Was ist eine Capsulitis adhaesiva?
Die Capsulitis adhaesiva ist eine entzündliche Veränderung der Gelenkkapsel des Schultergelenks insbesondere der in der Achselhöhle inferior gelegenen Schulterkapselanteile. Dabei kommt es zu einer Verdickung und Schrumpfung des Kapselgewebes sowie zu entzündlich bedingten Verklebungen innerhalb der Gelenkkapsel. Diese Veränderungen führen zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung.
Im Gegensatz zu vielen anderen Schultererkrankungen sind bei der Frozen Shoulder sowohl die aktive als auch die passive Beweglichkeit eingeschränkt. Das bedeutet, dass der Arm nicht nur vom Patienten selbst, sondern auch durch den Untersucher nicht vollständig bewegt werden kann. Dieses Merkmal ist diagnostisch entscheidend.
Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) beschreibt die Capsulitis adhaesiva als klinische Diagnose, bei der die Funktionsprüfung im Vordergrund steht und bildgebende Verfahren vor allem dem Ausschluss anderer Ursachen dienen. Ein MRT kann die Verdickung der Schultergelenkkapsel nachweisen.
Abgrenzung zu anderen Schultererkrankungen
Unterschied zur Rotatorenmanschettenverletzung
Bei einer Rotatorenmanschettenläsion liegt das Hauptproblem in geschädigten Sehnen oder Muskeln. Typisch ist eine eingeschränkte aktive Beweglichkeit bei relativ erhaltener passiver Beweglichkeit. Bei der Capsulitis adhaesiva hingegen sind beide Bewegungsformen deutlich limitiert.
Unterschied zum Impingement-Syndrom
Beim subakromialen Impingement kommt es zu einer mechanischen Enge unter dem Schulterdach. Schmerzen treten vor allem bei bestimmten Bewegungswinkeln auf. Eine globale Bewegungseinschränkung in nahezu alle Richtungen, wie sie für die Frozen Shoulder typisch ist, findet sich dort nicht.
Die korrekte Differenzierung ist entscheidend für die Therapieplanung.
Typische Symptome einer Gelenkkapselentzündung
Die Erkrankung beginnt häufig schleichend. Zunächst stehen diffuse Schulterschmerzen im Vordergrund, die sich vor allem nachts verstärken. Viele Patientinnen und Patienten berichten über Schlafstörungen, da die betroffene Schulter nicht schmerzfrei gelagert werden kann.
Im weiteren Verlauf nimmt die Beweglichkeit zunehmend ab. Alltagsbewegungen wie das Anziehen einer Jacke, das Greifen in ein hohes Regal oder das Schließen des BHs werden deutlich erschwert. Charakteristisch ist, dass nahezu alle Bewegungsrichtungen betroffen sind, insbesondere die Außenrotation.
Die Schmerzintensität kann stark variieren. Während einige Betroffene vor allem unter Bewegungseinschränkungen leiden, stehen bei anderen die Schmerzen im Vordergrund.
Der typische Verlauf einer Frozen Shoulder
Schmerzphase
In der ersten Phase dominieren zunehmende Schmerzen. Die Beweglichkeit nimmt langsam ab, während entzündliche Prozesse in der Gelenkkapsel aktiv sind. Diese Phase kann mehrere Wochen bis Monate andauern. In dieser Phase kann man die Erkrankung am effektivsten therapieren und somit den Krankheitsverlauf verkürzen.
Einsteifungsphase
In der zweiten Phase lassen die Schmerzen häufig nach, jedoch ist die Beweglichkeit stark eingeschränkt. Die Schulter wirkt mechanisch blockiert. Diese Phase ist funktionell besonders belastend.
Lösungsphase
In der dritten Phase kommt es allmählich zu einer Verbesserung der Beweglichkeit. Der Prozess kann sich über mehrere Monate bis zu zwei Jahre erstrecken. Die Erkrankung ist in vielen Fällen selbstlimitierend, das bedeutet, sie heilt mit der Zeit ab, wenn auch teilweise mit Restbewegungseinschränkungen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genaue Ursache der Capsulitis adhaesiva ist nicht immer eindeutig feststellbar. Man unterscheidet zwischen einer primären Form ohne erkennbare Ursache und einer sekundären Form nach Verletzungen, Operationen oder längerer Ruhigstellung der Schulter.
Risikofaktoren können Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus sein, ebenso hormonelle Veränderungen oder Schilddrüsenerkrankungen. Auch längere Immobilisation nach Frakturen oder operativen Eingriffen erhöht das Risiko.
Dennoch tritt die Erkrankung häufig ohne klar identifizierbaren Auslöser auf.
Diagnostik der Capsulitis adhaesiva
Die Diagnose wird primär klinisch gestellt. Entscheidend ist die Kombination aus schmerzhaft eingeschränkter aktiver und passiver Beweglichkeit. Die Funktionsprüfung durch den Orthopäden bildet den Kern der Diagnostik.
Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder MRT dienen vor allem dem Ausschluss anderer Ursachen, etwa einer Rotatorenmanschettenruptur oder arthrotischer Veränderungen. Im MRT können eine Verdickung der Gelenkkapsel oder entzündliche Veränderungen sichtbar sein, sind jedoch nicht zwingend erforderlich für die Diagnosestellung. Alle weiteren Infos zu Diagnostik und Therapie finden Sie hier.
Therapie der Frozen Shoulder
In den meisten Fällen erfolgt die Behandlung konservativ. Ziel ist zunächst die Schmerzreduktion. Entzündungshemmende Medikamente und gezielte Infiltrationen können in der frühen Phase sinnvoll sein. Ab Phase 2 dazu spielt die Physiotherapie eine zentrale Rolle.
Gerade bei der frozen shoulder kann eine oszillierende Magnetfeldtherapie (EMTT) mit häufig 5-8 Sitzungen eine deutliche Verbesserung der Beweglichkeit und eine Reduktion des Schmerzes erzielen helfen. Ebenso ist der Einsatz von PRP oder ACP eine sinnvolle und krankheitsmodulierende Therapie.
Wichtig ist ein behutsamer, schmerzadaptierter Bewegungsaufbau. Zu aggressive Mobilisation kann die Beschwerden verstärken. Die Therapie muss individuell angepasst werden.
In seltenen Fällen, wenn trotz langfristiger konservativer Therapie keine Besserung eintritt, können interventionelle Maßnahmen wie eine arthroskopische Kapsellösung erwogen werden. Diese Entscheidung erfolgt jedoch erst nach sorgfältiger Abwägung.
Wann sollte eine orthopädische Abklärung erfolgen?
Eine ärztliche Untersuchung ist immer sinnvoll, wenn Schulterschmerzen über mehrere Wochen anhalten oder die Beweglichkeit zunehmend eingeschränkt ist. Besonders nächtliche Schmerzen in Kombination mit zunehmender Steife sollten abgeklärt werden.
Je früher die Diagnose gestellt wird, desto gezielter kann der Verlauf begleitet und eine unnötige Chronifizierung vermieden werden.
Fazit – Capsulitis adhaesiva richtig verstehen und behandeln
Die Gelenkkapselentzündung der Schulter, auch Capsulitis adhaesiva oder Frozen Shoulder genannt, ist eine eigenständige Erkrankung mit charakteristischem Verlauf. Sie führt zu einer globalen Bewegungseinschränkung und kann sich über viele Monate entwickeln.
Entscheidend ist die korrekte klinische Einordnung, da bildgebende Veränderungen allein nicht ausschlaggebend sind. In den meisten Fällen ist die Erkrankung selbstlimitierend und konservativ behandelbar.
Wenn Sie unter zunehmender Schultersteife oder nächtlichen Schulterschmerzen leiden, buchen Sie gerne direkt online einen Termin. Eine frühzeitige Abklärung hilft, andere Ursachen auszuschließen und eine individuell passende Therapie einzuleiten.