, sondern durch wiederholte Belastung, der er auf Dauer nicht gewachsen ist. Das betrifft vor allem Läuferinnen und Läufer, Soldaten oder Menschen, die ihr Training sehr rasch steigern. Typische Stellen sind die Mittelfußknochen, das Schienbein und der Oberschenkelhals. Bei einer pathologischen Fraktur ist der Knochen vorgeschädigt, am häufigsten durch Osteoporose. Dann kann schon ein banaler Sturz aus dem Stand oder sogar das Heben einer Einkaufstasche genügen.

Bei sportlich aktiven Patienten mit belastungsabhängigen Schmerzen im Fuß oder Schienbein denken wir früh an eine Stressfraktur. Im normalen Röntgenbild ist sie in den ersten Wochen oft nicht zu sehen, deshalb verlassen wir uns in diesen Fällen nicht auf ein unauffälliges Röntgenbild.

Woran erkennt man einen Knochenbruch?

Die Medizin unterscheidet sichere und unsichere Frakturzeichen. Sichere Zeichen sind eine sichtbare Fehlstellung, eine abnorme Beweglichkeit an einer Stelle, an der kein Gelenk ist, ein tastbares oder hörbares Knirschen der Bruchenden und bei einem offenen Bruch sichtbare Knochenteile. Liegt eines dieser Zeichen vor, ist die Diagnose praktisch klar.

Viel häufiger sind aber nur unsichere Zeichen vorhanden: Schmerzen, eine Schwellung, ein Bluterguss, ein deutlicher Druckschmerz direkt über dem Knochen und eine eingeschränkte Funktion. Diese Zeichen passen genauso zu einer Prellung, Verstauchung oder Bänderverletzung. Viele Menschen gehen davon aus, dass man einen gebrochenen Knochen gar nicht bewegen kann. Das stimmt nicht. Gerade bei kleineren Brüchen an Hand, Fuß oder Rippen ist Bewegung oft noch möglich, wenn auch schmerzhaft.

Ein Beispiel ist das Sprunggelenk: Ob es nur verstaucht oder gebrochen ist, lässt sich von außen oft nicht sicher sagen. Wie wir dabei vorgehen, erklären wir im Beitrag Wann ist der Knöchel nur verstaucht und wann gebrochen?

Welche Arten von Frakturen gibt es?

Frakturen werden nach mehreren Gesichtspunkten eingeteilt. Bei einer geschlossenen Fraktur ist die Haut über dem Bruch intakt, bei einer offenen Fraktur besteht eine Wunde, die bis zum Knochen reicht. Offene Brüche sind immer ein Notfall, weil Keime in den Knochen gelangen können.

Nach dem Bruchbild unterscheidet man unter anderem Querbrüche, Schrägbrüche, Spiralbrüche durch Drehkräfte und Trümmerbrüche mit mehreren Fragmenten. Ist der Knochen nur angebrochen, ohne dass sich die Bruchenden verschoben haben, spricht man von einer Fissur oder umgangssprachlich von einem Haarriss. Bei Kindern gibt es zusätzlich den Grünholzbruch, bei dem der elastische kindliche Knochen wie ein junger Zweig nur auf einer Seite bricht.

Für die Behandlung besonders wichtig sind zwei Fragen: Sind die Bruchstücke gegeneinander verschoben, also disloziert? Und reicht der Bruch in ein Gelenk hinein? Eine nicht verschobene Fraktur außerhalb eines Gelenks heilt oft gut mit Ruhigstellung, ein verschobener Gelenkbruch muss dagegen häufig operiert werden, damit die Gelenkfläche wieder glatt wird.

Wie wird eine Fraktur diagnostiziert?

Nach Gespräch und körperlicher Untersuchung ist das Röntgenbild in zwei Ebenen das Standardverfahren. Manche Brüche sind darauf aber kaum oder gar nicht zu sehen, etwa feine Brüche an Handwurzel, Fußwurzel oder Sprunggelenk. Hier hilft eine dreidimensionale Bildgebung weiter.

In unserer Praxis steht dafür die digitale Volumentomographie (DVT) zur Verfügung, eine 3D-Röntgentechnik, die Knochen in hoher Auflösung darstellt. Mit der DVT können wir kleine Absprengungen und Brüche an Hand und Fuß direkt in der Praxis erkennen, die im normalen Röntgen leicht übersehen werden. Das erspart vielen Patienten den Umweg zu einer externen CT. Wie hoch die Strahlenbelastung dabei ist, lesen Sie im Beitrag zur DVT-Strahlenbelastung. Bei Verdacht auf eine Stressfraktur oder eine begleitende Weichteilverletzung ist oft ein MRT die geeignete Untersuchung.

Wie wird eine Fraktur behandelt?

Das Ziel jeder Frakturbehandlung ist, dass der Knochen in der richtigen Stellung zusammenwächst und die Funktion wiederhergestellt wird. Viele Brüche lassen sich konservativ behandeln, also ohne Operation. Der Knochen wird mit einem Gips, einer Schiene oder einem Spezialschuh ruhiggestellt, bis er ausreichend fest ist. Heutige Behandlungskonzepte setzen dabei auf eine möglichst kurze Ruhigstellung und eine frühe, kontrollierte Belastung, um Muskelabbau und Gelenksteife zu vermeiden.

Eine Operation ist nötig, wenn die Bruchstücke deutlich verschoben sind und sich nicht stabil einrichten lassen, wenn ein Gelenk betroffen ist, bei offenen Brüchen oder wenn eine rasche Belastbarkeit aus medizinischen Gründen wichtig ist. Die Bruchstücke werden dann mit Platten, Schrauben, Drähten oder Nägeln fixiert. Ob ein Bruch operiert werden sollte, besprechen wir immer individuell. Bei einer nicht verschobenen Fraktur überwiegen meist die Vorteile der konservativen Behandlung, bei einem verschobenen Gelenkbruch kann eine Operation dagegen langfristige Folgeschäden verhindern.

Wie lange dauert die Heilung einer Fraktur?

Die Heilungsdauer hängt vor allem vom betroffenen Knochen, dem Bruchtyp, dem Alter und dem Allgemeinzustand ab. Als grobe Orientierung gilt: Finger- und Mittelhandknochen sind meist nach vier bis sechs Wochen belastbar, ein Handgelenksbruch nach etwa sechs Wochen, ein Sprunggelenksbruch nach sechs bis acht Wochen, große Röhrenknochen wie Schienbein oder Oberschenkel brauchen oft drei Monate und länger. Bis der Knochen seine volle ursprüngliche Festigkeit erreicht, vergehen allerdings mehrere Monate, denn der Umbau des Knochens läuft noch lange nach dem Abnehmen des Gipses weiter.

Rauchen, Diabetes, Durchblutungsstörungen, bestimmte Medikamente und ein Vitamin-D-Mangel können die Heilung verzögern. Wenn nach einem Bruch aus geringem Anlass der Verdacht auf Osteoporose besteht, sollte die Knochendichte untersucht werden, um weitere Frakturen zu verhindern.

Wann ist eine Fraktur ein Notfall?

Rufen Sie den Rettungsdienst unter 112 oder suchen Sie eine Notaufnahme auf bei offenen Brüchen, bei starker Fehlstellung, bei Taubheit, Kälte oder blasser Verfärbung unterhalb der Verletzung, bei Verdacht auf einen Bruch an Wirbelsäule, Becken oder Oberschenkel sowie bei Kopfverletzungen. Bei weniger dramatischen Verletzungen mit Schmerz, Schwellung und Druckschmerz über dem Knochen ist eine zeitnahe orthopädische Abklärung sinnvoll.

FAQ: Häufige Fragen zur Fraktur

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Was ist der Unterschied zwischen Fraktur und Fissur?

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Eine Fissur ist eine Sonderform der Fraktur: ein feiner Riss im Knochen, bei dem die Knochenstruktur nicht vollständig durchtrennt ist und keine Verschiebung vorliegt. Sie heilt meist konservativ, braucht aber ebenfalls Schonung.

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Kann man einen gebrochenen Knochen noch bewegen?

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Ja, das ist gar nicht selten. Besonders bei kleinen Knochen an Hand und Fuß oder bei nicht verschobenen Brüchen ist Bewegung oft eingeschränkt möglich. Beweglichkeit schließt einen Bruch also nicht aus.

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Wie lange dauert es, bis eine Fraktur verheilt ist?

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Je nach Knochen zwischen etwa vier Wochen bei Fingern und drei Monaten oder länger bei großen Röhrenknochen. Die vollständige Belastbarkeit wird oft erst nach mehreren Monaten erreicht.

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Was bedeutet „Fraktur“ auf einem Röntgenbefund?

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Fraktur bedeutet Knochenbruch. Zusätze wie „nicht disloziert“ bedeuten, dass die Bruchenden nicht verschoben sind, „intraartikulär“ heißt, dass der Bruch ins Gelenk reicht. Die genaue Bedeutung für Ihre Behandlung besprechen wir gerne mit Ihnen.

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Sieht man jeden Bruch im Röntgen?

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Nein. Feine Brüche, Stressfrakturen und Brüche an kleinen Knochen der Hand- und Fußwurzel sind im Röntgenbild manchmal nicht erkennbar. Dann helfen eine 3D-Bildgebung wie die DVT oder ein MRT.

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Was ist eine Stressfraktur?

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Eine Stressfraktur, auch Ermüdungsbruch genannt, entsteht durch wiederholte Belastung statt durch einen einzelnen Unfall. Betroffen sind häufig Mittelfuß und Schienbein, typisch ist ein belastungsabhängiger Schmerz. Im Röntgenbild ist sie in den ersten Wochen oft nicht zu sehen.

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Muss jede Fraktur operiert werden?

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Nein. Viele Brüche heilen mit Gips, Schiene oder Spezialschuh. Eine Operation ist vor allem bei verschobenen Bruchstücken, bei Brüchen mit Gelenkbeteiligung und bei offenen Brüchen nötig.

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Was unterstützt die Heilung eines Knochenbruchs?

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Wichtig sind die Einhaltung der empfohlenen Ruhigstellung und Belastung, der Verzicht auf das Rauchen und eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß, Kalzium und Vitamin D. Die Heilung braucht dennoch ihre Zeit, die sich nicht beliebig abkürzen lässt.

In unserer orthopädischen Praxis im Kölner Agnesviertel können wir Knochenverletzungen mit 3D-Bildgebung (DVT) direkt vor Ort abklären. Wenn Sie nach einem Sturz oder Umknicken unsicher sind, ob etwas gebrochen ist, oder belastungsabhängige Schmerzen im Fuß oder Schienbein haben, sind wir gerne für Sie da.

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Weiterführende Informationen: DVT: Digitale Volumentomographie

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