Was bedeutet OSG-Distorsion?
Der Begriff „Distorsion“ beschreibt eine Überdehnung oder strukturelle Verletzung von Bändern infolge einer unphysiologischen Gelenkbewegung. Beim oberen Sprunggelenk sind in der Mehrzahl der Fälle die lateralen Außenbänder betroffen, insbesondere das Ligamentum talofibulare anterius.
Das obere Sprunggelenk verbindet Schienbein, Wadenbein und Sprungbein und ermöglicht die Auf- und Abbewegung des Fußes. Aufgrund seiner hohen mechanischen Belastung ist es besonders anfällig für Verletzungen, insbesondere bei sportlicher Aktivität oder plötzlichen Richtungswechseln.
Eine OSG-Distorsion kann rechts oder links auftreten, wobei das Verletzungsmuster im Wesentlichen vom Unfallmechanismus abhängt und nicht von der betroffenen Seite.
Wie entsteht eine Distorsion des Sprunggelenks?
In den meisten Fällen kommt es durch ein plötzliches Umknicken des Fußes zu einer Überdehnung der Bandstrukturen. Typische Situationen sind Sportarten mit schnellen Richtungswechseln wie Fußball, Handball oder Basketball. Auch ein Fehltritt auf unebenem Untergrund oder ein Ausrutschen im Alltag kann eine Distorsion auslösen.
Bei einem Supinationstrauma wird der Fuß nach außen gekippt. Dadurch entsteht eine Zugbelastung auf die Außenbänder. Je nach Intensität der Krafteinwirkung reicht die Verletzung von einer einfachen Bandüberdehnung bis hin zum kompletten Bandriss.
Schweregrade der OSG-Distorsion
Grad I – Bandüberdehnung
Bei einer leichten Distorsion kommt es zu einer Überdehnung der Bänder ohne strukturellen Riss. Schmerzen und Schwellung sind vorhanden, die Stabilität des Gelenks bleibt jedoch erhalten.
Grad II – Teilruptur
Bei einer mittelschweren Verletzung liegt ein Teilriss eines oder mehrerer Bänder vor. Die Schwellung ist ausgeprägter, die Belastbarkeit deutlich eingeschränkt.
Grad III – vollständiger Bandriss
Bei einer schweren Distorsion besteht eine komplette Rissbildung eines oder mehrer Bänder. Das Gelenk kann instabil erscheinen, und die Belastung ist meist nur eingeschränkt oder gar nicht möglich.
Die exakte Einordnung ist entscheidend für die Therapieplanung.
Typische Symptome einer OSG-Distorsion
Unmittelbar nach dem Unfall treten Schmerzen im Bereich des äußeren Sprunggelenks auf. Innerhalb kurzer Zeit kommt es häufig zu einer Schwellung, gelegentlich auch zu einem Bluterguss. Die Belastbarkeit ist eingeschränkt, jedoch können viele Betroffene zumindest vorsichtig auftreten.
Charakteristisch ist ein lokaler Druckschmerz über den Außenbändern. In schwereren Fällen kann ein Instabilitätsgefühl auftreten.
Wann sollte eine Fraktur ausgeschlossen werden?
Nicht jede starke Schwellung bedeutet eine knöcherne Verletzung. Dennoch muss in bestimmten Situationen eine Fraktur ausgeschlossen werden. Hierbei helfen die sogenannten Ottawa-Ankle-Rules. Diese klinischen Entscheidungsregeln geben Hinweise darauf, wann eine Röntgenuntersuchung erforderlich ist.
Eine radiologische Abklärung ist insbesondere angezeigt, wenn eine sofortige Belastung nicht möglich ist oder ein deutlicher Druckschmerz über knöchernen Strukturen besteht. Ein Röntgenbild dient dem Ausschluss einer knöchernen Beteiligung, da Therapie und Prognose sich in diesem Fall wesentlich unterscheiden.
Diagnostik bei einer Distorsion des Sprunggelenks
Die Diagnose einer OSG-Distorsion erfolgt in erster Linie klinisch sowie ergänzend durch die Sonographie. Entscheidend ist die Schilderung des Unfallmechanismus sowie die körperliche Untersuchung mit Stabilitätstests. Hierbei wird geprüft, ob eine vermehrte Gelenkbeweglichkeit auf eine relevante Bandverletzung hinweist.
In bestimmten Fällen kann eine weiterführende Bildgebung wie ein MRT sinnvoll sein, etwa wenn komplexe Bandverletzungen oder begleitende Knorpelschäden vermutet werden. Mehr Informationen zu unserer Diagnostik finden Sie hier.
Therapie der OSG-Distorsion
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Verletzung. In den meisten Fällen erfolgt eine konservative nichtoperative Therapie. In der Akutphase steht die PECH-Behandlung im Vordergrund: Pause, Eis, Compression und Hochlagerung. Moderne Behandlungskonzepte setzen auf eine funktionelle Therapie gestützt durch eine Sprunggelenksbandage. Ergänzend ist eine physiotherapeutische Übungsbehandlung sinnvoll, um Muskulatur und insbesondere Koordination nach Ausheilung der Verletzung wieder aufzubauen.
Operative Maßnahmen bei einer OSG-Distorsion sind höchst selten notwendig und bleiben schweren Verletzungen mit ausgeprägter Instabilität vorbehalten.
Wie lange dauert die Heilung?
Die Dauer der Heilung hängt vom Schweregrad der OSG-Distorsion ab. Leichte Verletzungen können innerhalb von sechs Wochen ausheilen. Bei Teilrissen oder kompletten Bandrupturen kann die vollständige Belastbarkeit mehrere Monate in Anspruch nehmen.
Eine zu frühe Rückkehr zum Sport erhöht das Risiko eines erneuten Umknickens. Deshalb sollte die Belastungssteigerung strukturiert erfolgen.
Warum eine korrekte Behandlung wichtig ist
Unzureichend behandelte Distorsionen können langfristige Folgen haben. Dazu zählen chronische Instabilität, wiederholte Umknickverletzungen und eine vorzeitige Gelenkarthrose. Eine sorgfältige Diagnostik und strukturierte Therapie reduzieren das Risiko von Spätfolgen erheblich.
Wann sollte eine orthopädische Untersuchung erfolgen?
Eine fachärztliche Abklärung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn die Schmerzen stark sind, die Belastbarkeit deutlich eingeschränkt bleibt oder eine Instabilität vermutet wird. Auch bei anhaltender Schwellung oder fehlender Besserung über mehrere Tage sollte eine Untersuchung erfolgen.
Fazit – OSG-Distorsion richtig behandeln
Die OSG-Distorsion ist eine häufige, meist gut behandelbare Bandverletzung des oberen Sprunggelenks. Entscheidend für eine gute Prognose ist die korrekte Einordnung des Schweregrades sowie eine frühzeitige funktionelle Therapie.
Auch wenn viele Verstauchungen folgenlos ausheilen, sollte bei ausgeprägten Beschwerden oder Unsicherheit eine orthopädische Untersuchung erfolgen. Eine präzise Diagnose bildet die Grundlage für eine stabile und langfristig belastbare Heilung. Buchen Sie jetzt hier Ihren Termin.