Schulterschmerzen – Rotatorenmanschette, Kapselentzündung und Impingement verständlich erklärt

Schulterschmerzen gehören zu den häufigsten orthopädischen Beschwerden im Erwachsenenalter. Sie können plötzlich auftreten oder sich schleichend entwickeln und reichen von belastungsabhängigen Schmerzen bis hin zu ausgeprägten Bewegungseinschränkungen im Alltag. Häufig liegen Veränderungen an der Rotatorenmanschette, der Gelenkkapsel oder ein sogenanntes subacromiales Impingement zugrunde. Obwohl sich die Symptome dieser Erkrankungen ähneln können, handelt es sich um unterschiedliche Krankheitsbilder mit jeweils eigener Ursache, Prognose und therapeutischer Bedeutung. Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Ursachen von Schulterschmerzen, typische Symptome und warum eine präzise orthopädische Abklärung entscheidend ist.

Die Schulter – ein komplexes und anfälliges Gelenk

Das Schultergelenk zählt zu den beweglichsten Gelenken des menschlichen Körpers. Es besteht aus dem Oberarmkopf, der relativ kleinen Schulterpfanne, der umgebenden Gelenkkapsel sowie einem komplexen Zusammenspiel aus Muskeln, Sehnen und Schleimbeuteln.

Diese große Beweglichkeit ermöglicht vielfältige Alltags- und Sportbewegungen, macht die Schulter jedoch gleichzeitig anfällig für Überlastungen, degenerative Veränderungen und Entzündungen. Bereits kleine Störungen im Zusammenspiel der beteiligten Strukturen können zu relevanten Beschwerden führen.

Schulterschmerzen durch Veränderungen der Rotatorenmanschette

Funktion der Rotatorenmanschette

Die Rotatorenmanschette besteht aus vier  Muskeln mitsamt  Sehnen, die den Oberarmkopf aktiv in der Schulterpfanne zentrieren und stabilisieren. Sie ist entscheidend für kontrollierte Hebe-, Dreh- und Überkopfbewegungen des Arms.

Typische Schäden der Rotatorenmanschette

Zu den häufigsten Veränderungen zählen Reizzustände, Sehnenverschleiß, Teilrisse oder komplette Risse der Sehnen. Diese werden zusammenfassend als Rotatorenmanschettenläsionen bezeichnet.

Typische Symptome sind belastungsabhängige Schulterschmerzen, Schmerzen beim Anheben oder Drehen des Arms, ein spürbarer Kraftverlust sowie nächtliche Schmerzen, insbesondere beim Liegen auf der betroffenen Schulter. Ursachen sind häufig altersbedingter Sehnenverschleiß, wiederholte Überkopfbelastungen oder Verletzungen nach Stürzen.

Subacromiales Impingement – wenn der Raum zu eng wird

Was bedeutet subacromiales Impingement?

Beim subacromialen Impingement kommt es zu einer mechanischen Einengung von Sehnen oder Schleimbeuteln unter dem Schulterdach. Dieser Raum wird als Subacromialraum bezeichnet und ist bei bestimmten Bewegungen besonders beansprucht.

Symptome und Ursachen

Typisch sind Schmerzen beim seitlichen Anheben des Arms, ein schmerzhafter Bewegungsbogen sowie zunehmende Beschwerden bei Belastung. Ein Impingement kann sowohl Ursache als auch Folge von Veränderungen der Rotatorenmanschette sein. Häufig tragen knöcherne Veränderungen, Fehlbelastungen oder muskuläre Dysbalancen zur Entstehung bei.

H2: Kapselentzündung und Capsulitis adhaesiva (Frozen Shoulder)

Was ist eine Kapselentzündung der Schulter?

Die Kapselentzündung betrifft die Gelenkkapsel der Schulter und wird medizinisch als Capsulitis adhaesiva oder Frozen Shoulder bezeichnet. Sie ist durch eine entzündliche Verdickung und Schrumpfung der Gelenkkapsel gekennzeichnet.

Typischer Verlauf und Symptome

Betroffene entwickeln zunehmend starke Bewegungseinschränkungen in nahezu alle Richtungen, oft begleitet von nächtlichen Schmerzen. Alltägliche Bewegungen wie Anziehen oder Körperpflege werden erheblich erschwert. Die Erkrankung verläuft meist in Phasen und kann sich über Monate bis Jahre erstrecken.

Abgrenzung der häufigsten Ursachen von Schulterschmerzen

Eine klare Differenzierung der Krankheitsbilder ist entscheidend, da sich die Behandlungsstrategien deutlich unterscheiden. Während bei Rotatorenmanschettenveränderungen primär Sehnen und Muskeln betroffen sind, liegt beim Impingement eine mechanische Enge vor. Die Capsulitis adhaesiva hingegen ist eine entzündliche Erkrankung der Gelenkkapsel mit ausgeprägter Steife.

Diagnostik bei Schulterschmerzen

Die Abklärung von Schulterschmerzen erfolgt stets stufenweise. Zunächst stehen eine ausführliche Anamnese und eine klinische Funktionsprüfung im Vordergrund. Dabei werden Beweglichkeit, Kraft, Schmerzprovokation und Funktion der Schulter beurteilt.

Ergänzend kommen bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen oder MRT zum Einsatz. Wichtig ist jedoch, dass nicht jeder auffällige Bildbefund automatisch die Ursache der Beschwerden darstellt. Entscheidend ist die Gesamtschau aus Befund, Symptomen und klinischem Eindruck.

Wann sollten Schulterschmerzen orthopädisch abgeklärt werden?

Eine fachärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn Schulterschmerzen länger anhalten, sich verschlechtern oder mit einem zunehmenden Kraftverlust einhergehen. Auch nächtliche Ruheschmerzen, ausgeprägte Bewegungseinschränkungen oder Einschränkungen im Berufs- und Alltagsleben sollten Anlass zur Untersuchung geben. Alle Informationen zum Thema Schulter finden Sie hier

Wissenschaftliche Einordnung und Fachquellen

Schultererkrankungen wie Rotatorenmanschettenläsionen, Impingement-Syndrome und die Capsulitis adhaesiva sind in orthopädischen Leitlinien gut beschrieben. Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) sowie die Deutsche Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie (DVSE) betonen die Bedeutung einer differenzierten Diagnostik und individuellen Therapieplanung.

Fazit – Schulterschmerzen differenziert betrachten

Schulterschmerzen haben häufig komplexe Ursachen und lassen sich nicht auf ein einzelnes Krankheitsbild reduzieren. Veränderungen an der Rotatorenmanschette, ein subacromiales Impingement oder eine Kapselentzündung sind unterschiedliche Erkrankungen, die gezielt unterschieden werden müssen. Eine fundierte orthopädische Diagnostik ist die Grundlage für eine sinnvolle Behandlung und einen möglichst guten Verlauf.

Wenn Sie unter anhaltenden Schulterschmerzen, Bewegungseinschränkungen oder Kraftverlust leiden und die Ursache Ihrer Beschwerden besser verstehen möchten, kann eine orthopädische Abklärung sinnvoll sein.

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