Eigenbluttherapie bei Achillessehnen-Beschwerden

Anhaltende Schmerzen an der Achillessehne können das Gehen, Laufen und sogar das normale Treppensteigen zur Belastung machen. Wenn klassische Maßnahmen über Wochen nicht ausreichend greifen, fragen viele Betroffene gezielt nach Alternativen – ein häufiges Stichwort ist dabei die Eigenbluttherapie an der Achillessehne. In diesem Ratgeber erklären wir Ihnen verständlich, was hinter der Eigenbluttherapie steckt, wie sie bei Sehnenbeschwerden wirken soll und was die wissenschaftliche Evidenz aktuell ehrlich dazu sagt. Dr. Fluck und Kollegen möchten Ihnen damit eine fundierte Grundlage für Ihre eigene Entscheidung geben.

Achillodynie verstehen: Wenn die Achillessehne schmerzt

Beschwerden an der Achillessehne tragen viele Namen. Der Begriff Achillodynie beschreibt allgemein den Schmerz im Bereich der Achillessehne. Fachlich spricht man heute meist von einer Achillessehnen-Tendinopathie – also einer schmerzhaften Überlastungsreaktion des Sehnengewebes. Umgangssprachlich ist oft von einer Achillessehnenentzündung die Rede, auch wenn moderne Untersuchungen zeigen, dass es sich häufig weniger um eine klassische Entzündung als vielmehr um einen Umbau- und Degenerationsprozess der Sehne handelt.

Typisch sind ein Anlaufschmerz am Morgen, eine Verdickung der Sehne und Schmerzen bei Belastung – etwa beim Joggen, Springen oder längeren Spaziergängen am Rheinufer. Betroffen sind häufig sportlich aktive Menschen, aber auch Personen mit überwiegend sitzender Tätigkeit, plötzlicher Belastungssteigerung oder ungünstigem Schuhwerk. Unterschieden wird oft zwischen Beschwerden im mittleren Sehnenabschnitt (midportion) und ansatznahen Beschwerden am Fersenbein.

Die Ursachen sind meist vielschichtig. Häufig spielt eine wiederholte Überlastung eine Rolle, etwa durch ein zu schnelles Steigern des Lauftrainings, ungewohnte Belastungen oder eine verkürzte Wadenmuskulatur. Auch Faktoren wie Übergewicht, Fußfehlstellungen, das Lebensalter oder Stoffwechselerkrankungen können das Sehnengewebe anfälliger machen. Weil die Achillessehne im Alltag bei nahezu jedem Schritt beansprucht wird, heilen Beschwerden oft langsamer aus als an anderen Stellen des Körpers. Genau das macht eine geduldige, gut abgestimmte Behandlung so wichtig – und erklärt, warum manche Betroffene nach ergänzenden Optionen wie der Eigenbluttherapie fragen.

Konservative Basistherapie steht an erster Stelle

Bevor über eine Eigenbluttherapie nachgedacht wird, gilt nach gängiger Leitlinienempfehlung und Fachliteratur zunächst die konservative Behandlung als Grundpfeiler. Laut Übersichtsarbeiten lassen sich Achillessehnen-Beschwerden in einem großen Teil der Fälle ohne Operation in den Griff bekommen – vorausgesetzt, die Therapie wird konsequent und über einen ausreichend langen Zeitraum durchgeführt.

Zu den zentralen konservativen Bausteinen zählen:

  • Exzentrisches Krafttraining der Wadenmuskulatur (z. B. nach dem bekannten Alfredson-Protokoll) sowie Heavy-Slow-Resistance-Training – gilt als bestuntersuchte Maßnahme.
  • Belastungssteuerung: gezielte Anpassung statt kompletter Schonung, schrittweise Steigerung.
  • Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT), besonders wenn das Training allein nicht ausreicht.
  • Physiotherapie, Dehnung und Einlagen sowie kurzfristig entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) zur Symptomlinderung.

Die Fachliteratur empfiehlt, dieser Basistherapie ausreichend Zeit zu geben – häufig wird ein Zeitraum von mehreren Monaten genannt. Erst wenn diese Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg bringen, kann eine Eigenbluttherapie als ergänzende Behandlungsoption erwogen werden.

Wichtig zu wissen: Konservative Behandlung bedeutet nicht, einfach abzuwarten. Sie ist ein aktiver Prozess, bei dem das exzentrische Training oft die zentrale Rolle spielt. Dabei wird die Wadenmuskulatur in der nachgebenden Bewegungsphase gezielt belastet, was einen Reiz für den geordneten Umbau des Sehnengewebes setzen soll. Begleitend können physiotherapeutische Maßnahmen, eine vorübergehende Anpassung der sportlichen Aktivität sowie – bei ansatznahen Beschwerden – spezielle Übungsvarianten sinnvoll sein. Dr. Fluck und Kollegen stimmen das konservative Programm individuell auf Ihre Beschwerden und Ihren Alltag ab.

Was ist Eigenbluttherapie? PRP und ACP erklärt

Bei der Eigenbluttherapie wird Ihnen – wie bei einer normalen Blutentnahme – eine kleine Menge Blut aus der Armvene abgenommen. Dieses wird in einer Zentrifuge aufbereitet, um den Anteil an Blutplättchen (Thrombozyten) zu konzentrieren. So entsteht ein plättchenreiches Plasma (PRP). Eine in der Orthopädie verbreitete Variante ist das autologe conditionierte Plasma (ACP) – ein leukozytenarmes PRP-Verfahren, bei dem die Aufbereitung besonders schonend und mit geringem Anteil weißer Blutkörperchen erfolgt.

„Autolog“ bedeutet dabei: Es wird ausschließlich Ihr eigenes Blut verwendet. Das so gewonnene Konzentrat wird anschließend gezielt in den Bereich der erkrankten Achillessehne gespritzt, häufig unter Ultraschallkontrolle.

Der gesamte Vorgang ist vergleichsweise unkompliziert und findet ambulant in der Praxis statt. Weil es sich um körpereigenes Material handelt, entfällt das Risiko einer Abstoßungsreaktion oder einer Unverträglichkeit gegenüber Fremdstoffen. Die Eigenbluttherapie zählt zu den sogenannten regenerativen oder biologischen Verfahren – also Ansätzen, die nicht primär den Schmerz unterdrücken, sondern körpereigene Reparaturvorgänge anstoßen sollen. Ob dieser Anspruch im Einzelfall eingelöst wird, hängt von vielen Faktoren ab und lässt sich nicht pauschal vorhersagen.

Wie soll die Eigenbluttherapie an der Sehne wirken?

Blutplättchen enthalten zahlreiche Wachstumsfaktoren. Die Überlegung hinter PRP und ACP ist, dass diese Wachstumsfaktoren in höherer Konzentration regenerative Prozesse im Sehnengewebe unterstützen sollen. Theoretisch könnten sie Reiz- und Heilungsvorgänge anstoßen und so dazu beitragen, dass sich das überlastete Sehnengewebe besser erholt.

Wichtig ist uns dabei Ehrlichkeit: Diese Wirkmechanismen sind ein plausibles Modell, aber kein bewiesener Automatismus. Die Eigenbluttherapie ist kein Heilverfahren, und eine Garantie für einen bestimmten Behandlungserfolg gibt es nicht. Ob und wie stark eine Wirkung eintritt, kann individuell sehr unterschiedlich sein.

Eigenbluttherapie an der Achillessehne: Was sagt die Evidenz?

Gerade bei der Achillessehne ist die Studienlage gemischt und teils widersprüchlich – das möchten wir Ihnen offen darstellen. Mehrere systematische Übersichtsarbeiten kommen zu dem Schluss, dass PRP-Injektionen bei chronischer Tendinopathie des mittleren Achillessehnenabschnitts keinen klaren Zusatznutzen gegenüber der Standardbehandlung mit Übungstherapie zeigen konnten.

So fasst etwa eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zur PRP-Behandlung der chronischen Midsubstance-Achillessehnen-Tendinopathie zusammen, dass hochwertige randomisierte kontrollierte Studien keinen eindeutigen zusätzlichen Vorteil von PRP belegen konnten und PRP daher nicht als Erstlinientherapie eingesetzt werden sollte.

Auch der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet die Eigenbluttherapie bei Tendinopathien zurückhaltend und verweist darauf, dass ein patientenrelevanter Nutzen bislang nicht ausreichend belegt sei. Gleichzeitig beschreiben einzelne Studien kurzfristige Effekte wie eine raschere Schmerzlinderung oder günstigere Befunde im Ultraschall, ohne dass sich daraus ein klarer langfristiger Vorteil ableiten ließe.

Was bedeutet das konkret für Sie? Zum einen sollten Sie sich nicht von einzelnen, sehr positiven Erfahrungsberichten zu überzogenen Erwartungen verleiten lassen. Zum anderen heißt eine gemischte Studienlage nicht, dass die Eigenbluttherapie wirkungslos ist – sondern, dass ein eindeutiger, durchgängig nachweisbarer Zusatznutzen bei der Achillessehne bislang nicht belegt werden konnte. In bestimmten Situationen, etwa bei lang anhaltenden Beschwerden trotz konsequenter konservativer Therapie, kann ein individueller Behandlungsversuch nach sorgfältiger Abwägung dennoch sinnvoll sein. Diese Entscheidung treffen wir gemeinsam mit Ihnen, transparent und ohne Druck.

Auffällig ist, dass Studien mit geringerer methodischer Qualität tendenziell positivere Ergebnisse berichten als gut kontrollierte Untersuchungen. Aus dieser Gemengelage ergibt sich für uns: Die Eigenbluttherapie kann im Einzelfall erwogen werden, sie ist aber keine garantierte Lösung und ersetzt die konsequente konservative Basistherapie nicht.

Ablauf einer Eigenbluttherapie in unserer Praxis

Eine Behandlung folgt in der Regel diesen Schritten:

  • Untersuchung und Beratung: Zunächst klären wir Ihre Beschwerden ab, häufig ergänzt durch eine Ultraschalluntersuchung der Achillessehne und ein ausführliches Gespräch über Nutzen und Grenzen.
  • Blutentnahme: Eine kleine Menge Blut wird wie bei einer üblichen Abnahme gewonnen.
  • Aufbereitung: Das Blut wird zentrifugiert, um das plättchenreiche Plasma (PRP/ACP) zu gewinnen.
  • Injektion: Das Konzentrat wird gezielt im Bereich der Sehne platziert, oft unter Ultraschallkontrolle.
  • Nachsorge: Meist werden mehrere Sitzungen im Abstand einiger Wochen besprochen, begleitet von der weitergeführten Übungstherapie.

Zur bildgebenden Abklärung kann in geeigneten Fällen ergänzend moderne Diagnostik sinnvoll sein – mehr dazu erfahren Sie auf unserer Service-Seite zur digitalen Volumentomographie (DVT).

Mögliche Begleiterscheinungen und Sicherheit

Da bei der Eigenbluttherapie ausschließlich Ihr eigenes, aufbereitetes Blut verwendet wird, gilt das Verfahren grundsätzlich als gut verträglich. Wie bei jeder Injektion können dennoch vorübergehende Begleiterscheinungen auftreten, etwa ein leichtes Druck- oder Spannungsgefühl, eine kurzzeitige Schmerzzunahme an der Einstichstelle, eine kleine Schwellung oder ein Bluterguss. Schwerwiegende Komplikationen sind selten. Über das individuelle Nutzen-Risiko-Verhältnis und mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten sprechen wir vor jeder Behandlung ausführlich mit Ihnen. So können Sie in Ruhe und gut informiert entscheiden, ob dieser Schritt für Sie passt.

Für wen kommt die Eigenbluttherapie infrage – und für wen nicht?

Als ergänzende Behandlungsoption kann die Eigenblut-Therapie an der Achillessehne vor allem dann erwogen werden, wenn eine konsequente konservative Therapie über mehrere Monate nicht ausreichend geholfen hat und Sie eine Alternative zu invasiven Schritten suchen. Da ausschließlich körpereigenes Material verwendet wird, gilt das Verfahren grundsätzlich als gut verträglich.

Weniger geeignet oder nicht ratsam ist sie zum Beispiel bei bestimmten Blut- und Gerinnungserkrankungen, akuten Infektionen im Behandlungsgebiet, einer Schwangerschaft oder bei laufender Einnahme bestimmter Medikamente. Ob die Eigenbluttherapie in Ihrer persönlichen Situation sinnvoll ist, lässt sich nur in einer individuellen Beratung klären – die Entscheidung treffen wir gemeinsam mit Ihnen.

Eigenbluttherapie als Baustein im Gesamtkonzept

Aus Sicht von Dr. Fluck und Kollegen ist die Eigenbluttherapie kein Ersatz für die Basistherapie, sondern ein ergänzender Baustein. Das exzentrische Training, eine kluge Belastungssteuerung und gegebenenfalls die Stoßwellentherapie bleiben das Fundament. Eine PRP- oder ACP-Behandlung kann in diesen Rahmen eingebettet werden – mit realistischen Erwartungen und engmaschiger Begleitung. Unser orthopädisches Team in Köln berät Sie dazu gern persönlich.

Kosten: Eine kurze Einordnung

Die Eigenbluttherapie ist in der Regel eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) und wird von den gesetzlichen Krankenkassen meist nicht übernommen. Die Kosten hängen unter anderem von der Anzahl der Sitzungen ab und bewegen sich je Sitzung üblicherweise im Bereich von etwa zweihundert Euro – dies ist ein grober Richtwert und keine verbindliche Preisangabe. Eine genaue Einordnung erhalten Sie in einer individuellen Beratung in unserer Praxis.

Häufige Fragen zur Eigenbluttherapie an der Achillessehne

Frage: Tut die Behandlung weh?

Antwort: Die Blutentnahme entspricht einer normalen Abnahme. Die Injektion an der Sehne kann kurzfristig spürbar sein; viele Betroffene empfinden sie als gut tolerierbar. Über mögliche Begleiterscheinungen klären wir Sie im Vorfeld auf.

Frage: Wie viele Sitzungen sind nötig?

Antwort: Häufig werden mehrere Sitzungen im Abstand einiger Wochen besprochen. Die genaue Anzahl richtet sich nach dem individuellen Befund und wird gemeinsam festgelegt.

Frage: Ersetzt die Eigenbluttherapie meine Übungen?

Antwort: Nein. Das exzentrische Training und die konservative Basistherapie bleiben zentral. Die Eigenbluttherapie kann diese ergänzen, ersetzt sie aber nicht.

Frage: Wann darf ich nach der Behandlung wieder Sport treiben?

Antwort: Das hängt von Ihren Beschwerden und dem Behandlungsverlauf ab. In der Regel wird die Belastung schrittweise wieder gesteigert, begleitet von der Übungstherapie. Einen individuellen Zeitplan stimmen wir persönlich mit Ihnen ab, damit die Sehne nicht zu früh überlastet wird.

Frage: Wirkt die Therapie garantiert?

Antwort: Eine Garantie für einen bestimmten Erfolg gibt es nicht. Die Studienlage bei der Achillessehne ist gemischt. Wir besprechen mit Ihnen realistische Erwartungen, bevor Sie sich entscheiden.

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