Was ist ein Tennisarm?
Medizinisch korrekt sprechen wir von einer Epicondylopathie oder Epicondylitis lateralis humeri — einer schmerzhaften Reizung der gemeinsamen Strecksehne am äußeren Knochenvorsprung des Oberarmknochens. Im Zentrum steht ein chronischer Mikro-Umbau der Sehne (Tendinose), nicht eine klassische Entzündung.
Auslösend ist meist eine Mischung aus repetitiver Mikro-Belastung, ungewohnt hoher Belastung und biomechanischen Faktoren wie verkürzter oder schwacher Unterarmmuskulatur.
Wer ist betroffen?
- Bürotätigkeit mit häufiger Maus- und Tastatur-Nutzung
- Handwerk und Schraubarbeiten
- Musiker (Geige, Klavier)
- Schlägersport — Tennis, Squash, Padel
- Klettern und Krafttraining mit hoher Griffbelastung
Häufigkeitsgipfel zwischen 35 und 55 Jahren, Männer und Frauen etwa gleich oft.
Symptome
- Punktgenauer Druckschmerz an der Außenseite des Ellenbogens
- Schmerz beim Händedruck oder beim Heben einer Tasse
- Schwäche beim Greifen
- Schmerz, der nach Belastung beginnt und sich immer früher in der Bewegung zeigt
- Im chronischen Stadium: ständiger dumpfer Schmerz auch in Ruhe
Diagnose in unserer Praxis
- Anamnese mit Belastungsprofil — Beruf, Sport, Hobbys
- Klinische Funktionstests: Cozen-Test, Mill-Test, Maudsley-Test
- Druckschmerzauslösung an der typischen Stelle
- Hochauflösender Ultraschall — Sehnenstruktur, Neovaskularisation, ggf. Verkalkungen
- Ausschlussdiagnostik: Halswirbelsäule, Nervus radialis, Bizepssehne
Die Differenzialdiagnose ist wichtig — viele Tennisarm-Schmerzen haben zusätzliche oder eigentliche Ursachen in der Halswirbelsäule oder der Schulter.
Konservative Behandlung
- Belastungsmodifikation — auslösende Bewegungen gezielt reduzieren, ohne komplett ruhigzustellen
- Exzentrisches Training — langsam bremsende Übungen für die Streckermuskulatur, mehrfach täglich
- Fokussierte Stoßwellentherapie — mehrfach in Studien belegt, Erfolgsraten 65–75 %
- Manuelle Therapie — oft auch an Halswirbelsäule und Schulter wirksam
- Epicondylitis-Spange — als Kurzzeit-Hilfe bei Alltagsbelastung
- Ergonomie-Beratung — Schreibtisch, Maus, Tastatur, Sportgerät
- PRP oder ACP Therapie - orthobiologische Therapie mit nachweislich guten langsfristigen Ergebnissen
Eine 8- bis 12-wöchige strukturierte Therapie führt bei rund 90 % zu deutlicher Beschwerdebesserung.
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Eine OP kommt erst nach mindestens 6 Monaten konsequenter konservativer Therapie infrage. Verfahren:
- Offene Sehnenrevision nach Hohmann oder Wilhelm
- Arthroskopische Revision mit gezieltem Debridement
- Selektive Denervation bei chronischer Neuropathie-Beteiligung
Erfolgsrate rund 80 %, Rückkehr in den vollen Sport nach 3 bis 6 Monaten.
Übungen für die Heilung
Diese drei Übungen sind Teil unseres Reha-Protokolls — bitte erst nach ärztlicher Abklärung beginnen:
- Exzentrische Handgelenk-Extension mit Hantel (1 kg): Hand mit Hantel auf Tischkante, Handfläche nach unten. Mit der anderen Hand zur Streckung helfen, dann mit der betroffenen Seite langsam (3 Sekunden) in die Beugung absenken. 3 × 15 zweimal täglich.
- Tyler Twist mit flexiblem Gummi-Stab (FlexBar): bewährter Klassiker. 3 × 15 zweimal täglich.
- Mobilisation von Halswirbelsäule und Schulter: 5 Minuten täglich Schulterkreisen, Brustwirbelsäulen-Rotation und Nackendehnung.
Prävention
- Belastung schrittweise steigern, neue Tätigkeiten langsam einführen
- Ergonomischen Arbeitsplatz prüfen (Schreibtischhöhe, Maus, Tastatur)
- Beim Sport Technik kontrollieren lassen
- Regelmäßiges Krafttraining der Unterarmmuskulatur
- Bei ersten Warnzeichen: 2 Wochen Belastung reduzieren
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert ein Tennisarm?
Mit gezielter Therapie 6 bis 12 Wochen bis zur deutlichen Besserung. Ohne aktive Behandlung kann sich der Verlauf über 12 bis 24 Monate ziehen.
Hilft eine Cortison-Spritze beim Tennisarm?
Kurzfristig mitunter schon ja, in den ersten 2 bis 4 Wochen. Mittel- und langfristig zeigen Studien jedoch, dass Cortison schlechtere Ergebnisse bringt als gar keine Behandlung oder konservatives Training. Wir setzen Cortison nicht ein. .
Welcher Arzt behandelt den Tennisarm?
Erste Anlaufstelle ist Ihr Hausarzt. Bei länger als 4 Wochen anhaltenden Beschwerden ist eine fachärztliche Untersuchung beim Orthopäden, Handchirurgen oder Sportmediziner sinnvoll — sie verfügen über die nötigen Diagnose- und Therapieverfahren wie Ultraschall und Stoßwellentherapie.
Welche Übungen helfen wirklich beim Tennisarm?
Wissenschaftlich am best belegt ist das exzentrische Training mit Hantel oder FlexBar. Tägliche Wiederholungen über mindestens 6 bis 8 Wochen sind nötig.
Kann ein Tennisarm wiederkommen?
Ja — vor allem wenn die ursprüngliche Belastung unverändert weitergeht. Der Schlüssel zur Prävention ist die ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes oder der Sporttechnik plus regelmäßiges Unterarmtraining.
Termin in unserer Praxis in Köln-Niehl vereinbaren
Sie haben seit Wochen Schmerzen am Ellenbogen, die Salben und Schonung nicht beheben konnten? Lassen Sie den Tennisarm fachärztlich abklären — je früher die richtige Therapie startet, desto kürzer der Verlauf. Vereinbaren Sie unkompliziert einen Termin in unserer Praxis — wir untersuchen Sie klinisch und per Ultraschall und stellen mit Ihnen einen individuellen Therapieplan auf.